Sonntag ist Bürgermeisterwahl in Henfenfeld

Amtserfahrener kontra Neuling

Markus Gleißenberg (links, CSU) und Jonathan Wrensch (rechts, FBB) stellen sich zur Wahl. | Foto: HZ-Montage2017/09/Unbenannt.jpg

HENFENFELD – Es ist eine besondere Situation in Henfenfeld: Nach 1990 gibt es erstmals wieder zwei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 24. September. Mit Markus Gleißenberg für CSU/FWG und Jonathan Wrensch für SPD/FBB treten zwei Männer an, die eine politische Blitzkarriere hingelegt haben und mit ihren 35 und 32 Jahren die jüngere Generation vertreten.

„Nach so langer Zeit ist es umso schöner, dass die Leute nun wirklich die Wahl haben“, findet Markus Gleißenberg. Warum es so lange keinen CSU-Kandidaten gab, kann der 35-jährige Informatiker und IT-Projektleiter der Psorisol-Klinik in Hersbruck trotz seiner sonst wohlformulierten Sätze nicht sicher sagen: „Vielleicht weil man sechs Jahre aus dem Job draußen ist, man eine Portion Mut braucht und sich auch einer möglichen Niederlage stellen muss.“ Gleißenberg ist sich all dessen bewusst, wirkt abgeklärt. Auf Sachlichkeit und Kommunikation legt er, der sich als „zuverlässig, gesellig und lebensfroh“ beschreibt, viel Wert: „Mit mir kann man über Probleme reden und ich bin auch für Anregungen und Ideen offen.“

Auch der Mittelschullehrer Jonathan Wrensch ist sich darüber klar, dass die drei Buchstaben „SPD“, für die er als FBB-Politiker mit antritt, kein Freifahrtschein sind: „Ich habe die Wahl nicht schon gewonnen, nur weil ich antrete“ – selbst wenn Henfenfeld aufgrund der Vergangenheit als SPD-Hochburg gilt. Der engagiert erscheinende Wrensch, der sich als offen, beharrlich und tatkräftig charakterisiert, rechnet mit einem „harten Kampf“ um den Chefsessel und will mit Kompetenz überzeugen. Als zweiter Bürgermeister, der aufgrund des Ausfalls von Rathauschef Gerhard Kubek die Amtsgeschäfte seit rund einem Dreivierteljahr leitet, weiß er genau, was auf ihn zukäme. Fokussiert arbeitet der strukturiert wirkende 32-Jährige an seinem Ziel – er hat daher sogar nur eine mobile Stelle angenommen, um für den neuen Posten verfügbar zu sein.

Verwurzelt im Dorf
Den Henfenfeldern sind Gleißenberg, der gerade dabei ist, sein nebenberufliches Wirtschaftsinformatikstudium abzuschließen, und Wrensch von Kindesbeinen an bekannt. Als Vereinsmeier könnte man Gleißenberg titulieren: Der CSU-Ortsvorsitzende, der „nur drei oder vier Jahre“ nicht im Dorf gelebt hat, arbeitet auch in der Führungsriege von Feuerwehr sowie Heimat- und Verschönerungsverein mit und unterstützt „andere Vereine als Fördermitglied“.

Fast in- und auswendig kennt Wrensch, der mit eineinhalb Jahren nach Henfenfeld gezogen ist, Dorf und Menschen. „Ich war viel mit meinem Papa bei Festen, Hausbesuchen oder Seniorenausflügen unterwegs.“ Zudem hat der Familienvater, der während seines Studiums in Regensburg und derzeit in Lenting pendelt, rund 17 Jahre in der Gaststätte „Wirtshaus“ in Henfenfeld gejobbt. „Da lernt man die Leute kennen und kommt mit allen Schichten in Kontakt.“ Kein Wunder, dass er sich hier „sehr verwurzelt“ fühlt.

Politischer Werdegang
Dazu trägt auch das SPD-Kinderzeltlager bei, bei dem Wrensch als Fünfjähriger und später als Betreuer eine „erste politische Bindung“ erfuhr. Irgendwann beschäftigten ihn Probleme und Lösungen in der Gemeinde. Seine Grundeinstellung fasst er in dem Satz „Frage nicht, was dein Land für dich, sondern was du für dein Land tun kannst“ zusammen. Politik bedeutet für Wrensch, dass sich alle einbringen, mitwirken und Verantwortung tragen. Vor Letzterer hat sich der Pädagoge nicht gescheut: „Wenn die Bürger mich in den Gemeinderat wählen, mache ich das auch.“ Gleiches sagte er auch, als es um den Posten des zweiten Bürgermeisters ging.

Durch diesen „Sprung ins kalte Wasser“ hat Wrensch mittlerweile viel Einblick in die Verwaltung erhalten. Neun Monate hat er sich eingearbeitet, viel „Zeit dafür rausgeschnitzt“ und Positives erfahren. Für Wrensch war die Kandidatur zum Rathauschef logisch: „Ich möchte meine Arbeit fortsetzen, darauf aufbauen und so das Beste für die Gemeinde erreichen.“ Und das als Teamplayer, wie er betont. Für Gespräche und Diskussionen sei er immer bereit, demokratische Entscheidungen müssten dann alle tragen.

Auch wenn Gleißenberg erst 2013 in die Partei eingetreten ist („Bei der CSU habe ich die größte Schnittmenge gefunden.“), Politik hat ihn schon immer fasziniert: „Wie nach großen Auseinandersetzungen über verschiedene Ideen unterschiedliche Menschen einen Konsens finden, ist total spannend.“ Es scheint, als würde der seriös gekleidete und selbstsicher wirkende Gleißenberg keiner Diskussion aus dem Weg gehen. Trotz erst kurzer parteipolitischer Zeit engagiert sich der 35-Jährige bereits auf CSU-Kreisebene: „Es ist toll, wenn man sich einbringen kann.“ Seine Augen sprühen fast vor Begeisterung, er lächelt viel.

Für Gleißenberg ist die Kandidatur eine Art Jugendtraum: „Ich habe schon lange vor dem CSU-Eintritt auf das Amt des Bürgermeisters geschielt.“ Es sei hochinteressant, gemeinsam mit den Bürgern etwas zu bewegen, an Stellschrauben zu drehen, um Henfenfeld zu entwickeln – aber im Rahmen des Möglichen, sagt er, ganz Realist. Er möchte ein Miteinander mit den Einwohnern, das betont er oft. Das soll sich auch in seinem Führungsstil widerspiegeln. Dabei möchte Gleißenberg „Ziele energisch verfolgen“ und nach außen Autorität zeigen.

Themen im Dorf
Als die Sprache auf die Aufgaben für Henfenfeld kommt, streicht Gleißenberg wieder heraus, dass mehr mit den Bürgern entschieden werden sollte. Sein Gegenbeispiel ist die Dorferneuerung in der Mühlstraße. Hier hätten die Anlieger weder Plan noch Kosteneinschätzung erhalten, dabei sei das bei einer Projektplanung üblich. Weiteres Ziel Gleißenbergs ist es, die heimischen Unternehmen bei deren Erweiterungsplänen zu unterstützen. „Jeder Arbeitsplatz ist Geld wert.“ Wie genau er die Vergrößerung von Gewerbeflächen („Ich will keine Schornsteine hier.“) umsetzen möchte, lässt er offen. Zu viele offene Fragen gebe es da, aber „man muss es ja anpacken“.

Am Thema der Dorferneuerung kommt auch Wrensch nicht vorbei. Hier möchte er etwas an der fehlenden Transparenz ändern und den „Bürgermeister informiert“-Brief aufleben lassen. Bis zum Ende der Maßnahmen möchte er die Bürger nicht zu sehr finanziell belasten. Weitere große Posten sind die Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos sowie Kauf und Sanierung der Schulsporthalle. Diese könne der Sportverein mit nutzen und sie solle an den Schulverband vermietet werden. „Damit sichern wir unseren Grundschulstandort“, begründet Wrensch. Am Hochwasserschutz möchte er auch dranbleiben. „Investitionen mit Augenmaß“ bei der Infrastruktur sieht er als notwendig an.

Wer siegt?
An eine Prognose über den Wahlausgang will sich keiner der beiden Kandidaten wagen. Da Markus Gleißenberg viel positive Resonanz erfahren hat, sagt der 35-Jährige selbstbewusst: „Ich trete an, um zu gewinnen.“ Ähnliches ist von Jonathan Wrensch zu hören. Unumwunden gibt der 32-Jährige zu, dass ihn eine Niederlage durchaus treffen würde: „Ich hoffe, dass die Bürger meine bisher geleistete Arbeit anerkennen.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch