Werkstatt für kleine Reparaturen

Am Freitag startet das „soziale Rad-Haus“ in der Poststraße in Hersbruck

Björn Bracher, Dorothea Müller Philipps Sohn und Andi Roller (v. links) warten im „sozialen Rad-Haus“ auf erste reparaturbedürftige Räder samt deren Besitzern. | Foto: A. Pitsch2018/12/IMG_4237.jpg

HERSBRUCK – Fast zwei Jahre hat es gedauert von der Idee bis zur Umsetzung: Aber jetzt eröffnet am Freitag das „soziale Rad-Haus“ in der Hersbrucker Poststraße. Dort können Jung und Alt, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam mit ehrenamtlichen Experten ihr kaputtes Fahrrad reparieren.

Angefangen hat alles 2016. Damals organisierte die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe „Hand in Hand in Hersbruck“ verschiedene Aktionen, um kaputte Fahrräder zu reparieren. Um das Angebot dauerhaft zu etablieren, wollte Dorothea Müller Philipps Sohn im Juni 2017 mit „Hand in Hand“, dem WinWin Freiwilligenzentrum des Landratsamts und und einigen Unterstützern eine soziale Fahrradwerkstatt in Hersbruck einrichten. Sie suchte nach Räumlichkeiten – vergeblich.

Den hellen Laden mit den großen Fenstern in der Poststraße, also „fast in Marktplatz-Nähe“, so Müller Philipps Sohn, hatte sie bereits seit einiger Zeit im Blick. Auf eine erste Anfrage hin beim Eigentümer folgte lange keine Reaktion. „Und jetzt kam wie aus dem Nichts ein Anruf von der Sparkasse“, erzählt Müller Philipps Sohn und strahlt. Zu Recht: Denn die Sparkasse sponsert per Leihvertrag den Raum, das Diakonische Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt übernimmt die Trägerschaft und hat fleißig geweißelt und geputzt, schließlich ist das „soziale Rad-Haus“ ab sofort jeden Freitag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

Und zwar für alle, wie Müller Philipps Sohn, Andi Roller von „Hand in Hand“ und Björn Bracher von der Diakonie betonen. Zwar wird das Projekt, das noch nach helfenden Ehrenamtlichen sucht, über „WinWin“ mit Leiterin Kerstin Stocker vom bayerischen Sozialministerium gefördert, weil ein Ziel ist, Migranten ins Ehrenamt zu bringen und ihnen so eine „Anbindungschance an die Gesellschaft“ zu ermöglichen, wie es Bracher nennt, aber: „Unser niederschwelliges Angebot richtet sich an jeden, zum Beispiel an die alleinerziehende Mutter, die nicht weiß, wie sie die Bremse beim Kinderrad wieder einhängen kann“, beschreibt Müller Philipps Sohn den Anspruch des „Rad-Hauses“.

Denn Mobilität sei gerade in der Gegend hier für viele sehr wichtig, sagt sie. Unter dem Aspekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ sollen Menschen zum Selbstkostenpreis kleinere Reparaturen selbst erledigen können oder dies unter Anleitung lernen. „Wir kaufen alle unsere Ersatzteile im lokalen Handel“, erklärt Müller Philipps Sohn, „wir wollen keine Konkurrenz zu den heimischen Fahrradläden sein“. Das wissen deren Chefs scheinbar zu schätzen, die Gesprächsbereitschaft und Unterstützung für das Projekt „für den Kleinkram“ am Drahtesel ist groß, hat das Trio erfahren.

Die drei hoffen, dass auch Kinder und Jugendliche wieder mehr Interesse am Schrauben am fahrbaren Untersatz finden. „Viele können nicht mal einen Schlauch wechseln“, weiß Bracher. Denkbar wäre daher auch ein Schrauber-Nachmittag oder -Kurs oder ein Angebot im Rahmen des Ferienprogramms, philosophieren sie. Bis diese Ideen einmal so weit sind, ist es Bracher unter dem Stichwort „Nachhaltigkeit“ wichtig, dass im „Rad-Haus“ alte Räder wieder zum Laufen gebracht werden. Und noch ein Aspekt soll laut Bracher zum Tragen kommen: „Wir wollen damit auch sozial benachteiligten Menschen eine Anlaufstelle bieten und mit dem Projekt eine Lücke schließen.“

Wer im „sozialen Rad-Haus“ ehrenamtlich mitarbeiten möchte, wendet sich an die Kirchliche Allgemeine Soziale Arbeit Hersbruck der Diakonie Altdorf-Neumarkt-Hersbruck unter kasa@diakonie-ahn.de oder Tel. 09151/837735 oder an das WinWin Freiwilligenzentrum, k.stocker@nuernebrger-land.de , Tel. 09123/950 6700. Das Soziale Rad-Haus wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales im Rahmen des Projekts „Miteinander leben – Ehrenamt verbindet“.

 

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch