Neues Konzept für KZ-Gedenken vorgestellt

Gedenkstätte soll 2015 fertig sein

Sichtachse: So wie die Häftlinge auf ihrem schweren Fußweg zur Zwangsarbeit und zurück ins Lager einst unterwegs waren, so verläuft der Blick von der Plattform in Happurg in Richtung des ehemaligen Lagers in Hersbruck. Foto: U. Scharrer2014/02/5_2_1_2_20140207_LAGER.jpg

HERSBRUCK / HAPPURG (us) – Wie der Weg der in Hersbruck internierten Zwangsarbeiter zu ihrem Arbeitsplatz im Doggerstollen in Happurg verlief, so soll in Zukunft der Blick gehen, den Besucher der Gedenkstätte in Happurg in Richtung des zweitgrößten Außenlagers des KZ Flossenbürg in Hersbruck richten. Die Sichtachse zwischen Happurg und Hersbruck soll die beiden Orte des Gedenkens miteinander verbinden, deren Fertigstellung für Frühjahr 2015 geplant ist.

Lange war die Wartezeit auf eine Verwirklichung des Wunsches, der die Mitglieder des Vereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck umgetrieben hat. Nun konnten sie sich gemeinsam mit den vielen Menschen, die bei diesem Anliegen an einem Strang gezogen haben, darüber freuen, dass zwei Gedenkstätten, eine in Hersbruck und eine in Happurg, im kommenden Jahr tatsächlich entstehen werden. Ausgestattet mit modernster Technik und beseelt von einem stringenten Konzept, hat dieses Projekt auch schon außerhalb Deutschlands Beachtung gefunden, wie Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, betonte. Er brachte seinen guten Ruf in Sachen innovative Ausstellungskonzepte mit in das Vorhaben ein, sein Kollege Ulrich Fritz von der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten stellte die bereits weit gediehenen Pläne vor.

Vor den Plänen allerdings türmte sich wie so oft das Problem der Finanzierung auf. Mit einer eleganten Lösung umgingen die Bürgermeister von Hersbruck und Happurg, Robert Ilg und Helmut Brückner, das Aus, das die Ablehnung von Fördergeldern 2012 durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien bedeuten hätte können. Stattdessen konnte die Lokale Aktionsgemeinschaft „Gesundheitsregion Hersbrucker Land“ von der Wichtigkeit des Anliegens überzeugt werden. So wird jetzt die erforderliche Bausumme von 800.000 Euro für die „Neugestaltung der historischen Orte des Außenlager-Komplexes Hersbruck/Happurg“ aufgeteilt: 336.000 Euro kann die „LAG“ zusagen, vertreten durch den Vorsitzenden Gero Wieschollek und Leader-Manager Ekkehard Eisenhut, 464.000 Euro wird der Freistaat Bayern beisteuern.

Verwirklicht werden dabei zwei optisch aufeinander bezogene Gebäude, die Professor Ulrich Schwarz aus Berlin entworfen hat. In Hersbruck wird der Innenraum eines schwarzen Kubus begehbar sein. Innen wird es still, dem Lesen und Schauen vorbehalten. An die 80 Lebensgeschichten sind recherchiert worden, ein kleiner Teil nur der 9000 Inhaftierten, von denen fast die Hälfte den Aufenthalt nicht überlebt hat. Ein Teil allerdings, der in einzelnen Schicksalen von Menschen aus allen möglichen Gegenden, aller möglichen Altersklassen und Schichten das große Ganze fühlbarer machen wird, als ungreifbare Zahlen es könnten.

In Happurg wird nahe bei Kriegerdenkmal und Friedhof ein schlanker Baukörper auf eine Plattform gestellt werden. An der Stirnseite öffnet ein schmaler Sehschlitz den Blick Richtung Hersbruck und schafft eine starke gedankliche Verbindung zwischen den beiden Orten, die etwa fünf Kilometer Luftlinie trennen.

Hörbeispiele von Zeitzeugen, Alltagsgegenstände in einer Vitrine und ein Modell des Stollengeflechtes im „Denkmal Houbirg“ sollen die unmenschlichen Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter lebendig werden lassen. Die Nähe zum Kriegerdenkmal findet Ulrich Fritz symbolträchtig. Dort sind die Namen vieler Ortsansässiger dokumentiert, die in den Kriegen an anderen Orten ihr Leben lassen mussten. Durch die Zwangsarbeiter wiederum sind Menschen hier gestorben, die teils von weit her kamen.

Die Besucher der beiden Orte auf vielen Ebenen anzusprechen, ist das Anliegen aller Beteiligten, von denen das Engagement jedes Einzelnen einen Beitrag zum Gelingen dieser diffizilen Aufgabe leistet. Bürgermeister Ilg freute sich, dass die Versprechen von Politikern zuweilen auch eingelöst würden – MdL Karl Freller, der das Projekt immer unterstützt hatte, stand ihm dabei vor Augen.

Bürgermeister Helmut Brückner lobte die Initiative aller, die dieses Projekt vorangetrieben haben: Gemeinsam mit der Ko-Finanzierung entlaste sie die Gemeinden. Landrat Armin Kroder betonte die Bedeutung der Gedenkstätten für den ganzen Landkreis. In der Freude über den in Sichtnähe gerückten Baubeginn waren sich ehrenamtlich und beruflich Engagierte voll und ganz einig.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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