Projekt von Karin Friedli

„Gertrude goes Opera“ bei der Opernakademie

Karin Friedli ist Clown und Opernsängerin. | Foto: J. Dechant2018/11/Gertrude_als_Opernstar_8052.jpg

HENFENFELD – In einer Abschlusspräsentation ihres Clownkurses schuf Karin B. Friedli die Gestalt „Gertrude“. Nachdem sie auch eine fundierte klassische Sängerausbildung hat, wurde daraus „Gertrude goes Opera“. Die Schweizer Sopranistin vereinte dabei ihre beiden Talente, als Clown und Sängerin.

Die Uraufführung fand im September im Berner „Katakömbli“ statt. Nachdem Friedli oft in Henfenfeld ist, wurde das Schloss zum zweiten Spielort. Für die Klavierpartien ist Denette Whitter zuständig. Der Rote Saal wird in dem Moment zur Kleinkunstbühne, als der Prolog aus dem Dunkeln zu hören ist: die Geburt von Gertrude.

Gleichzeitig erfährt das Publikum, dass in dieser Nacht die berühmte Sängerin Maria Callas gestorben ist. Dazu erklingt im Nachruf ihr berühmtes „O mio babbino caro“. Friedli beschränkt sich nur auf wenige Worte, sie erzählt die Geschichte mit viel Mimik und Gestik. Weil Gertrude ein ausgesprochen hässliches Baby ist, wird sie von ihrer Mutter verstoßen und wächst in einem Waisenhaus auf. Dort wird sie größer und schon bald fällt ihr außergewöhnliches Gesangstalent auf. Allerdings hat sie zwei Probleme: Sie kann ihr eigenes Spiegelbild nicht ertragen und auch nicht vor Publikum singen.

In der Schulzeit erhält sie eine Gesangsausbildung, dem Publikum bietet sie daraus in Kurzeinblendungen aus Carmen die Arie „Habanera“ an, zudem die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“. Weil Gertrude ein großer Fan von Maria Callas ist, gibt es ein besonderes „Ave Maria“.

Alles funktioniert bestens, solange sie alleine ist, doch dann kommt der Tag des Vorsingens. Dies ist anfangs eine Katastrophe, denn Gertrude will nicht gesehen werden. Mit einem Trick erzeugt sie einen Kurzschluss und singt – im Dunkeln! Das Publikum, darunter viele Kinder, sind begeistert, als sie das berühmte „Libiamo ne’ lieti calici“ aus Verdis „La Traviata“ singt. Beschwipst vom Sekt zeigt Friedli ihre herrliche Kunst als Clown. Nachdem sie ihr Diplom bekommen hat, will Gertrude an die Oper.

Die erste Vorstellung funktioniert wunderbar, denn sie singt im menschenleeren Theater, nachdem sie alle Eintrittskarten selbst gekauft hat. Doch wie soll es weitergehen? Sie hat eine Eingebung von Maria Callas, die ihr vorschlägt, doch vor blindem Publikum aufzutreten. Das funktioniert gut. Friedli bringt virtuos das bekannte „Un bel dì, vedremo“ aus Puccinis „Madame Butterfly“. Es stellt sich heraus, dass die Zuschauer gar nicht blind waren. So hat Gertrude nun ihre Angst besiegt und singt das „O mio babbino caro“, ebenfalls von Puccini.  Friedlis Auftritt ist herrlich. Mit tosendem Beifall wird sie belohnt.

N-Land Johann Dechant
Johann Dechant