Profi-Kellner schreibt Buch über Bierzeltkultur

Eine Maß Bier vom „Wadl Symen“

Simon Traub ist als Profi-Kellner auch im Bierzelt am Hersbrucker Sommerfest unterwegs. | Foto: privat2017/07/8252548.jpeg

HERSBRUCK – Ab heute herrscht wieder Hochsaison im Bierzelt auf dem Sommerfest. „Powerlord“ heizt den Zuhörern mächtig ein, bis sie auf den Bänken stehen und feiern, was das Zeug hält. Und irgendwo mittendrin im Getümmel: Profikellner Simon Traub aus Neumarkt. Unter dem Pseudonym „Wadl Symen“ hat er ein Buch über den ganz normalen Wahnsinn der Volksfestkellnerei geschrieben. „Die Krüge hoch! Hinter den Kulissen der Bierzeltkultur“ heißt der witzige wie informative Schmöker.

Dass es ein Knochenjob ist, in einem Festzelt zu bedienen, ist klar. Wie es zwischen Maßkrügen, Giegerln und Blasmusikkapelle — oder eben Rockband — wirklich zugeht, wissen jedoch die wenigsten. Auch junge Kellner nicht. Und so kam Simon Traub die Idee, ein Buch darüber zu schreiben. In erster Linie sei es als Ratgeber für seine angehenden Kollegen gedacht gewesen, erklärt der Neumarkter.
Doch das Büchlein kommt auch bei Bierzeltliebhabern und Volksfestfreunden an, schließlich enthält es allerhand Insiderwissen – vom kleinen ABC der Bierzeltsprache über ungewöhnliche Bräuche wie dem Kuh-Bingo bis zu einem Überblick über die schönsten Volksfeste.

Und was sich Kellner manchmal so alles anhören müssen …: Das Giegerl sei zäh, die Maß nicht g’scheit eingeschenkt und überhaupt viel zu teuer. Ob die Hersbrucker auch so viel meckern? „Hier ist die Welt noch in Ordnung“, sagt Traub gelassen. Die Hersbrucker seien ein entspanntes Völkchen, gemütlicher als beispielsweise die Laufer. Und vom Trinkgeld her? Durchschnitt, sagt der Neumarkter.

50 Cent pro Maß
Apropos Geld: Bierzelt-Kellner arbeiten übrigens im Grunde genommen auf selbstständiger Basis und erhalten keinen festen Stundenlohn. Vielmehr erwirbt der Kellner vom Wirt eine gewisse Menge an Bier und verkauft sie dann an die Gäste weiter. Die Differenz zwischen Einkaufs- und Weiterverkaufspreis ist das sogenannte Bedienungsgeld. Kostet die Maß zum Beispiel sieben Euro, liegt das Bedienungsgeld etwa bei 80 Cent, wobei davon noch Steuern und Sozialabgaben weggehen. Bleiben rund 50 Cent pro Maß beim Kellner. Und natürlich das Trinkgeld.

Anstrengend ist das Kellnern aber dennoch, immerhin wiegt eine Maß Bier rund 2,2 Kilo. Und an einem Abend im Festzelt am Plärrer schleppt Traub gut und gerne an die 150 Maßen zu den durstigen Besuchern. Dabei käme es nicht in erster Linie auf reine Muskelkraft an, sondern auf die Technik. Und auf gutes Schuhwerk. In Hersbruck ist der Neumarkter Profikellner für 18 Tische zuständig. Da bringt er an einem Abend schon was an Kilometern zusammen. Kein Wunder, dass Traubs Wadln ordentlich stramm sind. Spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, wo das Pseudonym „Wadl Symen“ herkommt.

„Den Leuten ist oft nicht bewusst, wie hart der Job ist“, sagt Traub. Da wünsche er sich schon manchmal mehr Respekt seinem Berufsstand gegenüber. Auch deshalb hat er das Buch geschrieben. Denn wer meint, dass das Bedienungsgeld automatisch mit dem Bierpreis steige, irrt. „Es kam schon vor, dass der Lohn ein paar Jahre gar nicht anstieg. Das liegt immer im Ermessen des Betreibers“, heißt es in Traubs Buch.
Will ein Profi-Kellner gut über die Runden kommen, sollte er laut „Wadl Symen“ einige Regeln beachten. Etwa die 180-Tage-Regelung. Nur wenn er nämlich nachweislich an 180 Tagen in Bierzelten kellnert, habe er Anspruch auf 90 Tage Arbeitslosengeld. Viele seiner Kollegen wüssten das nicht, sagt der Neumarkter, der auch auf der Münchner Wies’n arbeitet.

In diesem Jahr wartet auf den „Wadl Symen“ allerdings ein ganz besonderes Oktoberfest, nämlich das in New York. Am 12. September fliegt er in die amerikanische Metropole, um dort die englische Ausgabe seines Buches vorzustellen und an der berühmten German-American Steuben-Parade teilzunehmen. Hier marschiert er als Musikant bei seiner Heimatkapelle mit, denn Quetsch’n spielt der Simon Traub auch.
Wadl Symen: „Die Krüge hoch! Hinter den Kulissen der Bierzeltkultur.“ 14,95 Euro, erhältlich im Buchhandel.

N-Land Katja Bub
Katja Bub