Nur leichtes Plus bei Fackelmann

Dämpfer im Wachstum

Markus Kick, der Digitalisierungsleiter, und Alexander Fackelmann (v. links) zeigen eine der Innovationen bei Fackelmann für 2017. | Foto: A. Pitsch2017/02/7866108.jpeg

HERSBRUCK – Blickt man auf die nackten Zahlen, die die Firma Fackelmann bei ihrer Jahrespressekonferenz präsentierte, scheint der Höhenflug des Hersbruckers Haushaltswaren- und Badmöbelherstellers vorbei: Waren es 2015 elf Prozent Steigerung des Umsatzes, so fällt dieser 2016 mit 382 Millionen und einer Verbesserung um 0,5 Prozent deutlich geringer aus. Doch Firmenchef Alexander Fackelmann bringt das nicht aus der Ruhe. Das Stichwort heißt Weitblick.

Und genau diesem sei es zu verdanken, dass der weltweit agierende Firmenverbund in der heutigen unsicheren globalen Lage einen Gesamtumsatz von 382 Millionen Euro vorzuweisen hat und damit einen „profitablen Gewinn, mit dem wir unsere Investitionen selbst tragen können“, sagt Fackelmann zurückhaltend. In der Bundesrepublik wurden 30 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet, das bedeutet, dass hier die Entwicklung mit einem Plus von einem Prozent weiter positiv verläuft.

Für das Gros des Umsatzes sorgte die Haushaltswarensparte, immerhin 40 Millionen Euro steuerten die Badmöbel bei (2015: 50 Millionen). Die Gründe dafür, dass das steile Wachstum von Fackelmann der vergangenen Jahre ins Stocken geraten ist, sind vielfältig: „Löhne, Kosten für Rohstoffe und Transporte – alles steigt“, erklärt Fackelmann, „wir befinden uns in einer Phase der Inflation“.

Zudem waren Rückschläge in China zu verkraften. „Die Zeit der billigen Werkbank ist vorbei.“ Daher muss aufgrund der steigenden Personalkosten dort „schneller denn je“ eine weitere Roboterisierung vorangetrieben werden, so der Chef. Zum Vergleich: Die Löhne in Indien, wo Fackelmann ein neues Lager samt Verwaltungsgebäude bezogen und Grund erworben hat, betragen ein Drittel der chinesischen.

Instabile politische Verhältnisse in der Türkei führen dazu, dass der firmeneigene Vertrieb an einen Partner verkauft wird. Auch Russland und die Ukraine sind für Fackelmann Krisenregionen, bei denen allerdings ein Aufschwung zu spüren sei. Bei Fackelmann ist daher keine Panik zu spüren, wenn er in sachlicher und überlegter Art sagt: „Nach einem starken zweistelligen Wachstum ist eine kleine Stabilisierung des Umsatzes normal.“

Einen Vorteil hat das alles: Europa und auch die Firmenzentrale in Hersbruck rücken beim Mittelständler weiter in den Fokus. „Made in Germany wird bedeutender “ – auch wenn Fackelmann mit Verkäufern in Amerika, der Einführung einer australischen Besteckmarke in Europa, internationaler Ausweitung der Badmöbelfirma „Lanzet“ und boomenden Eventverkäufen in Form von vierteljährlichen Basaren in Brasilien auf eine weltweite Streuung setzt.

Allein ein Drittel der 20 Millionen Euro an Investitionen im Jahr 2016 blieb in Hersbruck, wo der Schnäppchenmarkt nach wie vor „sehr gut läuft“. Damit wurden eine Biomasse-Feuerungsanlage angeschafft, das Flachdach des Verwaltungsgebäudes saniert, eine zusätzliche Montagestraße für „Lanzet“ eingerichtet, damit diese Tochterfirma auch in der Fertigung „mehr und mehr selbstständiger“ wird, das ehemalige Wolke-Gebäude renoviert und eine Plattenaufteilsäge für die Badmöbel gekauft.

„Diese sägt nur das, was gebraucht wird“, erläutert Fackelmann stolz, „und ist digital mit dem Auftrag vernetzt“. Lager und Kommissionierung fallen weg. „Die Digitalisierung macht eine Just-in-time-Produktion möglich“ (siehe extra Artikel). Damit und auch mit 480 Mitarbeitern (2015: 450) – weltweit sind es weiterhin rund 3000, in Deutschland stabil 750 – ist der Standort gewachsen und wurde gestärkt. Da verwundert es nicht, dass ein Rekord im eigenen Formenbau erreicht wurde und über 27 Millionen Kunststoffteile daraus selbst hergestellt wurden.

Ebenfalls eine Aufwertung erfuhr der Sitz in Polen. Dort wurden ein Neubau für Verpackung und Konfektionierung erstellt und die Fertigung von Trinkhalmen aus Asien angesiedelt. „Diese Arbeiten wären aufgrund des Mindestlohns hier schwer machbar“, sagt Fackelmann. Er will nämlich 2017 wieder ein größeres Umsatzwachstum erreichen – fünf Prozent seien das Ziel, die Fackelmann vor allem in den USA und Europa generieren möchte. Investieren will er etwa 17 bis 20 Millionen Euro, vielleicht auch weniger. Stichwort: Weitblick. Denn diesem hat es die Firma Fackelmann zu verdanken, dass sie trotz der vielen „Störfeuer wie Trump oder Brexit“ ohne Schulden und mit einem Plus das Jahr abschließen konnte.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch