Schlosshofkonzert in Hersbruck

Wolfgang Ambros: Er kann’s noch

Wolfgang Ambros erzählt in seinen Liedern vom Leben und der Liebe. | Foto: P. Meyer2018/07/IMG_0652.jpg

HERSBRUCK – Wolfgang Ambros gastierte beim zweiten Schlosshofkonzert in Hersbruck und bescherte den vollbesetzten Reihen sowie den „Zaungästen“ einen unvergleichlichen Konzertabend.

Eine laue Sommernacht wie aus dem Bilderbuch legte sich sachte über den von Menschen wimmelnden Platz vor dem Amtsgericht Hersbruck, und Anspannung und Vorfreude auf das nahende Konzert waren deutlich zu spüren. Pünktlich um kurz nach 20 Uhr betraten die drei Hauptakteure die Bühne.

Wolfgang Ambros geht mühsam am Stock – mit Ende 60 und nach einer schweren Rückenoperation deutlich „für sein Leben gezeichnet“ – und platziert sich auf seinem Hocker mitten auf der Bühne.
Bedächtig, ruhig und nicht ohne eine gewisse Portion Selbstironie erklärt er den Inhalt seiner Lieder, deren Texte ihn beschreiben, sagt er. „Ich bin verwahrlost, aber ich bin frei“, gefolgt von einer Trilogie, die während seiner „Midlife-Krise“ entstanden ist. Eher nachdenkliche Töne erklingen zwischen den alten Gemäuern, vor allem „A klanes Resümee“ schlägt in diese Kerbe.

Innige Stimmung

Die Augen hält er beim Spielen meist geschlossen, weil ihm sein Hund mit der Pfote „einen Datscher“ gegeben habe, und sie ihn nicht schmerzten, wenn er sie zu hat. Das trägt nicht wenig zur innigen Stimmung bei, die längst der anfänglichen Gespanntheit gewichen ist. Ambros pur – der Name für das Tourprogramm ist perfekt gewählt. Günter Dzikowski am E-Piano und Akkordeon sowie Roland Vogl abwechselnd an Gitarre und E-Zither begleiten den gealterten österreichischen Liedermacher virtuos bei all seinen Regungen.

Über die hohen Gesangspassagen werden gleitende Akkorde gelegt, und ob das Lied bis zum letzten oder vorletztem Akkord erklingt, wird im letzten Moment entschieden. Denn dann höre das Publikum aufmerksamer zu, lässt Ambros schmunzelnd wissen. Er ist zweifellos der Mittelpunkt des Abends, den er ohne seine beiden musikalisch hoch qualifizierten Co-Piloten nicht bestreiten könnte, aber auch nicht muss.
Wenn auch in die Jahre gekommen, wirkt er authentisch. Er erzählt vom Leben, der Liebe, der Freundschaft – so wie seine Lieder es tun. Es ist stimmig und alle Nummern fügen sich durch Ambros‘ Ausführungen harmonisch aneinander.

Klatschen und Stampfen

Im zweiten Teil wird es etwas munterer, die Band widmet zwei Geburtstagskindern ein Lied, wechselt die Instrumente und mit der einsetzenden Dunkelheit taut das Publikum auf. Lange Textpassagen werden bei dem Hit „Zwickt‘s mi“ mitgesungen, es wird geklatscht und gestampft. Diese alten Nummern bringen die Menschen zum Schwelgen und man verzeiht gerne den ein oder anderen krummen Ton. Fulminant endet das Konzert schließlich mit lauten Klavier- und Gitarrenakkorden.

Die Zuhörer werden lange auf die Folter gespannt, aber letztendlich für ihren tosenden Applaus belohnt, als die Musiker mit insgesamt fünf Zugaben wieder auf die Bühne kommen. Als zum Schluss noch „Es lebe der Zentralfriedhof“ und „Schifoan“ erklingen, hält es keinen mehr auf seinem Platz. Der gesamte Schlosshof singt lauthals die Texte mit, sodass die Musiker zeitweise über mehrere Takte hinweg aussetzen können.
Sichtlich glücklich, das Publikum derart begeistert zu haben, verlassen die Musiker die Bühne nicht ohne zu beteuern, dass sich die lange Fahrt rentiert hat und sie jederzeit gerne wiederkommen.

N-Land Petra Meyer
Petra Meyer