Fake News in polnischer Zeitung über Flüchtlingssituation

Falsches Bild von Rupprechtstegen

Die Polin Maya Paczesny, der dieses Haus in Rupprechtstegen gehörte, schildert in einer polnischen Zeitung, wie verheerend die Zustände in Deutschland nach dem Flüchtlingsstrom seien. | Foto: S. Fuchs2017/03/7996125.jpg

RUPPRECHTSTEGEN  – Rupprechtstegen eine Müllhalde, wo kein Tourist mehr hin will? Und das alles wegen der Flüchtlinge dort? So zumindest suggeriert es ein Interview, das vergangenen Sommer in der Warschauer Tageszeitung „Gazeta Prawna“ erschienen ist. Dran ist an den Vorwürfen allerdings herzlich wenig. Dem Ort im Oberen Pegnitztal aber brachten die Fake News (deutsch: Falschmeldung) eine ziemliche Medienresonanz ein.¶

Der BR, Antenne Bayern, die Nürnberger Nachrichten — die Reihe derer, die bei Bürgermeister Werner Wolter derzeit anklopfen, ist lang. Anlass für den Aufruhr: ein Interview mit der Polin Maya Paczesny, das bereits im vergangenen Sommer in der polnischen Zeitung „Gazeta Prawna“ erschien. Die Polin lebte für geraume Zeit in Rupprechtstegen, hatte sich dort ein Haus gekauft und wollte aus dem Anwesen ein Hotel machen. Aus ihren Plänen aber wurde nichts. Sie verkaufte das Haus wieder — an eine Immobilienfirma. Seit kurzem wohnen Flüchtlinge darin.

In der polnischen Zeitung schilderte sie im Sommer 2016, wie es ihrer Meinung nach „wirklich hinter den Kulissen der Flüchtlingsaufnahme in Deutschland aussieht“. Flüchtlingsheime seien in Deutschland ein sehr einträgliches Geschäft, erklärt Maya Paczesny in dem Artikel. Dabei würde es den Einheimischen hier überhaupt nicht gefallen, dass in ihrer Nachbarschaft Flüchtlinge wohnten. In Bayern seien Fremde nicht gern gesehen, sagt sie in dem Interview. Vor ihren Augen sei die Gegend muslimisch geworden. Und weiter: „Flüchtlinge haben ohne zu fragen alle Fische aus einem privaten Teich gefischt.“ „Dieses Paradies verwandelt sich langsam in eine Müllkippe.“ Und: „Jetzt fährt da kein Tourist mehr hin.“

Ein Bürger aus Danzig informierte Bürgermeister Werner Wolter schließlich über den für Rupprechtstegen wenig positiven Artikel in der polnischen Zeitung. Den Stein ins Rollen aber brachte schließlich die polnische Journalistin Ewa Wanat. Sie hatte das Interview mit Paczesny ebenfalls gelesen und recherchierte — vor Ort in Rupprechtstegen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass an Paczesnys Äußerungen vieles nicht stimmte. Wanat zeichnet ein ganz anderes Bild von Rupprechtstegen: Drei Flüchtlingsunterkünfte habe sie besucht, sauber und aufgeräumt sei es dort gewesen.

Auch der BR schickte ein Team nach Rupprechtstegen, um statt „Fake News“ Fakten einzuholen. Am Anfang habe es durchaus Probleme mit der Mülltrennung gegeben, bestätigte Bürgermeister Wolter vor der Kamera. Teichpächter Rudolf Poppendörfer erklärte dem BR, er wisse nichts davon, dass Flüchtlinge seine Fische gestohlen hätten. Und der Tagestourismus habe sogar zugenommen, so Wolter zum BR.

Eine Frage aber bleibt laut Journalistin Ewa Wanat offen: „Warum erhält ein Interview mit einem Gesprächspartner, dessen Aussage niemand nach dem Wahrheitsgehalt geprüft hat, eine Überschrift, die wie eine Verurteilung klingt?: ‚Was ein Paradies war, ist jetzt eine Müllhalde. Wie Deutschland tatsächlich aussieht nach der Ansiedlung von Flüchtlingen‘.“

N-Land Katja Bub
Katja Bub