Von Hersbruck nach Lauf

Einblick in die Familiengeschichte der Tanzschule Steinlein

Hans und Barbara Steinlein gründeten die Tanzschule. | Foto: privat2018/09/Steinlein2.jpg

HERSBRUCK/LAUF – Wiegeschritt – ChaChaCha: Unzählige Hersbrucker sowie Jungs und Mädchen aller Generationen aus dem Umland haben beim Steinlein das Tanzen gelernt. Mittlerweile besteht das Fami
lienunternehmen in der dritten Generation. Kein Wunder, dass Iris Steinlein sagt: „Das Leben ist ein Tanz – definitiv!“

Seit Januar dieses Jahres hat sie die Geschäftsleitung des Familienunternehmens übernommen, die vorher ihre Eltern und Schwester Sylvia Semetka inne hatten. „Es ist ein Geschenk, so ein Traditionsunternehmen zu übernehmen“, sagt Iris Steinlein lächelnd. Im Mai 2019 feiert die Tanzschule Steinlein bereits das 80-jährige Bestehen, sie führt es in dritter Generation. Dass es einmal so weit kommt, war eigentlich keine Frage, erinnert sich die ruhig und überlegt erscheinende Frau.

Schon in ihrer Kindheit war das Tanzen für sie und Schwester Sylvia „ganz natürlich“: „Wir sind in diesem Metier groß geworden.“ Mit vier Jahren machte Steinlein die ersten Schritte auf dem Parkett. Als sie in der Grundschule war, organisierte Mama Erika ihr einen Tanzpartner. Mit Marco übte sie ChaChaCha und Rock’n’Roll, als Gag entwickelte sich der Überschlag von Marco, der eigentlich Mädchen-Sache gewesen wäre. „Aber das war eine wacklige Angelegenheit“, erinnert sich Steinlein.

Sie beiden waren das Kindertanzpaar auf den Bühnen. „Für mich war das toll, so ein funkelndes Kleid zu haben“, erzählt Steinlein und strahlt aus vollem Herzen. Ihre Emotionen kann der Gefühlsmensch schlecht verstecken – und die Tatsache, dass ihr das Tanzen in die Wiege gelegt wurde. Trotz ihrer Leidenschaft zu Reisen und Fremdsprachen schlug sie schnell den Weg Richtung dreijährige Tanzlehrerausbildung ein. Sie schwärmt regelrecht von diesem „vielschichtigen Beruf“ aus Organisation, Büroarbeit, Gastronomie, Entertainment und Pädagogik: „Das sind alles schöne Herausforderungen.“

Und Reisen und Sprachen passen dazu noch wunderbar zu diesem Beruf, stellt sie fest. Ein Beispiel dafür sind die Tanzreisen samt Sprachkurs für Teenager in die USA, wo Steinlein lange gelebt und die „Steinlein Productions“ in Los Angeles aufgebaut hat. „Die Jugendlichen kommen mit glitzernden Augen zurück und die Entwicklung der Persönlichkeit ist oft ganz toll zu sehen.“ So etwas Besonderes – wie auch die erstmals angebotene Wien-Reise für Paare für den perfekten Walzer-Schliff kommendes Jahr – sind nötig, um die Tanzschule in die Zukunft zu führen. Dazu gehört auch, das Internet zu nutzen. Aus Steinleins Film-Erfahrung stammt die Idee, Figuren in Filme zu packen und diese per Online-Portal für die Paarkursteilnehmer zugänglich zu machen. Hochzeitspaare lassen sich von den Tanzlehrern gerne Choreografien zu ihrem Lieblingslied entwerfen: „Von Walzer bis Heavy Metal war schon alles dabei.“

Der Gesundheitsaspekt rückt ebenfalls mehr in den Fokus. Mama Erika sei das beste Beispiel, findet Tochter Iris: Die Seniorchefin leitet noch immer ihre Tanzkreise, die sie fit und gesund halten und wofür sie große Bewunderung erntet. Auch wenn Tanzen allein für Bewegung, Kopf-Fuß-Koordination und Glückshormone sorgt, bietet das Angebot bei Steinlein auch Kurse wie Pilates, Yoga oder Smovey®, erzählt sie.

Steinlein selbst schätzt Yoga als Rückzugsmöglichkeit, um Kraft für den Beruf, in dem man „Menschen lieben muss“, zu tanken. Wenn sich die Zeit bietet, geht sie selbst auf die Fläche: Einmal Tänzer, immer Tänzer, fasst sie die Leidenschaft in Worte. „Es ist wunderschön, bis zum Umfallen zu tanzen, ohne Choreo, einfach Musik und Partner zu spüren.“ Die Glücksmomente sind förmlich greifbar.

Eine andere Voraussetzung in Sachen Überleben ist, mit „neuen Tänzen immer am Puls der Zeit zu bleiben“. Neben Hip-Hop-Choreografien im Kinderbereich heißt der Trend gerade West Coast Swing. Dieser Tanz, der gerade aus den Staaten herüberschwappt, vermittelt sehr gut, wie man sich „von den Gefühlen in die Figuren hineintragen lassen kann“. Steinlein liebt – neben der emotionalen und romantischen Rumba – diesen Tanz, der „im Flow ist“: „Es ist wichtig, im Fluss zu bleiben.“

Mit vier Jahren hat Iris Steinlein das Tanzen begonnen, heute leitet sie die Tanzschule. | Foto: privat2018/09/Steinlein1.jpg

Diese Einstellung macht sie ausgeglichen und zu einer Suchenden nach dem Ausgleich zwischen Tradition und Moderne. Dass Erstere nie verschwinden wird, zeigt die Tatsache, dass die jungen Leute nach wie vor die Premierenbälle lieben, beobachtet Steinlein. „Diesen sozialen Austausch, das Lernen von Etikette, das Sich-feinmachen, das genießen die Jugendlichen.“ Klar, gibt sie zu, stupsen die Eltern die Kinder teils zum klassischen Tanzkurs an, dennoch empfindet sie den Stellenwert nach wie vor als hoch. Der Vorteil heute sind neue und moderne Lieder als Grundlage.

„Viele entdecken ein neues Hobby und tanzen sich dann – angetrieben von Motivation und Ehrgeiz – durch die Medaillenränge.“ Auch die Samstags-Partys im Laufer Studio, in dem die Tanzschule seit 25 Jahren ihren Hauptsitz hat, werden laut Steinlein seit Jahrzehnten gut angenommen. Es ist ein gesellschaftlicher Treff: „Wo kann man denn sonst in dem Alter hingehen?“ Die klassischen Formen bilden auch den Schwerpunkt bei den erwachsenen Paaren. „Sie leben dann eine gemeinsame Freizeitbeschäftigung, die im Genuss der Ballkultur als Höhepunkt gipfelt.“

Mögen sich die Gründe fürs Tanzen – Ausgleich zum stressigen, schnelllebigen Alltag – geändert haben, als roten Faden macht Steinlein „Lebensfreude und Bewegung“ aus. Zudem sei Tanzen kulturell wichtig – wie zu Zeiten von Steinleins Großeltern. Nach dem Krieg, dem Entsagen, waren die Menschen hungrig nach Tanz und Gesellschaft, beschreibt sie es. Ihr Opa hatte mit Musikerfreunden eine Kapelle gegründet, mit der er spielend übers Land zog und in der später auch Helmut Steinlein mitwirkte. Als er sah, dass die Leute nicht so gut dazu tanzen konnten, kam ihm die Idee zu Tanzkursen, erzählt sie. Bezahlt wurden Hans und Barbara erst mit Naturalien, dann mit ein paar Groschen.

Bis 1962 hielten die beiden den Tanzunterricht unter anderem am Michelsberg, im Gewerkschaftshaus, Wildskeller, „Roten Ochsen“ und Hotel „Zur Post“ ab. Ein Meilenstein war dann 1963 die Tanzschule auf der Hersbrucker Ostbahn, betont Steinlein. Diese bauten Erika und Helmut Steinlein mit auf, die Turniere tanzten.

Dennoch war Opa Hans auswärts tätig: Ins Café Kraft in Rupprecht-stegen kam er 25 Jahre lang mit seinem Köfferchen voller Schallplatten. „Heute haben wir bei Auswärtsbetreuung CDs im Koffer.“ So sehr sich die Umstände verändert haben, noch immer verkörpert Tanzen Lebensfreude und Leichtigkeit, ist Iris Steinlein überzeugt: „Daher heißt unser neues Motto: Das Leben tanzen.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch