Start von Johannes Egelseer

Zweite Chance beim Ironman Hawaii

Vor drei Jahren bei der Hawaii-Premiere war Johannes Egelseer mit seiner Leistung nicht zufrieden. | Foto: privat2017/10/8440272.jpg

HENFENFELD/HAWAII – Mit diesem Rennen hat Johannes Egelseer noch eine Rechnung offen: Als der 35-Jährige 2014 in seinem „richtig guten Jahr“ bei der Triathlon-WM, dem Ironman Hawaii, antrat, fand er nie in diesen „Wettbewerb mit Mythos“ hinein. Der Ehrgeiz packte ihn: Bei seiner zweiten Teilnahme am 14. Oktober will er sich beweisen, dass er es besser kann.

Seit Oktober vergangenen Jahres weiß Johannes Egelseer, dass er die Chance dazu hat. Diese Qualifikation hat er gewollt und geplant; die für den Ironman vor drei Jahren war nicht langfristig vorbereitet gewesen. „Nach der Starterlaubnis im Juli bin ich damals in ein Loch der Erleichterung gefallen und nicht mehr herausgekommen“, erinnert sich der Henfenfelder. Über zehn Stunden hat er 2014 für 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den Marathon über 42,195 Kilometer gebraucht.

Sein Potenzial sah er da nicht ausgeschöpft. „Damals war ich eher als Tourist auf der Insel, heuer will ich Sportler sein.“ Aus seiner Premiere hat der optimistische, bodenständige Mann viel gelernt. In seiner Altersklasse mit rund 140 Startern von etwa 2000 insgesamt ist die Leistungsdichte sehr hoch. Damals war Egelseer mental nicht darauf vorbereitet: „Ich wollte es eher defensiv angehen – wusch, wusch, wusch zogen die beim Radfahren an mir vorbei.“ Sein Material hat er optimiert, zwölf Tage ist er im Vorfeld des Rennens auf der Insel und die Vorbereitung hat er seit einem Jahr genau geplant. „Ich fühle mich fitter als vor drei Jahren“, sagt er.

Dafür hat Egelseer seit November bis zum Challenge in Roth fast 14 Stunden in der Woche im Schnitt geackert. „Für meine Leistungsklasse ist das nicht so viel.“ Anfangs hat er entweder richtig schnelles oder langsames Tempo trainiert, erst im Sommer ging es Richtung Wettkampf-Geschwindigkeit. Die Vorbereitung jetzt lief reibungsloser als im Frühjahr, findet Egelseer. Nach Roth rückte der Ironman in den Fokus, „da weißt du, das nächste Highlight ist Hawaii“. Dennoch ist dieser Triathlon etwas, das „hast du das ganze Jahr im Kopf“.

Und das Ziel von einer Zeit unter zehn Stunden – bei „harten Bedingungen“. Zwischen 26 bis 28 Grad hat es auf Hawaii, auf dem Asphalt in der Lava-Wüste gefühlt noch mehr. „Ich bin nicht so der Hitze-Typ“, verrät Egelseer, der zur Umgewöhnung im Vorfeld noch zwei Tage ins wärmere Südtirol geflohen war. Dort hat er das lange Radeln am Berg geübt. Aber Hawaii ist doch eher flach? „Dort will ich ja fünf Stunden konstant kurbeln, das ist wie Bergfahren“, erklärt er.

Überhaupt hat die Radstrecke ihre Tücken. Der Wind ist unvorhersehbar. 2014 hatte der braun gebrannte, drahtige Mann Angst, dass ihn die Böen vom Sportgerät fegen. „Das hat mir das Genick gebrochen.“ Diese Gedanken muss der Triathlet ausblenden. Damit ihm das leichter gelingt, hat er an seiner Technik gefeilt – klein machen und weitertreten ist die Devise. Zurechtkommen muss er auch damit, dass in der Masse geradelt wird. Als durchschnittlicher bis guter Schwimmer („Ich freue mich auf den Pazifik“), wie er sich selbst einschätzt, hat man in Roth nach dem Wasser Platz auf der Straße. Auf Hawaii sicher nicht.

Kaum einer gibt auf
Jetzt, wo Egelseer auf der Insel ist, weiß er, dass die Arbeit getan ist: „Es geht nur um Feinjustierung und Frische.“ Trainieren wird der Henfenfelder trotzdem jeden Tag, um „im Rhythmus zu bleiben“. Vor was er sich in Acht nehmen muss, ist, sich in den Tagen vor dem Rennen nicht zu sehr mitreißen zu lassen. Vor Ort kommt es zu einem regelrechten Schaulaufen der Triathleten, da hat mancher Athlet wertvolle Körner schon vor dem Startschuss verschossen. Dennoch: Die Quote derer, die den Wettbewerb nicht durchstehen, ist laut Egelseer gering: „Jeder ist ja qualifiziert und es stecken viele Trainingsjahre drin.“

Diesen Biss spürt man bei Johannes Egelseer, wenn er sagt: „Talent ist nicht schlecht, Spaß wichtig, aber Ausdauersport ist eine Fleißaufgabe.“ Da wundert es nicht, dass er Potential bei sich sieht, in den nächsten zehn Jahren noch besser zu werden. Bei so viel Ehrgeiz und Disziplin stehen die Chancen gut, dass der 35-Jährige, der im besten Triathlon-Alter von 33 bis 37 Jahren liegt, die Rechnung mit dem Ironman Hawaii begleichen kann.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch