Schönberger Glocken eingeweiht

Heavy Metal für die Seele

Die Schönberger St.-Jakobus-Kirche war beim Festgottesdienst zur Einweihung des neuen Sechsergeläuts gut gefüllt. | Foto: Brinek2017/12/Glockenweihe-Schonberg-Innenraum-mit-Kanzel-Brinek.jpg

SCHÖNBERG — Sie sind zu sechst und in der Lage, großen Lärm zu machen: In der St.-Jakobus-Kirche in Schönberg wurde im Rahmen eines Festgottesdienstes das neue Geläut, bestehend aus drei alten und drei neuen Glocken, eingeweiht.

„Es ist ein Jahrhundertereignis, das uns hier in der Jakobuskirche in Schönberg zusammenführt. Die Weihe unserer drei neuen Glocken und ihre Einbindung in ein neues Sechsergeläut im Kirchturm der St. Jakobus-Kirche“ – mit diesen Worten eröffnete Pfarrerin Gabriele Geyer den Festgottesdienst. Nach gut drei Jahren intensiver Anstrengungen konnte sie das neue Geläut am ersten Adventssonntag der Öffentlichkeit präsentieren.

Glocken überdauern in der Regel Jahrhunderte, ehe sie ausgewechselt werden müssen. Deshalb könne man davon ausgehen, dass es nur alle zwei Jahrhunderte ein derartiges Ereignis in Schönberg geben werde, so Geyer. Das war auch den vielen Gläubigen bewusst, die in die St.-Jakobus-Kirche strömten, um bei diesem denkwürdigen Anlass dabei zu sein.

Als Ehrengäste begrüßte Pfarrerin Geyer unter anderem Dekan Werner Thiessen, der die Weihe vollzog, den Glockensachverständigen Kirchenmusikdirektor Gerd Hennecke und Pfarrer Günther Niekel, der die Glockenzier angebracht hatte. Auch Landrat Armin Kroder sowie der Zweite und Dritte Bürgermeister der Stadt Lauf, Norbert Maschler und Thomas Lang, waren anwesend.

Pfarrerin Gabriele Geyer, Dekan Werner Thiessen, Pfarrerin Antje Biller, Pfarrer Peter Loos und Pfarrer Günther Niekel (von links) in der ersten Reihe. | Foto: Brinek2017/12/Glockenweihe-Schonberg-Pfarrer-Brinek.jpg

Festliche Orgelklänge stimmten die Gläubigen auf die Weihezeremonie ein, die Dekan Werner Thiessen vornahm. Er führte aus, dass seiner Meinung nach Glocken ein belebendes Element seien, das Menschen zum Nachdenken bringen und Stimmungen erzeugen könne. „Die Glocken rufen zum Gottesdienst auf und laden die ein, die nicht kommen können, ein Gebet zu sprechen“, sagte der Dekan und fügte hinzu: „Glocken sind wie Heavy Metal für die Seele!“ Mit dem Satz „Im Namen Gottes seien die Glocken nunmehr geweiht“ segnete er die Glocken.

Pfarrer Peter Loos, dessen Großmutter früher Mesnerin in St. Jakobus war, trug interessante Details zur Chronik der Schönberger Glocken vor. So wurden die ersten Schönberger Glocken bereits in vorreformatorischer Zeit zwischen 1475 und 1525 gegossen und kamen 1570 zusammen mit einem dritten kleineren Glöckchen in die damals bereits protestantische Schlosskapelle Schönberg.

Um den Anwesenden in der Kirche einen Einblick in das Glockengestühl zu geben, hatte man eine Kamera im Turm installiert, deren Bilder auf eine Leinwand im Kirchenraum projiziert wurden. Auch der Ton wurde übertragen und es war zunächst der Klang jeder Glocke einzeln zu hören. Außerdem wurde über die jeweilige Inschrift und weitere charakteristische Merkmale informiert. Dabei stellte Pfarrerin Antje Biller zum Beispiel die tontiefste „Christusglocke“ vor, die in besonderer Weise für den Frieden in der Welt läuten soll. Als Inschrift trägt sie das Versöhnungsgebet von Coventry von 1958 zusammen mit einem Nagelkreuz, dessen Original aus Überresten der Zerstörung als Symbol für Versöhnung und Neuanfang geschaffen wurde.

Pfarrerin Geyer bat die Gläubigen dann, sich zu erheben, denn es erfolgte der große Moment, als alle Glocken gemeinsam erklangen. Der bewegende Augenblick faszinierte alle Anwesenden und schließlich gab es begeisterten Beifall. Mit dem Lied „Süßer die Glocken nie klingen“ setzte Elisa Geyer, die Tochter der Pfarrerin, den Schlusspunkt, ehe der evangelische Posaunenchor Schönberg das Ausgangsstück anstimmte.

Für Schönberg war dieser Tag nach einhelliger Meinung eine Rückbesinnung zu den Werten des Lebens und der Gemeinschaft im Ort. Pfarrerin Geyer resümierte: „Wir alle haben zusammengeholfen und haben dieses Werk vollbracht.“ Dekan Thiessen drückte es so aus: „Für die Schönberger ist heute schon Weihnachten.“

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek