„Süden II“ mit viel Gefühl

Besondere Momente im Schlosshof

Lieder voller Sehnsucht und Gefühl brachten Pippo Pollina, Martin Kälberer und Werner Schmidbauer (v.l.) in den Hersbrucker Schlosshof. | Foto: S. Baderschneider2018/07/KonzertSueden-6494.jpg

HERSBRUCK – In der sommerlichen Atmosphäre des Hersbrucker Schlosshofes gaben Werner Schmidbauer, Martin Kälberer und Pippo Pollina vor ihrer begeisterten Fangemeinde ein Konzert mit vielen alten und neuen Songs. Das Wetter machte ihnen trotz der Gewitter, die bis zum späten Nachmittag über die Region gezogen waren, glücklicherweise keinen Strich durch die Rechnung.

Das Organisationsteam der Stadt und der Sparkasse hatte gemeinsam mit der Crew der Künstler für beste Konzertatmosphäre gesorgt. Sogar Kaffeespezialitäten und Cocktails wurden angeboten – vielleicht hatten sich die Veranstalter die Klage Pollinas zu Herzen genommen, dass vor dreißig Jahren, als er zum ersten Mal in Deutschland spielte, weit und breit kein anständiger Espresso aufzutreiben war. Die Zeiten haben sich eben geändert.

Fünf Jahre mussten die Fans seit dem letzten gemeinsamen Auftritt warten, und das Warten hat sich gelohnt. Mit neuen Liedern im Gepäck legten die drei in ihrem italienisch-bayerischen Repertoire noch eine Schippe drauf. „In Hersbruck zu spielen ist ein bisschen wie Heimkommen“, begrüßte Werner Schmidbauer das Publikum. Und tatsächlich saßen im seit Langem ausverkauften Schlosshof überwiegend Fans, die den einen oder anderen der Künstler schon seit über dreißig Jahren begleiten, wirkliche „Ersttäter“ waren nur spärlich vertreten.

Treue Fangemeinde

Die Fangemeinde ist treu: Eine Besucherin berichtete, dass sie sich an einen Auftritt Pollinas im Grünen Schwan in Eschenbach vor vielen Jahren erinnere. Vor fast genau fünf Jahren gaben die drei Musiker in der Arena von Verona das Abschlusskonzert der ersten „Süden“-Tour und eine kurze Umfrage ergab, dass tatsächlich einige der im Publikum Anwesenden damals dabei waren. Überhaupt fühlte sich das ganze Konzert wie ein Heimspiel an, was an der allgemeinen Textsicherheit bei den älteren Liedern erkennbar war.

Die Songs des Trios erzählen oft Geschichten oder schildern außergewöhnlich glückliche Momente. „Süden des Herzens“ ist eine gefühlvolle Ballade über die unscheinbaren Freuden des Lebens, die einem nicht gestohlen werden können. Das Lied „Momentensammler“ kommt nicht von ungefähr: Das Konzert besteht im Wesentlichen aus kleinen, aber besonderen Momenten, die die drei Künstler gerne mit ihrem Publikum teilen.

Die sprachliche Diskrepanz zwischen dem Italienischen und dem Oberbayerischen fällt dabei gar nicht auf, denn wenn beide Sänger in beiden Sprachen singen, muss man schon gut aufpassen, welche gerade dran ist. Mit Pollina und Schmidbauer harmonieren zwei starke Stimmen in zwei starken Sprachen.

Wie im Straßencafé

Die klare und doch kehlige Stimme des Sizilianers Pollina ruft dabei warme Erinnerungen an die Zeit der großen italienischen Cant-
autori wie Paolo Conte hervor und versetzt den Zuhörer automatisch in ein Straßencafé in Palermo – der Mann könnte auch den Börsenbericht vorsingen und würde damit immer noch Urlaubsgefühle wecken. Herausragend sind zwei Hommagen an besondere Menschen der Zeitgeschichte. „A Mani Bassi“ („Tiefe Fäuste“) würdigt die graziös defensive Kampftechnik Mohammed Alis und „Mandela“ gedenkt des großen südafrikanischen Menschenrechtlers zu seinem 100. Geburtstag.

Neben den schönen Momenten in „Mare, Mare, Mare“ und „Herobn“ thematisieren die drei in ihren Werken aber auch ernste Themen der Gegenwart. Der aus Sizilien stammende Pollina kennt die Situation der Flüchtlinge an der südlichen Grenze Europas gut und bedauert die Art und Weise, wie damit umgegangen wird.
Für multi-instrumentale Begleitung und Background-Gesang sorgte souverän Martin Kälberer unter Einsatz von mitunter kuriosen Instrumenten wie dem „Hang“ (der wie ein Wok mit Dellen aussieht) und der Melodica (ein kombiniertes Tasten-Blasinstrument).

Das Publikum vertrieb den in der zweiten Hälfte des Konzerts einsetzenden leichten Regen mit strengen Blicken gen Himmel, so dass die vom Veranstalter vorsorglich verteilten Regencapes nicht zum Einsatz kamen. Von ein paar lauen Tropfen lassen sich die Hersbrucker ihr Konzert nicht verderben.
Natürlich gab es verdiente stehende Ovationen vom Publikum und ebenso verdiente Zugaben. Nach starken drei Stunden verabschiedeten sich Schmidbauer, Kälberer und Pollina mit einem herzlichen „Buonanotte a tutti“.

N-Land Susanne Baderschneider
Susanne Baderschneider