Jubiläum bestätigt Kratzers Engagement

25 Jahre Hersbrucker Weihnachtsmarkt

Die erste und die nächste Tasse: Die Stadtansicht auf dem Jubiläumsbecher links hat der Sattler Hans Müller gemalt. | Foto: M. Scholz2017/11/8544136.jpeg

HERSBRUCK – Der Hersbrucker Weihnachtsmarkt ist nicht einfach nur eine Budenstadt wie viele andere in der Region. Vor 1992 war er ein lang gehegter Händlerwunsch, in seinen Anfängen schon mal ein innerstädtisches Politikum und rückblickend vor allem der Grundstein für den Biergarten Gerhard Kratzers und einen kontinuierlich belebten Unteren Markt. Am 30. November eröffnet der Metzger und Wirt die 25. Ausgabe.

Die Jubiläumstasse ist schon da — und richtig schön ist sie geworden. Das liegt am besonderen Motiv: eine gestaffelte Altstadtansicht mit allen markanten Gebäuden, die der längst verstorbene Hersbrucker Sattler Hans Müller gemalt hat. Kratzer hat das farbenfrohe Gemälde bei Werner Beck in der ehemaligen Lederwerkstatt am Unteren Markt zufällig entdeckt und es gleich für das Jubiläum einkassiert. Der Wirt selbst hat sich klein auch auf dem Porzellan verewigt, was nach zweieinhalb Jahrzehnten ja schon mal sein dürfe, wie er augenzwinkernd anmerkt.

Der 70-Jährige hat Kritiker, ist aber doch recht unstrittig ein wichtiger Macher in Hersbruck, der seit Jahrzehnten für Attraktionen sorgt und mit seinen Veranstaltungen inzwischen zu jeder Jahreszeit Menschen in die manchmal arg ruhige Innenstadt lockt. Der Weihnachtsmarkt kann durchaus als seine Initialzündung für dieses Engagement gesehen werden. Der Biergarten besteht kommendes Jahr 25 Jahre.

Attraktion würde fehlen

Zwar hat Kratzer den Weihnachtsmarkt nicht jedes Jahr alleine organisiert, aber ohne ihn, seine Frau, seinen Sohn und seine Mannschaft gäbe es die Adventsattraktion schlichtweg nicht. Damit fehlte eine Zugnummer in der Zeit des Weihnachtsgeschäfts, gäbe es kein Hersbrucker Christkind, das die Stadt wegen seiner stattlichen Erscheinung schon mal in bundesweite Schlagzeilen bringt und Fernsehteams in die Cittaslow lockt, keine Bühne für heimische Gruppen und keinen wärmenden Treffpunkt zum Feierabend-Schnack unter der Woche. Vom Bühnenprogramm oder dem „Markt der langen Gsichter“ der HZ gar nicht zu reden.

Kratzer betont immer mal gerne, dass er sich als Einzelkämpfer sieht, beim Weihnachtsmarkt haben aber schon ein paar Jahre das Wirtschaftsforum und danach Schausteller Jürgen Wild mitgewirkt. Der Pionier war aber er — nach dem klaren Signal des damaligen Bürgermeisters Wolfgang Plattmeier („Mach!“) — und seit 2008 macht er’s auch wieder alleine mit eigener, beheizter und überdachter Bühne, Profi-Technik, rustikalen Stehtischen und vielem mehr.

„Es ist gastronomisch geprägt“, sagt er, die Gäste sollen es gemütlich haben. Schirme und Heizpilze habe es zuerst bei ihm in Hersbruck gegeben, andere Weihnachtsmärkte in der Region hätten erst später nachgezogen. Die Entwicklung zur Institution in der Adventszeit sei „mühsam“ gewesen, sagt er. Gerade wenn er daran denkt, wie lange er für die ganzwöchige Öffnung gestritten habe, die in der Stadt erst seit vier Jahren möglich sei und die sich in der heutigen Zeit doch eigentlich von selbst verstehen müsse.
Jetzt sei er aber auch stolz auf das Erreichte. „Das kann ich schon sagen.“ Dann merkt Kratzer an, was er häufig loswerden muss: „Das ist doch beste Werbung für das Image der Stadt. Die Leute kommen ja nicht von selbst.“

Geschichten vom Markt

Passiert ist viel seit 92, „ich könnt‘ viele Geschichten erzählen“, plaudert der Biergarten-Wirt, der während des Weihnachtsmarktes nie ohne seine rote Weihnachtsmann-Mütze mit weißem Pelzrand zu sehen ist. Zum Beispiel die vom Bilderbuchwinter 2010, in dem der Glühwein an der echten Schneebar noch einmal so gut schmeckte. Oder die vom Mini-Karussell im ersten Jahr, das an sich nur Platz für drei Kinder bot, auf dem aber teils 14 quietschvergnügte Mädchen und Jungen mitfuhren. Oder die Gaudi beim „Markt der langen Gsichter“ mit Lizzy Aumeier und die Anekdote vom Heiligen Abend, kurz vor Ausschankschluss, als noch ein Gast kam und Kratzer fragte: „Wo kommst’n her?“ — „Von der Arbeit.“ — „Was machst’n?“ — „Ich bin Pfarrer.“ Dem Wirt leuchten die Augen, wenn er erzählt, dass sich noch ein schönes längeres Pläuschchen anschloss.

Der „Markt der langen Gsichter“ der HZ findet am 27. Dezember, Beginn 18 Uhr, statt. Stargast ist Bernd Händel, Kabarettist und bekannt als Veitshöchheimer Narrenkönig. Das ausführliche Hersbrucker Weihnachtsmarktprogramm folgt.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz