Schatztruhe der Musik

„Geburtstagsmatinee“ in der Heilig-Kreuz-Kirche in Röthenbach

Konrad Kleck musizierte in Röthenbach gemeinsam mit Andreas Berge aus Bad Mergentheim an der Violine und der Stuttgarter Sopranistin Lydia Zborschil. | Foto: Miehling2018/06/orgelmatinee-rothenbach.jpg

RÖTHENBACH — Zu einer „Geburtstagsmatinée“ hatte Röthenbachs evangelische Gemeinde in die Heilig-Kreuz-Kirche eingeladen. Dort öffnete sich für die Zuhörer auf der Empore die Schatz­truhe romantischer Kirchenmusik.

Der Erlanger Universitätsmusikdirektor Konrad Klek hatte für den 175. Geburtstag des Komponisten Heinrich von Herzogenberg gezielt die Röthenbacher Heilig-Kreuz-Kirche gewählt. Mit ihrer Strebel-Orgel enthält diese ein 1913 gebautes Instrument, das sich mit seinen 32 Registern als wahrhafte „Königin der romantischen Kirchenmusik“ bezeichnen darf. Wie wohl kaum ein anderes Instrument in der Metropolregion vermag die Röthenbacher Strebel-Orgel die Vielfalt ihrer Register und ihre Kombinationsmöglichkeiten in den Dienst der Musik zu stellen.

Im Laufe des Konzerts entlockte Klenk dem Instrument seinen weichen Klang in ineinanderfließenden Harmonien, stellte über untermalende Akkorde die führende Melodie eines Cantus Firmus, um am Ende in einen vierstimmigen Choral einzumünden, der sich in den Gedanken der Zuhörer fortsetzte.

Klek gilt als Kenner des 1900 in Berlin gestorbenen Komponisten der Romantik und hatte feinfühlig ein vielstimmiges, aufeinander abgestimmtes Konzertprogramm zusammengestellt. Solistisch, im Duett und als Trio musizierte er zusammen mit der Sopranistin Lydia Zborschil aus Stuttgart und Andreas Berge aus Bad Mergentheim an der Violine.

Mörike und Goethe im Zentrum

Im Mittelpunkt des breit angelegten Konzertprogramms standen mit Eduard Mörikes Gebet „Herr, schicke, was du willst, ein Liebes oder Leides“ und Goethes „Wanderers Nachtlied“ („Der du von dem Himmel bist“) zwei Texte, die als Perlen der klassischen Dichtkunst bekannt sind. In den feinfühlig auskomponierten Triostücken entfaltet sich der eigentümliche Klang romantischer Musik. Einfühlsam bringt die Gesangsstimme den Text zu Gehör, die Violine unterstreicht die dargestellte Situation und die Orgel stellt mit hellen und dunklen Harmonien das Gedicht in seinen Gesamtzusammenhang.

Bereits mit dem Auftakt zeigten die Künstler, dass es ihnen nicht nur um einen Abfolge verschiedener Stücke geht. In die dreisätzige Orgel-Phantasie über die Melodie des bekannten Chorals „Nun danket alle Gott“ hatte Konrad Kleck passend zwei Ariosi aus dem Oratorium Erntefeier eingefügt. Hier zeigte sich, wie aufeinander abgestimmt Kleck und Zborschil musizieren, wenn die Sopranistin die Melodielinie des Orgelsatzes aufnimmt, aus dem Piano kommend mit bestimmten Crescendo fortführt, um abschließend die Aussage des Psalmverses „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich“ zu manifestieren. Auch Berge versteht es in Rheinbergers Elegie eindringlich wie einfühlsam die Solovioline im Zusammenspiel mit den Harmonien des Orgelspiels erklingen zu lassen. Im gemeinsamen Musizieren zu zweit, wie zu dritt, verstehen es Kleck, Zborschil und Berge das wohl für die Romantik Klangbild aufzubauen und zum Erklingen zu bringen.

In den Reigen des Konzertprogramms fügten sich mit Johann Georg Herzog und Elias Oechsler zwei in Erlangen tätige Kirchenmusiker mit zwei Psalm- und Liedvertonungen ein. Letzterer war ein Vorgänger Klecks und als Orgelsachverständiger beim Bau der Strebel-Orgel gefragt. Diese brachte Kleck im Zusammenspiel mit Zborschil und Berge in einer Vertonung des Eichendorffschen Gedichts von der Flucht der Heiligen Familie nochmals spürbar zum Erklingen. Herzogenberg hatte die Szenen auskomponiert. Man fühlte gleichsam die Flügel der Engel, das Wiegenlied und die Segensgeste des Kindes. „O gebenedeite Zeit“. Still und geheimnisvoll verklingt die Musik und mündet ein in den begeisterten Applaus des Publikums.

N-Land Hans Peter Miehling
Hans Peter Miehling