Bauausschuss des Stadtrates

Bahnhofsgebäude soll Gebetshaus werden

Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs in Hersbruck möchte in das ehemalige Bahnhofsgebäude am Schienenstrang links der Pegnitz einziehen und als Gebets- beziehungsweise Vereinsheim nutzen. Foto: J. Ruppert2015/06/5_2_1_2_20150620_BAHNHOF.jpg

HERSBRUCK – Auch wenn der Antrag von der Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft in Köln stammt, stellte Bürgermeister Robert Ilg im Bauausschuss des Stadtrates sofort klar: Es geht nicht um eine Moschee. Vielmehr möchte der Hersbrucker Ableger der islamischen Gruppe Milli Görüs aus dem Bahnhofsgebäude links der Pegnitz ein Vereins- und Gebetshaus machen.

Das 1860 errichtete Baudenkmal hat seine ursprüngliche Funktion längst verloren. Es gehört derzeit zwei Privatpersonen, die in Südbayern wohnen, berichtete der Rat haus chef. Im Erdgeschoss befindet sich eine Gastwirtschaft, in anderen Räumen führt der Hersbrucker Musik- und Theaterverein (MTV) seine Übungsstunden durch. Ein Weiterverkauf an wen auch immer ist ein freies Geschäft auf dem Immobilienmarkt, betonte Robert Ilg.

Der Bauausschuss darf deshalb nur prüfen, ob das ehemalige Stationsgebäude bauordnungsrechtlich als Vereins- und Gebetshaus zulässig ist und muss bei einem „Ja“ zwangsläufig das städtische Einvernehmen erteilen.

In ihrem Antrag hat die örtliche Milli-Görüs-Gruppe ausführlich aufgelistet, welche Aktivitäten sie in dem Domizil plant: Wochen- und Monatssitzungen der Vereinsgremien, Beten, Seminare, Schulungsabende, Themenabende mit Muslimen und Christen zur Förderung des Zusammenlebens, Hausaufgabenbetreuung, Sprachkurse, Infos zu Pilgerfahrten, Unterstützung von Hilfsorganisationen und mehr. Maximal sollen sich 40 Personen gleichzeitig in den Räumen aufhalten, die Nutzungszeit geht bis 22 Uhr.

Milli Görüs (übersetzt: nationale Sicht) ist alles andere als unumstritten. Laut der Enzyklopädie Wikipedia lehnt die international tätige islamische Bewegung westliche Demokratien ab.

Der Hersbrucker Ortsverein hat bislang in der Kirchgasse eine „kulturelle Einrichtung“. Die islamische Gemeinschaft ist bis auf Klagen von Anwohnern wegen angeblich zu lauter abendlicher Zusammenkünfte an manchen Sommertagen nicht negativ aufgefallen. Im Gegenteil: Hersbrucks Milli Görüs veranstaltete 2010 ein großes Integrationsfest in der Stadt und nimmt regelmäßig an Fußballturnieren teil.

Eine Aussprache über den Antrag auf Vorbescheid gab es nicht. Bürgermeister und die Stadträte im Bauausschuss stimmten einhellig für die gewünschte Umnutzung. Milli Görüs stehen allerdings weitere rechtliche Hürden bevor. Als erstes muss die Deutsche Bahn einer bahnfremden Nutzung des Gebäudes zustimmen. Bei Umbauplänen ist auch der Denkmalschutz im Boot.

Robert Ilg wies noch darauf hin, dass der Hersbrucker MTV nicht im Bahnhof bleiben kann, wenn Milli Görüs einzieht. Die Musikschule mit zum Beispiel seinem Railway Sound Orchestra, dem Saxofon-Ensemble und den Streichmäusen sucht nun einen neuen Probenraum mit rund 100 Quadratmetern und kleineren Zimmern für Einzelunterricht zu einer bezahlbaren Miete. Stadtrat Gerhard Kratzer hat bereits eine erste Alternatividee geliefert, weitere Vorschläge sind willkommen.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert