Abriss der Eckart-Gebäude in Güntersthal

Die Mauern fallen

Die Abrissarbeiten auf dem alten Eckart-Werksgelände in Güntersthal gehen voran. | Foto: Siegfried Fuchs2016/09/7417248.jpeg

GÜNTERSTHAL – Eingeengt zwischen dem Flusslauf und der Staatsstraße 2162 liegt der Werksteil Pegnitztal, der älteste, aus den Jahren 1922/23 stammende Fertigungsbereich des Pigmentherstellers Eckart. Nun müssen für den ab 2017 geplanten Ausbau der Straße zwischen Güntersthal und Velden einige Gebäudeteile weichen.

Die ursprünglich laut gewordene Vermutung, der behördlicherseits genehmigte Gebäudeabbruch habe etwas mit dem Neubau der über das Werksgelände führenden Eisenbahnbrücke zu tun, bestätigte sich somit nicht. Vielmehr wurden mit dem kürzlich durchgeführten Abriss des Hauses „A 015 – Südbau“ erste Vorwegmaßnahmen für den Restausbau der Staatsstraße zwischen Güntersthal (ab Pegnitzbrücke mit der markanten Hirsch-Skulptur) bis Velden-Ortsmitte („Wasserbrücke“) getroffen.

„Eine Win-win-Situation“, also Vorteile für beide Seiten, wie es ein Verantwortlicher des Staatlichen Bauamts ausdrückte. Denn in diesem nun freien Kurvenbereich sind parallel zur Straße eine Radbrücke beziehungsweise die Fortführung eines Radweges aus Richtung Kläranlage geplant. Für die durchgehend geforderte Ausbaubreite einschließlich Geh- und Radweg müssen zudem in den nächsten Monaten noch weitere Gebäudeteile des Werks abgebrochen werden.

Durch diese umfangreichen, aber endgültigen Abbrucharbeiten macht zumindest kurzzeitig ein Produktionsbetrieb auf sich aufmerksam, in dem seit nahezu 100 Jahren unter anderem Bronze- und Aluminiumpulver hergestellt werden und der sich zwischenzeitlich oberhalb des Pegnitztals in Richtung Hartenstein angesiedelt und zum größten Arbeitgeber der Region und weltweit agierenden Pigmenthersteller entwickelt hat.

Blick in die Geschichte

Ein kurzer Rückblick: Angefangen hat alles nach dem Ersten Weltkrieg 1918, als das frühere wasserangetriebene Eisenhammerwerk Güntersthal in den Besitz der Firma Carl Eckart kam, ursprünglich eine kleine Goldschlägerei in Fürth. Ab 1922/23 wurde im alten Eckartwerk unter anderem die Produktion von Goldbronze aufgenommen. In den Jahren 1928 bis 1929 entstand der eingangs erwähnte „Südbau“ (weil südlich der Bahnlinie) für die Produktion von Aluminiumpulver, hergestellt in Eisenbeton, der zu dieser Zeit modernsten Bauweise.

Vor dem aktuellen Abriss wurden die im Gebäude befindlichen Maschinen und Anlagenteile demontiert und größtenteils verschrottet. Bereits Ende März war der Produktionsbetrieb im ältesten Fertigungsbereich eingestellt worden. Die Produkte werden schon länger in modernen Anlagen der Firma im neuen Fertigungsbereich unter der Adresse Güntersthal 4 (Hartenstein) gefertigt.

Im Tal bleiben – nördlich der Bahnlinie – drei Produktionsgebäude in Betrieb. Diese unterstehen, wie ein Blick in den Bayerischen Denkmalschutzatlas zeigt, dem Denkmalschutz. Eine Beseitigung ist weder beabsichtigt noch für den Straßenausbau notwendig. Dazu zählen die nach Planungen der Nürnberger Architekten Hans Lehr und Karl Leupert um 1923 entworfenen und an die alten Mühlen angebauten Werkshallen (aneinander gereihte Sheddachbauten), sowie der von denselben Architekten um 1940 errichtete massive Uhrenturm mit „Eckbossierung und spitzem Zeltdach“ und ein zweigeschossiges Verwaltungsgebäude, ein „massiver Giebelbau mit Steilsatteldach, Schleppgauben und Dachreiter mit Pyramidendach“.

Für den Straßenausbau müssen, so die Auskunft der Presseabteilung von Eckart, noch der am „Südbau“ anschließende Sozialtrakt, das Pförtnergebäude sowie die mehrere hundert Meter lange Einfriedung aus Sandsteinquadern abgebrochen werden. Der Zeitpunkt ist noch offen.

Problem Denkmalschutz

Eventueller Knackpunkt ist das den kleinen Industriekomplex ergänzende Pförtnerhaus, ein stattlicher eingeschossiger Giebelbau, ebenfalls mit Steilsatteldach und Schleppgauben, der noch in der Denkmalliste enthalten ist. Hier müssen noch klärende Gespräche geführt werden.

Insgesamt soll jedoch nach Auskunft des Staatlichen Bauamts Nürnberg in den Ensembleschutz nicht eingegriffen werden. Mit den restlichen Abbrucharbeiten eile es auch deshalb nicht, weil man 2017 mit dem Straßenausbau im Ortsbereich der Stadt Velden beginnen werde. Entlang der Nürnberger Straße würden ebenfalls noch Gebäude der Spitzhacke zum Opfer fallen.

Mit der ab kommendem Jahr geplanten Baumaßnahme kommt das Straßenbauamt der eingangs erwähnten, erst für 2019 seitens der DB Netz AG „eingeordneten“ Erneuerung der Eisenbahnüberführung bei km 46,665 „nicht in die Quere“. Auch diese Brücke steht sowohl als Einzelobjekt als auch als Teil des Gesamtensembles (Bahnlinie Nürnberg – Schirnding) unter Denkmalschutz und ist Bestandteil des DB-Maßnahmenpakets „Pegnitzbrücken“.

Das mit einer Stützweite von zwei mal 24 Metern die Pegnitz, das Werksgelände und die Staatsstraße überspannende, ursprünglich aus dem Jahre 1877 stammende Bauwerk wurde mehrmals umgebaut und durch Vollwandträger-Konstruktionen ersetzt. So erinnert etwa eine Relieftafel, am Mittelpfeiler angebracht, an den Wechsel eines solchen Trägers über die Staatsstraße im Jahre 1928.

N-Land Siegfried Fuchs
Siegfried Fuchs