JUZ Eckental

Heiße 40 Jahre

Das Team des JUZ Eckental. Die „Schlüsselträger“ schmeißen den Betrieb des Musiktreffs. | Foto: Krieger2018/07/Team-JUZ-Eckental-Foto-Krieger.jpg

ECKENTAL — Das JUZ in Eckental ist 40. Als eines der letzten selbstverwalteten Jugendzentren Bayerns hat es seit der Gründung 1978 Höhen und Tiefen erlebt. Heute sind die Macher in die Jahre gekommen. Ein Treffpunkt ist der Alternativschuppen noch immer, für Musikbegeisterte querbeet.

Ein bisschen renoviert wurde dann doch zum 40-Jährigen, ein frischer Anstrich für die grüne Holzbaracke, ein paar neue Sessel. Eng ist es noch immer drin, zwischen Kicker und Tresen im Barbereich, der durch eine Durchreiche mit dem Konzertraum verbunden ist. Kaum zu glauben, dass auf den paar Quadratmetern zu den besten Zeiten mehrere hundert Leute Partys feierten.

Michaela Valta, die als Mitglied des Vorstands seit 15 Jahren die Musikveranstaltungen des JUZ organisiert, hat zum Jubiläum einen kleinen Rückblick erstellt. Die Fotos an den Wänden ziehen beim Sommerfest, zu dem die Mitglieder, wie immer, gekommen sind, die Blicke auf sich. Partys, Konzerte, Lesungen, Kabarett, Barbetrieb drinnen wie draußen, Open Airs – die letzten vier Jahrzehnte war viel los.

Harte Verhandlungen 1977

Im dicken Ordner mit Zeitungsberichten ist noch nachzulesen, wie hart 1977 die Verhandlungen des Initiativkreises Jugendzentrum mit der Gemeinde Eckental waren, bis die Gruppe nach langem Ringen die Räume in der ehemaligen Behelfsunterkunft an der Grenze zwischen Eschenau und Eckenhaid in Beschlag nehmen durfte. Durchaus selbstbewusst hatten sie „Räume ohne jede Art von Zensur“ gefordert, immerhin gäbe es 1000 Eckentaler Jugendliche, aber kein Angebot.

Auch das Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung wird zitiert: „Die Einrichtung von Jugendzentren ist zuträglich, die Entwicklung von Jugendlichen zu fördern.“ Diese hätten im Idealfall „eine Mittelpunktfunktion in der Phase des geistigen Heranwachsens“.

Eckentals Bürgermeister Georg Hänfling sah das irgendwann offenbar auch so und kümmerte sich um eine Bleibe für die Jugendlichen, die sich abseits „bekannter konsumorientierter Gaststätten“ treffen wollten. Mit Töpfer- und Malangeboten startete die Gruppe im April 1978. In heutigen Zeiten der Totalüberwachung durch Google liest sich das schon fast amüsant.

Später, als das JUZ immer mal auf der Kippe stand, weil sich Gerüchte um Drogen, Alkohol und anderes in der selbstverwalteten Kommune hartnäckig hielten und den Gemeinderat sowie besorgte Bürger auf den Plan riefen, boten die Macher eine Facharbeit auf, die die positiven Aspekte der selbstverwalteten Jugendtreffs herausarbeitete, der, auch das muss erwähnt werden, nie große Kosten produzierte, weil bis heute alles ehrenamtlich passiert.

Auseinandersetzungen mit Neonazis

Die Rettung gelang. Immer wieder erfand sich die Einrichtung in den Jahrzehnten darauf neu, setzte neue Schwerpunkte, unter anderem mit Ausstellungen, Musik und Kabarett. Älter sind die Erzählungen von Auseinandersetzungen mit Neonazis und der ein oder anderen Prügelei. Karl-Heinz Hoffmann, Gründer der 1980 verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann, soll einst mit schweren Fahrzeugen und einem Haufen Getreuer vor dem JUZ patrouilliert haben, um die alternativen Linken einzuschüchtern, berichten heute noch Mitglieder.

Die Meisten von ihnen sind längst über 50, lange Haare haben die wenigsten noch, sondern gute Jobs, trotz Unkenrufen manch Außenstehender, meint Achim Greß, Fotograf und einer der langjährigen JUZ Freunde, grinsend. Auftritte von Bands aus ganz Europa, Musik, Kabarett und unkompliziertes Zusammensein ziehen heute auch Jüngere an. Der Generationenwechsel gelingt, trotz mittlerweile weiterer Jugendtreffs im Ort.

Live-Musik alle 14 Tage

Das hat sicher auch handfeste Gründe. Das Bier kostet moderate 2 Euro, donnerstags legt Michaela Valta, 48, längst Mutter und im Betrieb ihres Mannes tätig, noch immer heiße Scheiben aus der Musikgeschichte auf, wer mag, schaut einfach vorbei. Und alle zwei Wochen gibt es von September bis April Live-Programm. „Wir achten darauf, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist“, sagt Valta. Kabarettist Matthias Egersdörfer, die Band Shiny Gnomes und viele andere sind Stammgäste im JUZ.

Seit zehn Jahren sind Andie Schmidt und Christian Borutta, beide 29, im Vorstand des Jugendzentrums, und damit zwei von „12 Schlüsselträgern“. In der Oberstufe waren sie zu festen JUZ-Gängern geworden, hatten den ersten Auftritt ihrer Band König Dezember hier. Beide studieren in anderen Städten, doch das JUZ lassen sie nicht im Stich: „Es macht einfach Spaß, dass wir selbstverwaltet sind und keine hierarchischen Strukturen haben“, sagt Borutta. Rund 20 Jahre trennen die beiden von den alten Mitgliedern, doch das spielt keine Rolle. „Es ist ein super Miteinander“. Nur eines hat sich geändert: Damit auch die „Alten“ noch offiziell ins JUZ kommen dürfen (was üblicherweise nur bis 27 geht), wurde es vor einigen Jahren in „Jugend- und Kulturzentrum“ umfirmiert. Nun können die Jünger dort noch locker das 60-Jährige feiern.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger