Ferienausschuss stimmt für AOK Bildungszentrum

CSU sagt doch „Ja“ zum BIZ

So soll das neue AOK-Bildungszentrum von der Eichenhainstraße aus gestaltet sein: rechts der wegen der Höhe umstrittene sechsgeschossige Hoteltrakt, wesentlich flacher die Schulungsräume und der Parkplatz auf der Fläche des jetzigen Gebäudes. | Foto: J. Ruppert2017/09/8381784.jpeg

HERSBRUCK – „Nach der Präsentation tue ich mich schwer, gegen das Projekt zu stimmen“, sagte Götz Reichel. Im Bauausschuss des Stadtrates hatten die CSU-Vertreter dem Neubau des AOK-Bildungszentrums im Hersbrucker Ortsteil Weiher das Einvernehmen verweigert – es erschien ihnen zu hoch. Trotz „Bauchweh“, so Franz Benaburger, votierte die CSU nun in allerdings anderer Besetzung bei der Nachprüfung des Beschlusses im Ferienausschuss mit „Ja“ und sorgte so für ein 8:1.

Wie berichtet, möchte die AOK Bayern ihr Berufsbildungszentrum weitgehend ersetzen. Das H-förmige Hauptgebäude stammt aus den 1970er Jahren und entspricht nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Die Gesundheitskasse hat deshalb im Juli einen Antrag auf Vorbescheid für einen Neubau mit Schulungsräumen, 200-Betten-Hotel und Kantine/Küche gestellt. Bereits im Vorfeld wurden die Pläne in Absprache mit Bürgermeister Robert Ilg und der Hersbrucker Bauverwaltung in der Höhe reduziert.

Denn ursprünglich wollte die AOK einen Komplex mit einem achtstöckigen Hoteltrakt neben das bisherige Gebäude hinstellen. Nach einer Überarbeitung kam eine Variante mit sechs Etagen in den Bauausschuss. Die Grünen-Vertreterin Ulrike Eyrich und Norbert Dünkel, Norbert Thiel und Holger Herrmann (alle CSU) waren dennoch dagegen. Das Einvernehmen gab es dennoch, aber denkbar knapp mit 5:4 dank Bürgermeister, Rathausblock und SPD.

Die „Unterlegenen“ beantragten daraufhin, dass der Gesamtstadtrat über das Thema entscheiden soll. Die CSU kritisierte vor allem die Fernwirkung der sechs Geschosse mit 22 Metern Höhe und die Wuchtigkeit des Vorhabens im kleinmaßstäblichen Ortsteil Weiher. Die Grünen möchten zudem die alten Hutanger-Eichen im Park der AOK erhalten und hätten am liebsten einen zeitweiligen Umzug der AOK anderswo hin in Bayern mit Abriss und Ersatzbau an gleicher Stelle gesehen.

Plan ging nicht auf
Im Gesamtstadtrat hätte ein „Umfaller“ bei Rathausblock oder SPD die Mehrheitsverhältnisse umgekehrt. Der Plan hatte jedoch einen ziemlichen Haken. Denn die Entscheidung über den Vorbescheid muss innerhalb einer bestimmten Frist fallen. Diese endet Anfang nächster Woche. Während der Urlaubszeit tritt der Stadtrat aber nicht zusammen. Für dringende Fälle ist dann der Ferienausschuss zuständig.

Robert Ilg sagte in der Einleitung, dass die AOK wie alle anderen nicht bauen kann, wie sie will. Die vorgestellte Variante ist ein Kompromiss. Der ursprüngliche Entwurf war 28 Meter hoch. Der Bürgermeister verdeutlichte auch die Wichtigkeit des Berufsbildungszentrums für Hersbruck: 45.000 Gäste pro Jahr, fast 50 Angestellte.
„Die AOK will in Sachen Aus- und Weiterbildung am Standort Hersbruck bleiben“, sagte Mihael Lackovic von der Gesundheitskasse. Das Zentrum auslagern, den jetzigen Komplex abreißen und einen Ersatzbau an gleicher Stelle verwirklichen scheitert schon an den Kosten. Die AOK müsste dafür 250.000 Euro ausgeben, und zwar monatlich. Bei drei Jahren Bauzeit wären dies neun Millionen Euro. Außerdem hat die AOK in Bayern keine freie Einrichtung gefunden, die groß genug für einen geordneten Schulbetrieb ist. Robert Ilg kommentierte den Umzugsvorschlag der Grünen deutlich: „Haarsträubend.“

Architekt Thomas Oechsner veranschaulichte dann das Vorhaben anhand von Plänen, Höhenvergleichen und 3 D-Darstellungen. Das neue Gebäude entsteht südlich und westlich des jetzigen, die Grundfläche ist kleiner, die Fassade besteht aus Natursteinschiefer (Sockel) und Kupferbronzeblech (oben), nach Abriss des aktuellen Hauses kommt ein begrünter Parkplatz an diese Stelle. Es müssen mehrere alte Eichen gefällt werden. Landschaftsarchitekt Jürgen Wollborn möchte hutangerähnlich über 30 neue pflanzen lassen.

„Tolles Projekt“
Im Vergleich zum Juli hat sich die Höhe um 22 Zentimeter auf 21,93 Meter verringert. Auf Nachfrage von Franz Benaburger sagte Thomas Oechsner, dass die Flachdächer begrünt werden. Guido Schmidt nannte das neue AOK-Bildungszentrum ein „tolles Projekt“. Ebenso lobte Jürgen Amann das schlüssige Konzept. Er wies auf die Bedeutung des AOK-Bildungszentrums mit fast 50 Arbeitsplätzen und weiteren Stellen bei Zulieferern hin. Zudem belebten die AOK-Schüler das Leben in Hersbruck.

Die CSU-Vertreter tagten dann in einer über 20-minütigen Pause in ihrem Fraktionszimmer. Götz Reichel betonte den Wert der AOK-Einrichtung für die Stadt. Im Juli hätten die Unterlagen nicht für eine verlässliche Entscheidung gereicht, sagte er. Nach dieser Sitzung könne er sich aber mit der Planung anfreunden. „Wenn sich ein Vogel auf das Gebäude draufhockt, dann ist es zu hoch“, ergänzte Peter Matzner und Franz Benaburger nannte die Höhe nach wie vor „grenzwertig“.

Nein der Grünen
Gleichwohl stimmten alle drei mit „Ja“. „Die Baufachleute der CSU haben zur Fernwirkung eine andere Meinung und sind nicht überzeugt“, sagte Götz Reichel noch. Grünen-Vertreter Marcus Seitz äußerte Verständnis für die AOK-Vorstellungen, wegen der Höhe und der alten Eichen gab es von ihm trotzdem ein „Nein“.
Robert Ilg schlug am Ende versöhnliche Töne an. Er wertete das geänderte Votum nicht als Umfallen, sondern dankte den CSU-Räten für ihr Verantwortungsbewusstsein. „Brauchen wir noch Ausschüsse?“, hatte zuvor Jürgen Amann das Vorgehen, nach der Niederlage die Bauvoranfrage ins nächste Gremium zu bringen, kritisiert. „Wir werden dies nicht zur Regel machen“, sagte Reichel, aber das Projekt sei einfach bedeutend.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert