Initiative demokratischer Parteien

Bewegende Gedenkstunde am Mahnmal für die KZ-Opfer

Vertreter der demokratischen Parteien im Kreistag gedachten am Mahnmal in Schupf der Opfer des KZ-Außenlagers Hersbruck und des Doggerwerks, rechts der Posaunenchor Kainsbach-Schupf. | Foto: J. Ruppert2018/11/Schupf4.jpg

SCHUPF – „Gegen das Vergessen anzukämpfen ist heute wichtiger denn je!“ Robert Ilg hat bei der Gedenkstunde in Schupf für die Opfer des KZ-Außenlagers Hersbruck an das Dritte Reich erinnert. Als Parallele zu heute warnte das Hersbrucker Stadtoberhaupt vor Stimmungsmachern und Brandstiftern aus dem rechten Lager, die in der Flüchtlingsthematik diffuse Ängste und Fremdenfeindlichkeit schüren: „Folgen wir keiner Welle wie im Nationalsozialismus!“

Initiator und „Motor“ der Veranstaltung ist der frühere Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Dr. Helmut Ritzer. „Gegenwärtig läuft eine Entwicklung, die gegen das Erinnern zu Felde zieht“, sagte der SPD-Politiker und erwähnte in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Vogelschiss“ eines ranghohen AfD-Funktionärs für das schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte. Um so mehr freute sich Helmut Ritzer, dass Vertreter von demokratischen Parteien, Verbänden und Wirtschaft seiner Einladung nach Schupf wieder so zahlreich gefolgt waren.

Robert Ilg setzte die Reihe der Redner mit Vorgängern wie Hans-Jochen Vogel fort. Zunächst dankte der Rathauschef unter dem Applaus der Besucher, darunter Landrat Armin Kroder, Altbürgermeister Wolfgang Plattmeier, Altlandrat Helmut Reich, Polizeichef Hans Meixner, Dekan Dr. Werner Thiessen und anderen, demjenigen, der jedes Jahr die Organisation der Gedenkstunde in die Hand nimmt: Helmut Ritzer.

Denkweise aus NS-Zeit
„Die AfD erfährt im Moment einen unglaublichen Zuspruch, obwohl sie eindeutig fremdenfeindliche Parolen ausgibt und sich einer Denkweise annähert, die wir aus vergangenen Zeiten kennen“, sagte Robert Ilg vor dem Mahnmal in Form einer überdimensionalen Urne mit Asche von ehemaligen KZ-Häftlingen. Er kritisierte, dass viele Menschen in Deutschland den Populisten, die zu Ausländerhass und Rassismus aufrufen, hinterhereilen.

Der Bürgermeister verpackte das Problem in ein anschauliches Beispiel: „Ist es Ihnen auch schon einmal so gegangen? Sie gehen einkaufen, wollen eigentlich nur Brot und Milch und kommen mit sehr viel mehr zurück als sie vorhatten.“ In der NS-Zeit war es ähnlich gewesen. Zu vielen haben die strenge Disziplin und die erlebte Gefolgschaft gefallen. Die Bevölkerung beteiligte sich schließlich an den Unmenschlichkeiten oder schwieg tot, was nicht zu übersehen war, sagte Robert Ilg unter Hinweis auf die mehreren tausend Gestorbenen allein im KZ-Außenlager Hersbruck.

Der Referent schilderte einen aktuellen Fall wie ein Anfang aussehen kann: An einer Hersbrucker Gaststätte stand kurzzeitig „No Moslems“ (Keine Moslems). Unverständlich sei es mit der inneren Sicherheit: Obwohl die Kriminalität sinkt, steigt die Furcht vor Verbrechen und diese Angst versuchen Populisten in Wut gegen Andersgläubige und Flüchtlinge umzuformen.

„Wollen wir diesem Gedankengut wirklich folgen?“ fragte das Hersbrucker Stadtoberhaupt und zitierte einen Ausspruch des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog: „Man ist nicht nur verantwortlich für das, was man tut, sondern auch für das, was man geschehen lässt.“

Gehörschutz gegen Hetze
Robert Ilg warb dafür, den positiven Meldungen mehr Raum zu geben anstatt ständig über die schwarzen Schafe zu berichten. Für den nächsten Einkauf hatte der Hersbrucker Rathauschef einige Ratschläge: „Nehmen Sie eine riesige Tüte Vertrauen in unsere Demokratie mit. Leisten Sie sich einen Gehörschutz gegen Hetze in unserer Gesellschaft. Kaufen Sie eine Schachtel gesunden Menschenverstand. Und lassen Sie die Flasche Zukunftsangst im Regal stehen.“

Vertreter der demokratischen Parteien im Kreistag – CSU, SPD, Freie Wähler, Grüne, FDP, Bunte Liste – legten einen Kranz am Mahnmal nieder. Schon gute Tradition ist ein Beitrag der Kirchen zur Gedenkstunde. „Unser Leben steht unter dem Zeichen der Hoffnung auf Verständigung der Völker“, sagten die Pfarrer Roland Klein und Gottfried Kaeppel. Sie mahnten aber auch, wachsam zu sein, in einer Zeit, in der rhetorische Brandstifter unterwegs sind. Wie schon seit einem Vierteljahrhundert sorgte der Posaunenchor Kainsbach-Schupf für die passende musikalische Ausgestaltung.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert