Interview mit Saxophonist des „Quadro Nuevo“

Abtauchen in eine andere Welt

Mulo Francel (Mitte) ist der Saxophonist von "Quadro Nuevo", die mit Tango und Weltmusik das Gitarrenfestival Hersbruck eröffnen werden. | Foto: René van der Voorden/PR2017/08/8305086.jpeg

HERSBRUCK – Ein Konzert ohne Gitarre beim Hersbrucker Gitarrenfestival, das kennt das Publikum schon. Diesmal gestaltet „Quadro Nuevo“ mit Arabesken, Tango, Balkan Swing und mehr den Auftakt am Samstag, 12. August, um 19.30 Uhr in der Geru-Halle. Warum man diesen Abend nicht verpassen sollte und was Musik nicht nur den Zuhörern geben kann, weiß Mulo Francel, der Saxophonist der Weltmusikgruppe aus Bayern.

Sagt Ihnen das Hersbrucker Gitarrenfestival überhaupt etwas?
Mulo Francel: Wir haben vor unserem Engagement schon davon gehört, denn wir kennen den künstlerischen Leiter Johannes Tonio Kreusch bereits länger. Er hat uns vor zwei Jahren gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, hier zu spielen. Und bald sind wir da!

Wo liegt denn die Verbundenheit zur Gitarre?
Früher hatten wir tatsächlich auch einen Gitarristen, doch dieser hatte einen schweren Unfall und wir wollten seine Stelle dann nicht mehr gleich besetzen. Potenziell würde das Instrument also zu uns passen. Aber ich unterstelle jetzt mal, dass, wenn Gitarristen sich für Musik interessieren, ihnen auch das Spiel mit der Harfe etwas geben wird. Außerdem sehe ich durchaus gemeinsame Wurzeln zwischen Harfe und Gitarre. Letztere ist eine frühe Abwandlung der Harfe, und die gab es ja schon bei den Ägyptern.

Wie passt die Harfe, die viele mit klassischer oder Orchestermusik in Verbindung bringen, zu Tango?
Tango ist ja nicht unsere einzige Stilrichtung. Klar fehlt das Bandoneon hier nicht, aber prinzipiell sind wir offen. Daraus ergibt sich dann unsere Weltmusik. Wir lassen uns dabei von verschiedenen Kulturen und Begegnungen mit Musikern inspirieren – aber ohne den Anspruch, deren Musik dann authentisch zu spielen.

Das heißt?
Wir waren zum Beispiel in Ägypten und in Buenos Aires und haben uns dort Rhythmen und Tonleitern zeigen lassen. Danach haben wir das auf unsere Weise bei unseren Liedern eingebaut. So entsteht lebendige Weltmusik.

Das Reisen spielt bei euch also eine große Rolle.
Ja, wir lieben es, viel zu spielen und von Bühne zu Bühne zu tingeln, denn nur so lernt man Menschen kennen, kommt auf Ideen und sammelt Erlebnisse. Das alles nährt und speist unsere Musik. Zum Beispiel waren wir auf einem griechischen Festival und sind in der Freizeit auf einen hohen Berg gestiegen: Die Aussicht, die Sonne, die Mythen und das glitzernde Meer haben uns später ein neues Lied beschert.

Was ist der Reiz an Festivals im Vergleich zu eigenen Konzerten?
Eigentlich ist es uns egal, wo wir auftreten, ob im Jazz-Club in Berlin, einem Festival in Franken oder bei einem kleinen Kulturverein in Schwaben. Uns gefällt nämlich genau diese Abwechslung. Das Spannende ist doch, wenn sich Leute für Live-Musik interessieren und sich vollkommen darauf einlassen. Dann ist es nicht so wichtig, ob 400 oder 80 Zuhörer da sind. Es geht um Qualität statt Quantität.

Was sollte das Hersbrucker Publikum für euer Konzert mitbringen?
Am besten keine große Erwartungshaltung, wie wir selbst auch. Denn die Töne, die an sich keine Aussage haben, sondern erst durch Gefühle an Bedeutung gewinnen, sind ein augenblicklicher Genuss – wie ein guter Wein. Unsere Kultur hat sich hier in Mitteleuropa den Luxus erkämpft, dass wir drei Stunden abseits vom Alltag in eine andere Welt eintauchen können, um aufzutanken. Da sollte man sich einfach drauf freuen, wie wir auch.

Musik bedeutet für euch …
… eine zweite Welt, die wunderschön ist. Aber Musik macht nur Sinn, wenn man sie mit anderen Leuten teilt. Bei Proben kann eine tolle Stimmung entstehen, aber nicht so einmalig wie bei Konzerten mit dem Performancedruck. Dort herrschen Adrenalin und Energie.

Infos unter http://gitarre-hersbruck.de/ und http://www.quadronuevo.de/ . Für dieses Konzert gibt es nur noch wenige Restkarten an der Abendkasse.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch