BBV diskutiert mit Straßenbauamt und Politik

B 14 für Traktoren freigeben?

Geht es nach den Landwirten, sollen auf der B 14 zwischen Henfenfeld und Happurg nicht nur LKW, sondern auch Traktoren fahren dürfen. Noch aber sind das Straßenbauamt und die Polizei dagegen. In einem vom CSU-Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel initiierten Gespräch tauschten nun beide Seiten ihre Argumente aus. | Foto: M. Wildner2017/03/7940751.jpeg

Hersbruck – Der Kreisverband des Bayerischen Bauernverbands (BBV) hat sich mit einer Resolution zur Öffnung der B 14 im Bereich zwischen Henfenfelder Knoten und Hohenstadt für landwirtschaftliche Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h an die heimische Politik gewandt (wir berichteten). Nun tauschte der BBV bei einem von ihm initiierten Gespräch mit Vertretern des Straßenbauamts, der Polizei und kommunalen politischen Repräsentanten die Positionen aus und erörterte Möglichkeiten zur Abhilfe, teilt der heimische CSU-Landtagsabgeordnete Norbert Dünkel mit.

Die Landwirte im Hersbrucker Land monieren, dass es nicht mehr zeitgemäß sei, den landwirtschaftlichen Verkehr durch die Stadt Hersbruck zu führen, weil ein kurzes Teilstück der Bundesstraße 14 als Kraftfahrtstraße mit einer Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h ausgewiesen ist, heißt es in der Pressemitteilung.

Sie argumentieren, dass sich die Situation seit dem Bau der B 14-Umgehung Anfang der 1970er Jahre grundlegend geändert habe – inzwischen habe die A6 Nürnberg – Prag die Bundesstraße als Hauptverkehrstrasse für den Fernverkehr abgelöst. Als weiteres Argument führten die Landwirte im Gespräch die höhere Leistungsfähigkeit moderner landwirtschaftlicher Kraftfahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h an.

Während Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf Unterstützung signalisiert, gibt es im Landratsamt und bei staatlichen Stellen bis zum Innenministerium und zur Polizei eine zurückhaltendere Bewertung der Situation. Baudirektor Klaus Schwab, der sich zusammen mit seinem Kollegen Stefan Grötsch mit der Thematik befasste, erläuterte bei dem Gespräch die Bewertung des Staatlichen Bauamts: Die Zulassung der langsam fahrenden landwirtschaftlichen Fahrzeuge hätte in diesem hoch belasteten Abschnitt der Bundesstraße eine signifikante Erhöhung der Verkehrsgefährdung zur Folge.

Durch die langsamen Fahrzeuge entstünde ein erhöhter „Überholdruck“, der bei den anderen Verkehrsteilnehmern eine höhere Risikobereitschaft beim Überholen bewirke und letztlich zu mehr schweren Verkehrsunfällen auf dem Straßenabschnitt führe. Hinzu komme, dass die Ein- und Ausfahrten an der Ortsumgehung von Hersbruck nach Pommelsbrunn keine Verzögerungs- und Einfädelspuren haben und damit schon jetzt ein ausgeprägtes Gefährdungspotenzial gegeben sei.

Schwab betonte mehrfach, dass „sich durch die Zulassung von langsam fahrenden Fahrzeugen die Wahrscheinlichkeit für Überholunfälle in dem Streckenabschnitt erhöhen“ würde. Für das Straßenbauamt ist deshalb die aktuelle Klassifizierung als Kraftfahrtstraße mit dem damit einhergehenden Verbot für langsame Fahrzeuge eine wichtige Festlegung für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf der B 14 zwischen Henfenfeld und Happurg. „Die Philosophie des Straßenbaus hat sich gewandelt; während früher eine große Leistungsfähigkeit und höhere Geschwindigkeiten angestrebt wurden, wird derzeit der Verkehrssicherheit das höchste Gewicht gegeben“, sagte der Baudirektor.

Diese Argumentation stellt die betroffenen Bauern allerdings nicht zufrieden, die bei der Ausübung ihrer Arbeit eine eklatante Behinderung beklagen. Sie halten dagegen, dass sich in Hersbruck überregionale Betriebe befinden, wie die Baywa und das Heizkraftwerk an der Fackelmann-Therme, die von den Landwirten regelmäßig angefahren werden müssen. Dies sei nach der momentanen Regelung nur durch die Stadt möglich und stelle für die Bauern keinen zukunftsfähigen Zustand dar.

BBV-Kreisobmann Günther Felßner sprach das Bedürfnis und das Recht an, auch für die moderne Landwirtschaft eine adäquate Verkehrssituation zu schaffen und zuzulassen. Heinz Lämmermann aus Deckersberg, selbst einer der am stärksten von der Situation Betroffenen, legte stellvertretend für seine Kollegen aus dem Hersbrucker Umland die Probleme dar, beispielsweise den massiven Zeitverlust, der sich bei der Fahrt durch die Stadt ergibt.

Lämmermann übte angesichts früherer (Kreisel Altensittenbach oder jüngst die Kanalarbeiten in der Grabenstraße) und anstehender Straßenbaumaßnahmen (Kreisel Henfenfeld, Abriss und Neubau der „Kuhpegnitzbrücke“ in Hersbruck) deutliche Kritik: „Immer wenn es nicht anders geht, ist es für das Straßenbauamt in Ordnung, dass wir die Umgehungsstraße mitbenutzen, aber danach wird uns Bauern wieder der große und weite Umweg durch die Stadt zugemutet.“

Während Lämmermann („Die Standpunkte sind fest betoniert – wir laufen gegen eine Wand“) den fehlenden Willen für eine Lösung im Sinne der Landwirte beklagte, will sich Norbert Dünkel für einen Lösungsvorschlag einsetzen, der insbesondere im kommenden Jahr, wenn die Kuhpegnitzbrücke an der Ostbahnstraße saniert wird, dringend benötigt wird.

Wenn dann ein landwirtschaftliches Zugfahrzeug von Henfenfeld über Altensittenbach und Hohenstadt zur Baywa-Werkstatt in der Houbirgstraße fahren muss oder ein Ellenbacher Landwirt mit seinem Getreide nicht mehr weiß, wie er zur Baywa in Altensittenbach kommt, sei dies aus Sicht des Abgeordneten für Bauern nicht mehr zumutbar. Ende April soll nun eine weitere Besprechung zur Verbesserung der Situation für die Landwirte stattfinden. Bis dahin sollen geeignete Alternativrouten geprüft und die Fahrtenanzahl des landwirtschaftlichen Verkehrs erhoben sein.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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