Tag der offenen Moschee

„Wir atmen alle die gleiche Luft“

Die Kinder- und Jugendgruppe zeigte am Tag der offenen Moschee türkische Folkloretänze. Im Inneren der Moschee durften sich die Besucher im kleinen Gebetsraum auf den Teppich setzen. Hier wurde deutlich: Die jetzige Moschee ist einfach zu klein. Foto: Erich W. Spieß2014/10/5_2_1_2_20141007_MOSCHEE.jpg

HERSBRUCK (EP) – Seit 1997 veranstalten die islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland jedes Jahr am Tag der deutschen Einheit den bundesweiten „Tag der offenen Moschee“. Mehr als 1.000 Moscheen – über ein Drittel aller Moscheen in Deutschland – bieten an diesem Tag Führungen, Vorträge und Ausstellungen an. In Hersbruck öffnete am Freitag die Ulu Camii Moschee ihre Türen, um Besuchern einen Einblick in das islamische Gemeindeleben zu vermitteln.

Seit dem Jahre 2007 wird der „Tag der offenen Moschee“ mit einem gemeinsamen Motto organisiert. Dieses Jahr lautete es: „Soziale Verantwortung – Muslime für die Gesellschaft“.

Soziale Verantwortung ist islamisch gesehen ein Oberbegriff, der sich jeweils in seiner individuellen Ausprägung unterscheidet. Eltern haben genauso eine soziale Verantwortung gegenüber ihren Kindern, wie beispielsweise Lehrer, die ihre Schüler zu mündigen und gewissenhaften Menschen erziehen sollen. In diesem Sinn tragen auch Ehrenämter in sozialen Einrichtungen und Vereinen eine hohe Verantwortung für die Gesamtgesellschaft.

Genau hier setzt der Verein Türkisch-Islamische-Kulturelle Union e.V. in Hersbruck an und möchte die gesellschaftliche Partizipation und den interreligiösen und kulturellen Austausch fördern. Im Jahr 1989 gegründet, setzt er vor allem auf Kulturveranstaltungen und soziales Engagement in Form von Jugendarbeit (z.B. Nachhilfe- und Religionsunterricht) und Unterstützung hilfsbedürftiger, älterer Menschen. Kemal Sapkaya, Vorsitzender des Vereins: „Gemeinsamkeit, das Miteinander in Hersbruck ist unser Ziel.“

Neue Moschee nötig

Um das soziale Engagement weiter vorantreiben zu können, aber auch um der Ausübung des Glaubens einen angemessenen Rahmen geben zu können, reichen die derzeitigen Räumlichkeiten in der Ostbahnstraße nicht mehr aus. Es fehlt an Platz für die Jugendlichen und kulturellen Aktivitäten und der Gebetsraum ist bestenfalls nur als Notlösung anzusehen: Als Gebetsnische – für die fünf vorgeschriebenen, täglichen Gebete – dient lediglich eine Tür!

Insgesamt gesehen ist die räumliche Situation schlechter als vor zehn Jahren, während die Mitgliederzahlen und die sozialen und kulturellen Aktivitäten hingegen kontinuierlich gestiegen sind. Kemal Sapkaya wirbt deshalb um Akzeptanz und betont: „Die neugeplante Moschee wird keine Minarette und keine Lautsprecheranlage für einen Muezzin bekommen, kein Bürger Hersbrucks wird dadurch also ´belästigt`.“

Großes Interesse

Bei den drei Führungen am Freitag zeigten sich mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger sehr interessiert am islamischen Glauben und der Arbeit des Vereins, der an seinem jetzigen Standort auch dem Deutsch-Türkischen-Elternverein als Standort dient.

Die persönlichen Gespräche zwischen den Gastgebern und den Moscheebesuchern und der aufschlussreiche Vortrag von Yavuz Can über die Glaubensgrundlagen des Islam rückten das mediale Abbild des Islam in ein neues Licht: „Gleichheit aller Menschen und Frieden sind zentrale Aussagen unseres Glaubens“, so Can.

Mehr denn je ist es in Zeiten der Terrorgewalt des sogenannten „Islamischen Staates“ notwendig, sich auf Basis von grundlegenden Informationen über den Islam auszutauschen. In diesem Sinne war der „Tag der offenen Moschee“ in Hersbruck eine gute Basis für den Dialog. Denn das Gespräch, das oft mit einer einfachen Begegnung, einem Gruß oder mit einem gemeinsamen Essen beginnt, lässt Menschen zueinanderkommen.

„Wir alle atmen die gleiche Luft“, waren die Begrüßungsworte des Imam vor der Führung. Das Gegenüber solle nicht als der „Andere“ oder der „Fremde“ wahrgenommen werden, sondern als ein Teil des „Wir“ in der Gesellschaft.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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