Hersbrucks künftiger Stadtpfarrer

Einführung von Thomas Lichteneber am Sonntag

Am 5. November wird Thomas Lichteneber als neuer Hersbrucker Stadtpfarrer ins Amt eingeführt. | Foto: privat2017/11/8118189.jpg

HERSBRUCK  – „Hersbruck ist wie ein Heimkommen für mich“: Nach vier Stationen als Pfarrer in ganz Bayern kommt der gebürtige Nürnberger Thomas Lichteneber nach Franken zurück. Am Sonntag, 5. November, um 15 Uhr wird er in einem Gottesdienst offiziell als neuer Hersbrucker Stadtpfarrer eingeführt.

Erst vor ein paar Wochen ist Thomas Lichteneber mit seiner Frau von Garmisch-Partenkirchen in die „richtig liebenswerte Stadt“, wie er von seinem neuen Zuhause schwärmt, gezogen. Doch unbekannt ist ihm die Gegend als Nürnberger nicht. Er weiß, dass er hier eine lebendige Gemeinde und viele Frömmigkeitsbewegungen vorfindet. Und genau auf diese Vielfalt und den Kontakt zu den Menschen freut er sich: „Monotone Arbeit ist schlimm.“

Er liebt am Beruf als Geistlicher, dass er jeden Tag vor neuen Herausforderungen steht, dass er von seinem Gegenüber lernen und mit diesem etwas entwickeln kann – „eine spannende Aufgabe“. Zudem schätzt der sich mit Bedacht äußernde Pfarrer, dass er sein eigener Chef ist. „Da trägt man natürlich viel Verantwortung und braucht eine gute Selbstorganisation.“

Bei aller Begeisterung vergisst Lichteneber auch die schweren Momente nicht: „Es kann belastend sein, Menschen in schrecklichen Situationen beizustehen. Das trägt man lange mit sich.“ Denn als Seelsorger unterliegt der aufgeschlossene und stets freundlich lächelnde Mann der Verschwiegenheit. Auch wenn ihn solche Erlebnisse mal am Glauben zweifeln lassen („Das gehört dazu“), verloren hat er ihn nie, auch wenn er erst spät zur Religion gefunden hat.

Lichteneber hat eigentlich Werkzeugmacher gelernt. Erst währenddessen – es war die Zeit der Ostermärsche – begann er sich für Kirche zu interessieren. Über den zweiten Bildungsweg machte er sein Abitur und studierte dann Theologie. „Es war eine gewachsene Entscheidung“, erinnert er sich. Einen Blick zurück wirft er auch auf das Reformationsjubiläum, das seiner Meinung nach vor allem half, den Freiheitsbegriff – ein reformatorisches Anliegen – in die Gesellschaft hineinwirken zu lassen: „Es ist wichtig, sich eine eigene Meinung zu bilden und zu diskutieren.“ Einfache Antworten lehnt er ab.

Als gestandener Pfarrer wehrt er sich gegen das überholte Bild, dass der Geistliche der Gemeinde vorangeht: „Ich möchte gemeinsam mit den Mitarbeitern das Profil hier entdecken.“ Dieses Team-Denken hat er auf vielen Pilgerreisen gelernt. „Man hat wenig dabei, ist in Bewegung – da ziehe ich jedes Mal viel für mich heraus.“ Gruppenfahrten nach Santiago de Compostela beispielsweise bedeuten ihm sehr viel – auch in ökumenischer Hinsicht.

„Aufgrund meiner Zeit in der Diaspora in Garmisch-Partenkirchen bin ich für dieses Thema sensibilisiert.“ Lichteneber ist der Auffassung, dass viele Herausforderungen nur ökumenisch zu bewältigen sind. „Je mehr wir in die Minderheit hineinkommen, desto mehr müssen wir zusammenstehen.“ Und gegenüber Politik und Gesellschaft sollte die Kirche mit einer Stimme sprechen, ist er überzeugt.

Glaube in der Natur
Diese Einstellung wird auch seine Arbeit in Hersbruck prägen. „Ich freue mich, die Gegend mit dem Rad zu erkunden und eventuell wieder ans Klettern anzuknüpfen.“ Die Felsformationen seien ihm vertraut. Der DAV-Wanderleiter, der in Garmisch-Partenkirchen spirituelle Bergtage organisiert hatte, möchte hier ebenfalls „Glaube und Spiritualität in der Natur erleben“. Klar sind die Hügel vor der neuen Haustür nicht mit den Alpen zu vergleichen, aber „Freunde und Familie – einer der drei erwachsenen Söhne lebt in Nürnberg – waren der größere Magnet“ für die Rückkehr nach Franken.

Thomas Lichteneber kennt das Problem als Pfarrer, nicht genau zu wissen, wo man daheim ist, wo die Wurzeln sind. Der 53-Jährige kann sich vorstellen, bis zur Rente in der Stadt zu bleiben: „Ich habe den Wunsch, dass Hersbruck unsere Heimat wird.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch