Immer mehr unsichere Schwimmer

Gefahr beim Baden

Ehrenamtlich hilft die Laufer Wasserwacht an den Wochenenden im Laufer Freibad mit, um Badeunfälle zu vermeiden. Von den Seen ist im Landkreis nur der Happurger Baggersee an den Wochenenden besetzt. | Foto: F. Schmidt2018/08/Wasserwacht-Lauf-Freibad.jpg

NÜRNBERGER LAND — Die Meldungen von tragischen Badeunfällen reißen in diesem Sommer nicht ab. Vergangene Woche starb ein 28-Jähriger, nachdem er im Jägersee bei Feucht das Bewusstsein verloren hatte. Das Risiko, dass etwas passiert, steigt mit der Anzahl der Badegäste, heißt es von der Wasserwacht. Das Schulamt warnt, dass gerade Kinder heute schlechter schwimmen können als früher.

Immer mehr Menschen können nicht gut schwimmen. Eine Aussage, die in den bundesweiten Medien zu lesen ist, die aber auch heimische Experten bestätigen. Die Badeaufsichten seien heute mehr gefordert als noch vor ein paar Jahren, sagt Stefan Schenk, Betriebsleiter des Laufer Freibads. Er ist im Austausch mit Kollegen aus der ganzen Republik, und hört es aus allen Ecken: Man sieht heute durchschnittlich deutlich mehr schlechte Schwimmer im Wasser als früher.

Auf Bitte der Stadt unterstützt die Laufer Ortsgruppe der BRK-Wasserwacht an den Wochenenden das Team von Stefan Schenk im Laufer Freibad. Vier Mitglieder der Ortsgruppe sorgen samstags und sonntags zusätzlich zum Personal dafür, dass nichts passiert – je voller das Becken, desto größer ist das Risiko, so Andreas Gruber, Vorsitzender der Laufer Ortsgruppe.

Noch bis vor wenigen Jahren waren die Laufer und die Schwaiger Wasserwacht am Wochenende auch am Birkensee im Einsatz, wo sie eine Wachstation in einem Container hatten. Doch dieser wurde mit der Zeit marode. In Abstimmung unter anderem mit der Stadt Röthenbach, auf deren Gebiet der Birkensee liegt, sollte ein Ersatz beschafft werden. Doch dann kam das Badeverbot wegen des giftigen Stoffs PFOS (die PZ berichtete mehrfach) dazwischen, der im See gefunden wurde, so Gruber.

Keine Aufsicht am Birkensee

Mittlerweile gibt es zwar nur noch eine Badewarnung und der See ist trotz der Giftstoffe bei Badegästen gefragt. Doch eine Aufsicht gibt es nicht. Von Seiten der Stadt Röthenbach sei niemand auf die Wasserwacht zugekommen, so Gruber. „Ich habe kein Problem damit, dort wieder Wachdienste zu machen“, so der 42-Jährige. Es müsse allerdings für eine neue Wachstation gesorgt werden. Für den Sommer 2019 soll das Thema nun diskutiert werden, stellt Gruber in Aussicht.

Der einzige See im Landkreis, in dem man sich unter Aufsicht abkühlen kann, ist laut Arthur Schulz, dem Vorsitzenden der Kreiswasserwacht, der Happurger Baggersee. Dort passen am Wochenende bei schönem Wetter Ehrenamtliche der Hersbrucker Ortsgruppe auf. Doch auch an allen anderen Gewässern könne die Wasserwacht schnell eingreifen, versichert Schulz. Wenn bei einem Notfall im Wasser die 112 gewählt wird, alarmiert die Leitstelle in Nürnberg die Schnell-Einsatz-Gruppe der Kreiswasserwacht. Diese sei 24 Stunden lang binnen wenigen Minuten bereit.

In der vergangenen Woche wurde sie zweimal alarmiert, beide Male mit tragischem Ausgang. Zum Unglück im Jägersee und zum Trebgaster Badesee bei Bayreuth. Dort ertrank eine 22-jährige Studentin aus Indonesien.

Stefan Schenk vom Laufer Freibad hat festgestellt, dass es oft Migranten sind, die sich im Wasser unsicher bewegen – er vermutet, dass sie in ihren Herkunftsländern nicht Schwimmen gelernt haben. Doch schlechte Schwimmer gebe es laut Schenk und auch Gruber von der Wasserwacht immer häufiger auch unter deutschen Kindern.

Zu wenig Schwimmunterricht?

Woran das liegt? Joachim Schnabel, fachlicher Leiter des Staatlichen Schulamts in Feucht, beklagt, dass weniger Schwimmunterricht angeboten wird als nötig. „Wir haben ein echtes Problem im Landkreis, weil immer mehr Bäder schließen“, so Schnabel.

Im Lehrplan stehe, dass jeder Schüler nach der Grundschule schwimmen könne. Doch viele Schüler hätten zu wenig oder gar keinen Schwimmunterricht – für den Schulamtsleiter „ein Skandal“. 70 Stunden Schwimmen stehen in vier Jahren Grundschule auf dem Lehrplan – das entspricht binnen zwei Schuljahren einer Stunde pro Woche, was natürlich nur klappt, wenn ein eigenes Schwimmbecken vorhanden ist. Bei einer Doppelstunde alle 14 Tage vergeht viel Zeit mit der Busfahrt, wendet Schnabel ein. Er hält deshalb für viele Schulen das Doppelte der Stunden für nötig. Schließlich müssten die Kinder nach der Grundschule fit genug sein, um auch in einer Gefahrensituation aus dem Wasser zu kommen.

Das Problem seien fehlende Schwimmbäder. Aktuell etwa sind im Landkreis die Hallenbäder in Röthenbach und Altdorf sowie seit kurzem auch in Schwaig nicht in Betrieb. Die Folge: Schulklassen müssen für den Schwimmunterricht längere Wege, etwa nach Lauf, in Kauf nehmen – oder der Schwimmunterricht entfällt komplett, wie aktuell an der Waldschule in Rückersdorf.

Auf dem Land geht es freilich nicht anders, als sich in den Bus zu setzen um zum nächsten Hallenbad zu fahren. Die Grundschüler in Bühl etwa besuchen das 13 Kilometer entfernte Hallenbad in Gräfenberg. Gut versorgt sind die Grundschulen in Lauf, wo es sowohl an der Bertlein- als auch an der Kunigundenschule ein Lehrschwimmbecken gibt. Dort lernen laut Schnabel auch Schüler aus Heuchling, Neunkirchen und Ottensoos schwimmen.

Schnabel sieht die Politik in der Pflicht. Der Freistaat müsse dafür sorgen, dass genügend Schwimmbäder zur Verfügung stehen. „Es darf in einem Industriestaat wie Deutschland nicht passieren, dass Kinder nicht ausreichend Schwimmunterricht bekommen“, betont er.

Eltern zeigen zu wenig Initiative

Der Schulamtsleiter spricht aber auch ein weiteres Problem an. „Früher war es üblich, dass Eltern von sich aus versucht haben, ihren Kinder schon in den ersten Klassen das Schwimmen beizubringen“ – heute fehle den Erwachsenen die Zeit oder die Lust. Die fehlende Initiative seitens der Eltern beklagt auch Gruber von der Wasserwacht.

Er rät, beim Baden egal in welchem Gewässer, rücksichtsvoll zu sein und beispielsweise nur ins Wasser zu springen, wenn man dort ganz sicher niemanden gefährdet. Auch sei es sinnvoll, den ganzen Körper vor dem Baden abzufrischen, um ihn an die Wassertemperatur zu gewöhnen. Wer spontan ins Wasser springt, kann damit seinen Kreislauf überfordern. „Das kann zur Bewusstlosigkeit führen“, warnt Gruber.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer