19. Internationales Gitarrenfestival Hersbruck

Atemberaubende Hingabe einer Gitarrenlegende

Raubte seinem gebannt lauschenden Publikum schier den Atem mit seinem einzigartigen Gitarrenspiel: Álvaro Pierri. | Foto: P. Meyer2018/08/IMG_1210.jpg

HERSBRUCK – Die Gitarrenlegende Álvaro Pierri raubte dem gebannten Publikum in der ausverkauften Dauphin Speed Event Halle schier den Atem mit seiner einzigartigen Darbietung im Rahmen des Internationalen Hersbrucker Gitarrenfestivals.

Bürgermeister Robert Ilg freute sich bereits bei seinen Dankesworten an Sponsoren und Organisatoren über den sehr guten Besuch beim gesamten Festival und fragte sich gleichzeitig, wie ein derart hochkarätiges und wunderbares Programm im Jubiläumsjahr 2019 noch getoppt werden könne. Johannes Tonio Kreusch stellte als künstlerischer Leiter des Gitarrenfestivals heraus, dass dieses Festival im Zeichen der Kontraste stehe und sich laut und leise sukzessive abwechselten. Nachdem es am Vortag beim „Fingerstyle“ richtig laut geworden war, trete nun der Meister der feinen Nuancen der Gitarrenfarben auf – für „Gitarren-Afficionados“ der heimliche Höhepunkt der gesamten Woche.

Kreusch hatte nicht zu viel versprochen. Freundlich, mit leicht großväterlichem Charme und ganz natürlich betritt Álvaro Pierri die Bühne, setzt sich, rückt ruhig Notenständer und Noten zurecht, positioniert die Gitarre, stimmt kurz die Saiten durch und es erklingen die ersten Töne der „Sonata a la Española“ von Joaquín Rodrigo.

Das versunkene Spiel Pierris, der mit seiner Gitarre zu verschmelzen scheint, zieht spätestens im ruhigen zweiten Satz, dem Adagio, jeden einzelnen Zuhörer in seinen Bann. Der ganze Saal lauscht in höchster Konzentration der nächsten Wendung, dem nächsten Arpeggio. Leichtfüßig gleiten die Finger des Ausnahmemusikers über die Saiten, hüpfen, tanzen, springen, schleichen, stolzieren – halten inne. Alles geschieht zu seiner Zeit und alles ist Teil eines großen Ganzen, nichts passiert zufällig.

Melodien zum Träumen
Der Notenständer hatte nun ausgedient, den Rest des Konzerts bestreitet Álvaro Pierri auswendig. Die erste „Rossiniana“ von Mauro Giuliani, der die Themen Rossinis in seinen Werken verarbeitete, bezeichnet er augenzwinkernd als „Rossinisalat mit Julian Bream-Sauce“, da er die „Rossiniana“ in einer Version dieses verstorbenen Gitarrenkünstlers interpretiert. Von diesen leichten Melodien zum Träumen verleitet, fallen die Zuhörer weich auf den von Pierri meisterhaft gewebten Klangteppich.

In technischer Perfektion und gleichzeitig unfassbar gefühlvoll musiziert er die Werke des Spaniers Isaac Albéniz, die ursprünglich für Klavier komponiert waren.

Beeindruckend wie er zwar mit zehn Fingern, aber nur mit sechs Saiten anstatt mit 88 Tasten sämtliche Facetten der spanischen Seele hervorzaubert. Oft glaubt man, mehrere Gitarristen gleichzeitig zu hören, so filigran, so flink flitzen die Finger – das Auge traut dem Ohr nicht. Es verwundert nicht, dass es schon vor der Pause lang anhaltenden Applaus gibt.

Der gesundheitlich leicht angeschlagene Pierri entscheidet sich danach kurzfristig für eine Programmänderung und tauscht die beiden ihm gewidmeten Stücke gegen, wie er sagt, weniger ernste aus. So überzeugt er im zweiten Teil mit Liedern von Niccolò Paganini, Guinga und Frederico Moreno Torroba. Seine Mimik zeigt, dass er mit beispiellosem Einfühlungsvermögen jede Geschichte miterlebt, die er mit seiner Gitarre erzählt. Er leidet, er freut sich, er genießt – ohne jegliche Affektiertheit. Seine kurzen Ansagen sind wie das gesamte Konzert, direkt und unverfälscht. Zart und fein, rau und wild, frisch und klar – Álvaro Pierri macht das ganze Spektrum der Gitarre hörbar.

Und so verharrt das Publikum bis zum letzten Ton in außergewöhnlicher Aufmerksamkeit, in der man das Fallen einer Stecknadel so störend wie eine Kreissäge empfindet. Der abschließende Applaus, Standing Ovations und die beiden Zugaben lassen erkennen, dass es wahrlich schwierig werden wird, das im nächsten Jahr noch zu toppen.

 

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N-Land Petra Meyer
Petra Meyer