Ladenöffnung an Heiligabend?

„Am Fest ist noch keiner verhungert“

So wird es an Heiligabend in der Hersbrucker Innenstadt wohl nicht aussehen: Die meisten Läden bleiben zu. | Foto: J. Ruppert2017/11/7989190.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Aufweichung der starren Nine-to-five-Arbeitszeit, Abschaffung des freien Sonntags im Einzelhandel und Ladenöffnung am sonntäglichen Heiligabend: Derzeit sind Geschäfts- und Arbeitszeiten in der Diskussion. Eines ist in der Hersbrucker Geschäftswelt deutlich hörbar: Einkaufen am Weihnachtssonntag muss nicht sein.

Eine Sonderregelung des bayerischen Ladenschlussgesetzes – denn Öffnungszeiten sind Ländersache – ermöglicht Blumenläden, Tannenbaumverkaufsstellen, Supermärkten und Geschäften, die sonst auch sonntags aufhaben, an Heiligabend drei Stunden zu öffnen, und zwar bis maximal 14 Uhr.

Weil es ein Sonntag ist, findet Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler, dass der 24. Dezember ein freier Tag sein sollte: „Ich freue mich, dass sich schon so viele Lebensmittelgeschäfte dagegen ausgesprochen haben, am 24. Dezember aufzumachen. So bleibt der wichtigste Sonntag in diesem Jahr für die Familie reserviert.“ Mortler spielt damit auf die Pressemeldungen von Lidl, Norma, Aldi und Rewe an, an Weihnachten nicht zu öffnen. Laut Auskunft des Personals gilt das auch für den örtlichen Netto.

Ja zu Metzger und Bäcker

Als selbstständig geführte Filiale hätte der Rewe im City-Park die Wahl gehabt, erklärt Chef Jürgen Binder, aber auch er wird nicht arbeiten. „Mir geht es in erster Linie darum, dass die Mitarbeiter frei haben.“ Zudem wäre es ein großer Aufwand, bereits Samstag müsste so viel angeliefert werden, dass es für Heiligabend auch reicht. „Das wäre ein Kuddelmuddel.“ Und er fügt noch an: „Wer die drei Stunden dann noch braucht …“

Ähnlich sieht es auch Heidi Rauenbusch vom gleichnamigen Spielwarengeschäft: „Heutzutage kommt man doch drei Tage ohne frische Semmeln aus.“ Sie ist froh, dass ihr Laden von der Sonderregelung nicht betroffen ist, aber in Frage wäre es nicht gekommen, aufzumachen. „Das geht gar nicht und braucht es nicht“, betont sie.
Gleiches ist bei Mitarbeitern der Metzgerei Hartmann zu vernehmen. Leidtragende seien die Verkäuferinnen – vor allem bei einer generellen Abschaffung des freien Sonntags. Bisher könne man seine Verpflegung auch ohne organisieren. Klar ist, dass ein solches Angebot genutzt wird, wenn es erst einmal da ist. Bezogen auf den Heiligabend bringt es eine Dame auf den Punkt: „An Weihnachten ist noch keiner verhungert.“ Gegen Einkaufen am sonntäglichen Heiligabend spricht sich auch Doris Kiener von Tabak Biegel aus: „Ich begrüße es, dass viele große und kleine Konzerne zu haben.“ Sie selbst sei glücklich, den Tag ganz entspannt verbringen zu können, und macht klar: „Ich bin gegen Öffnungszeiten von 24 Stunden.“

Hier kontert Altstadtwirt Gerhard Kratzer: „Das Internet hat immer offen.“ Auch wenn er am 24. Dezember Imbiss, Zentral, Glühwein- und Bratwurstbuden aufmacht, ist er der Meinung, dass eine Sonderregelung für Metzger und Bäcker ausreichen würde. „Mehr braucht’s nicht.“ Stattdessen plädiert er für Aktionen im Vorfeld. „Mal samstags länger öffnen oder unter der Woche, um den Handel zu forcieren.“
Bei der Bäckerei Wacker beispielsweise kann man sich am 23. Dezember bis 20 Uhr versorgen. Tags drauf sind alle Filialen – wie sonntags generell – verwaist. „Es ist das erste Mal seit Langem, dass wir Heiligabend nicht arbeiten müssen“, sagt Julia Wacker erfreut. Sonst war der Festtag für Familie und Angestellte immer ein Gehetze.

Doppelter Lohn

Auch Friedrich Stecher überlegt, seinen Blumen Wendler am Samstag vor dem Fest länger zu öffnen. Er weiß aus Erfahrung, dass die meisten kurz vor Weihnachten vor allem ihre Vorbestellungen abholen. Sonntags müsste er den doppelten Lohn zahlen. „Da verzichte ich auf den Gewinn, wenn wir alle einen geruhsamen Tag haben.“ Obwohl sein Laden unter die Sonderregelung fällt, habe er den Gedanken gar nicht erst aufkommen lassen – „es ist Sonntag“.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch