DHT zeigt „Das Wirtshaus im Spessart“

Harmlose Räuber und ein törichter Held

Wirtshaus im Spessart Dehnberger Hof Theater
Ein Lied auf den Lippen, die Pistole griffbereit: Student Philip Schönweg (Fabian Schleicher, rechts) und Geselle Felix Perner (Ole Bosse, links) werden im Jahr 1816 plötzlich in eine Entführung verstrickt. | Foto: Kirchmayer2017/06/Wirtshaus-Spessart-DHT-Geselle-Student.jpg

DEHNBERG — Ein Geselle als Held und ein gutmütiger Räuberhauptmann – darum dreht sich „Das Wirtshaus im Spessart“. Die DHT-Eigenproduktion basiert auf einer fast 200 Jahre alten Novelle. Fragen menschlichen Verhaltens, betont Regisseur Marcus Everding, sind aber heute so aktuell wie eh und je.

Entführung zur Erpressung von Lösegeld ist kein Kavaliersdelikt. Das gilt für verschleppte Millionärsgattinen heute genauso wie es für gekidnappte Gräfinnen vor 200 Jahren galt. Durch puren Zufall geraten ein Geselle und ein Student in einem Wirtshaus im Spessart einer Räuberbande und deren eigentlich gar nicht so böswilligen Anführer in die Quere. Und um eine Gräfin vor der Entführung zu bewahren, tauscht der Geselle mit der Adeligen die Kleider und gibt sich als Edelfrau aus.

Mit der gleichnamigen Filmkomödie von 1958 mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle hat Marcus Everdings Theaterfassung vom „Wirtshaus im Spessart“ wenig zu tun. Es gebe zwar heitere Momente, so der Regisseur. Das Stück selbst – der Stoff basiert auf einer Novelle von Wilhelm Hauff aus dem Jahr 1826 – aber solle gar nicht heiter sein. „Das würde das Thema verraten. Es geht hier um einen Krimi, um die Entführung einer reichen Person.“ Tatort statt Komödienstadel. Everding verspricht „spannende Unterhaltung“.

Publikum soll mitdenken

Und wie immer hat er den Anspruch, das Publikum zum Nachdenken anzuregen. Wie würde ich mich an der Stelle des Gesellen entscheiden? „Was mache ich, wenn es darum geht, jemandem zu helfen?“, fragt der Regisseur und Autor der Bühnenfassung. Ist es heldenhaft, sich als Gräfin auszugeben und damit ihr Leben zu schützen? Oder eher töricht, sich vom Gutdünken ihres reichen Mannes abhängig zu machen? Denn wieso sollte ein Graf im frühen 19. Jahrhundert Lösegeld für einen ihm unbekannten Bürgerlichen bezahlen?

Auch Theaterleiter Ralf Weiß geht es um die Hintergründe des Stücks, das in einer von den Napoleonischen Kriegen geprägten Zeit spielt. Die soziale Verelendung habe damals viele Menschen in die Kriminalität geführt. So auch den Räuberhauptmann im Stück, einen ehemaligen Offizier, der eigentlich „ein ganz Lieber“ ist, wie es Weiß ausdrückt.

Everding schwärmt vom DHT

Er und Dramaturgin Brigitte Schürmann hatten sich für den Stoff entschieden und schlugen diesen Marcus Everding vor, der daraufhin die Bühnenfassung schrieb. Nach „Charleys Tante“, dem großen Erfolg des Vorjahres, ist der renommierte Münchener zum zweiten Mal im Laufer Ortsteil zu Gast. Und man merkt Everding mit jedem Satz an, wie wohl er sich im DHT fühlt. Er schwärmt von den Arbeitsbedingungen, der familiären Atmosphäre, den Schauspielern, der künstlerischen Freiheit. Er könne sich in Dehnberg mehr ausleben als anderswo. „Ich fühle mich als Regisseur und Autor wohl und ernst genommen. Ich kann hier gutes, gehobenes Theater machen.“ Und die gute Zusammenarbeit mit Theaterleiter Weiß und Dramaturgin Schürmann klappe hervorragend.

Die Proben lassen erahnen, dass der Hof des Theaters eine passende Bühne für das Drama bietet. Sollte es mit dem Wetter bei den Aufführungen doch nicht klappen, geht es für Ensemble und Zuschauer kurzerhand auf der überdachten Bühne weiter. So oder so, das Stück werde die Zuschauer beschäftigen, ist Regisseur Everding sicher: „Da geht man nicht gleichgültig raus.“

„Das Wirtshaus im Spessart“ feiert am Donnerstag, 22. Juni, um 20 Uhr Premiere, es folgen acht weitere Aufführungen. Karten gibt es im Service-Center der Pegnitz-Zeitung.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer