Hans Hörauf und die HEB-Musik

Die Babett im fremden China

Hans Hörauf (Mitte) brachte mit Gudrun und Konrad Binder sowie Ursula und Günther Euskirchen (von links) eine fränkische Version der Léhar-Operette „Das Land des Lächelns“ ins Sebastian-Fackelmann-Haus. | Foto: G. Münzenberg2018/01/8740195.jpg

HERSBRUCK – Nachdem Hans Hörauf vor einiger Zeit die „Zauberflöte“ in eine Pocket-Opera umgewandelt, in fränkische Mundart übersetzt und im Hier und Heute angesiedelt hatte, nahm er sich diesmal „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár auf die gleiche Weise vor. Zusammen mit der HEB-Musik brachte er seine Fassung im Sebastian-Fackelmann-Haus zur Aufführung.

Anlass zu dem Projekt gab Hörauf der 80. Geburtstag seiner Frau, der er das Werk widmete. Woraus man erkennen kann: „Solang das Leben währt, kann – mitunter – auch die Liebe währen.“ Nicht so bei Franz Lehár. Seine berühmte Operette aus dem Jahr 1929 weist viele Bezüge zur Gegenwart auf: Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und die Frage, ob und wie sie miteinander versöhnt werden könnten.

Die ganz zeitgemäße Problematik arbeitete der Kabarettist in seiner Adaption als Pocket-Operette heraus, indem er sie in die heutige Zeit und in den fränkischen Raum versetzte. Gemeinsam mit den HEB-Musikanten feierte Höraufs Fassung in Hersbruck „Weltpremiere“. Das HEB bezieht sich dabei auf die Anfangsbuchstaben der Musikanten: Hörauf, Euskirchen und Binder.

Die Handlung spielt zunächst in „Fierabooch“, wo die Babett, „aus irgendeinem Nest zwischen Schupf und Laff“ stammend, bei einem Fest den jungen und charmanten Chinesen Sou Chang aus vornehmer Familie kennen- und lieben lernt. Gudrun und Konrad Binder spielen durch Gestik und Mimik untermalt recht überzeugend das berühmte Liebespaar.

Obwohl Babett schon seit Längerem mit ihrem Schorsch (Günther Euskirchen) liiert ist, erliegt sie schließlich dem für sie völlig neuen, fremdartigen und geheimnisvollen Liebeswerben von Sou Chang und folgt ihm nach China. Er betört sie mit den unsterblichen Weisen „Von Apfelblüten einen Kranz“ oder „Dein ist mein ganzes Herz“ und überhäuft sie mit Geschenken.

Aber es kommt, wie es kommen muss und wie das Operettenlibretto es vorsieht: Als Sou von seinem Vater gezwungen wird, noch vier andere „Mandschu-Madla“ zu heiraten, wie es der alte Brauch ist, endet die bittersüße Liebesgeschichte abrupt. Denn Babett will das keineswegs akzeptieren. Zudem hat sich in ihr eine tiefe Sehnsucht nach den heimischen Bratwürsten und nach ihrem Schorsch, mit dem sie in regem Internetverkehr steht, eingeschlichen. Und als der tatsächlich nach China jettet, um sie heimzuholen, beschließen sie insgeheim die Flucht.

„Etz nix wäi weg, etz nix wäi weg, des Feierhaisla brennt“, singen sie. Sou, der durch seine Geheimdienste davon erfährt, versucht das zunächst zu verhindern, sieht aber schließlich ein, dass er seine Geliebte nicht halten kann und lässt sie mit dem Schorsch heimkehren nach „Fierabooch“.

Gerda Münzenberg

N-Land Hersbrucker Zeitung
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