Beim Schnupperabend der Jagdhornbläser

Mit Kussmund bläst sich’s leichter

Die Unterabteilung des Jagdschutz- und Jägervereins Hersbruck und ihre Gäste: Winfried und Christian Bock, Heinz Bannagott, Kerstin Sandner und Steffi Krämer, Walter Wacker, Roland Förtsch und Wolfgang Müller. | Foto: U. Scharrer2018/09/Blaesergruppe.jpeg

HERSBRUCK – „Können Sie küssen?“: In der Kategorie seltsamer Begrüßungen schießt diese den Vogel (oder vielleicht besser: den Hasen) ab. Heinz Bannagott, Hornmeister der Jagdhornbläser von Hersbruck, findet diese Abfrage aber weder befremdlich noch meint er sie anzüglich. Der „Ansatz“ der Lippen ist beim Blasen eines Jagdhorns von immanenter Bedeutsamkeit und eifrige Küsser haben besser trainierte Mundmuskulatur. Was immer ich von diesem „Schnuppertraining für Interessierte“ erwartet habe, diese Frage war es auf jeden Fall nicht.

„Die Sau ist tot“, bei diesem fröhlichen Jagdsignal fragen sich viele, warum die Melodie so oft bei Beerdigungen gespielt wird. Schließlich gibt es, so stelle ich bei eingehender Lektüre des Handbuchs der Jagdmusik, Band 1, fest, auch noch die Signale Hase tot, Kaninchen tot, Muffel tot und bei Bedarf: „Bär tot“.

Seit ich das heimelige Haus des Jägervereins in der Hirtengasse betreten, die steile Treppe des ehemaligen Hirtenhauses von Hersbruck erklommen und mich gegenüber einem ausgestopften Frischling niedergelassen habe, fliegen mir die Witze um die Ohren wie Schrotkugeln. Dabei haben die Jagdhornbläser eigentlich gar nicht so viel zu lachen.

Nicht nur hat das Zurückgehen der Wildzahlen und das Vorrücken von Freizeitsportlern aller Couleur ausführlichen und häufigen Treibjagden fast schon den Garaus gemacht – auf denen machten die musikalischen Zurufe per Jagdhorn quer durch den Forst jahrhundertelang Sinn. „Heut´ gibt´s eine WhatsApp-Gruppe dafür“, gibt Bläserin Steffi Krämer zu. Die schönen Jagdsignale „Wild ablegen“, „Sammeln der Schützen“, „Hunderuf“ und „Treiber in den Kessel“ werden also nicht mehr geblasen, sondern gesimst.

Seit 60 Jahren präsent

Die Hornisten ließen sich von der Digitalisierung nicht ins Hirschgulasch spucken und bliesen seitdem Märsche, Fanfaren und Hubertusmessen. Doch ach, nun machte der Mitgliederschwund dem schönen Hobby, in Hersbruck seit 60 Jahren präsent, zu schaffen. Die von ehemals zwölf Bläsern übrig gebliebenen fünf können solche Auftritte nicht mehr stemmen.

Deswegen also ein Schnupperkurs „Jagdhorn“ für die kleineren Fürst-Pless-Hörner oder die eindrucksvollen Parforce-Hörner. Zwei Männer sind dem Lockruf des Jagdhorns gefolgt – und ich. Zunächst aber singt der Vorsitzende der Jagdhornbläser, Wolfgang Müller, ein Loblied auf das schöne, wenn auch nur mit viel Geduld erlernbare Instrument und seine Vorfahren in grauer Urzeit, die Kuhhörner.

Heinz Bannagott ist seit 2000 Hornmeister und somit musikalischer Leiter des verbliebenen Quintetts. Er ruft die glorreiche und oft in den Dienst königlicher Jagden in Österreich und Bayern gestellte Geschichte der Jagdhörner ins Gedächtnis und erklärt, wie sich alle geblasenen Melodien lediglich aus den fünf auf den In-
strumenten erzielbaren „Naturtönen“ ergeben.

Dann wird es ernst: Die „Frischlinge“ des Jagdhornblasens sind an der Reihe, „einen Ton zu erzeugen zu versuchen“. Die anderen zwei Aspiranten, Vater und Sohn, entpuppen sich als versierte Posaunenchormitglieder und entlocken dem dargereichten Jagdhorn auf Anhieb eine kleine Melodie. Und die Gastgeber geben oben drauf ein Ständchen mit dem schönen Titel „Zum Essen“.

Forsche Klangfülle

„Horn auf!“ kommandiert Bannagott und „Blast an!“. Die forsche Klangfülle, die das alte Gemäuer nun erbeben lässt, macht Bannagotts Behauptung, ein Haus als regelmäßig Jagdhorn-Übender ganz leicht mäusefrei zu bekommen, auf einmal glaubhaft. Und dass ein Blasinstrument eine wunderbare Asthma-Prophylaxe darstellt, erschließt sich auch.

Die Anziehungskraft des so simpel erscheinenden Blasinstruments mit der großen Bandbreite wirkt auf mich, als das Klingeln in den Ohren nachlässt. Noch mehr aber der freundschaftliche Zusammenhalt voll fröhlichem Geplänkel und ernsthafter Nachfrage nach einem erkrankten Mitbläser. „Es macht einfach einen Sau-Spass!“, und „wir haben einfach eine supergeile Kameradschaft!“, bringen Bläserin Steffi Krämer und Bannagott es auf den Punkt.

Ab Mitte Oktober wird wieder regelmäßig geprobt, montags zwischen 19 und 20 Uhr in der Hirtengasse 4. Neulinge werden gleich nach dem Erlernen der ersten Töne in die Gruppe integriert.
Interessierte dürfen sich an den ersten Vorsitzenden Wolfgang Müller unter wolfgang91244@web.de wenden. Und ich freue mich auf den 3. November, wenn zu Ehren des Jagdheiligen Hubertus die Hörner am Marktplatz von Hersbruck erklingen werden.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer