BFV-Bezirkstag 2018

Fußballbezirk Mittelfranken stellt sich neu auf

Der neu gewählte Bezirksausschuss, der den BFV Mittelfranken in den kommenden vier Jahren führen wird, mit BFV-Präsident Rainer Koch (li.) und den Chefs der drei mittelfränkischen Spielkreise; darunter Max Habermann (4. v. li.).2018/03/BFV-Bezirkstag-net.jpg

ERLANGEN/PEGNITZGRUND (pb/bfv/ok) — Der Fußball-Bezirk Mittelfranken hat sich am Samstag beim Bezirkstag mit 195 Delegierten in Herzogenaurach für die kommenden vier Jahre neu aufgestellt. Dabei ging es um alte und neue BFV-Bezirks-Funktionäre, ein Fazit der vergangenen Amtsperiode sowie Neuausrichtung und Meinungsaustausch zu möglichen Reformen des Spielbetriebs.
Als Bezirks-Vorsitzender wurde Dieter Habermann einstimmig von den Delegierten gewählt. Habermann hatte das Amt im Januar 2016 nach dem plötzlichen Tod von Peter Bursy interimsweise übernommen. Neue Bezirks-Spielleiterin ist Sandra Hofmann. Zwar erfolgte die „Wachablösung“ auf der Position des Spielleiters, doch der bisherige Amts­inhaber Ludwig Beer, der auf über 40 Jahre Funktionärstätigkeit für den Fußballsport blicken kann, will die laufende Saison noch gemeinsam mit seiner Nachfolgerin zu Ende bringen. „Bis zum 30. Juni werde ich die Ligen noch betreuen“, kündigte er an.
Kornelia Bayer übernimmt den Vorsitz des Bezirks-Frauen- und Mädchenausschusses. Erneut gewählt wurde Thomas Zankl als Bezirks-Jugendleiter, Felix Böck beerbt Michael Meier als U30-Mitglied im Bezirksausschuss. Von den Delegierten ist zudem der bereits gewählte Bezirks-Schiedsrichterobmann Siegmar Seiferlein bestätigt worden.
Thomas Zöllner als Bezirks-Sportgerichtsvorsitzender, Stefan Merkel als Bezirks-Ehrenamtsreferent, Thomas Jäger als Bezirks-Seniorenspielleiter sowie Uwe Mauckner als Bezirks-Onlinebeauftragter sollen vom BFV-Präsidium berufen werden und den Bezirksausschuss komplettieren.
Mögliche Reformen im Fokus
Beim Bezirkstag waren die Teilnehmer wie schon in den Jahren 2010 und 2014 aufgerufen, ihre Meinung zu möglichen Reformen im Spielbetrieb zu äußern. Zur Diskussion standen zum einen „Spielrecht von A-Junioren in Herren-Mannschaften“, zum anderen „Einführung einer Sperre von einem Meisterschaftsspiel nach einer Gelb-Roten Karte auf Bezirks­ebene“.
Für die Möglichkeit, künftig wieder A-Junioren mit Vollendung des 18. Lebensjahres in Herren-Mannschaften einsetzen zu dürfen, sprachen sich 70 Prozent aus, dagegen 30 Prozent. Für die Einführung einer Sperre von einem Meisterschaftsspiel nach einer Gelb-Roten Karte auf Bezirksebene sprachen sich 47 Prozent aus, dagegen 53 Prozent.
Schutz für Amateursport
In Herzogenaurach war zudem die Meinung der Delegierten zu einem Initiativantrag des BFV-Präsidiums zu „Montagsspiele in der Bundesliga“ gefragt. Aus Sicht dieses Gremiums darf es zu keinen weiteren Bundesliga-Ansetzungen am Sonntagnachmittag kommen. Der Antrag berücksichtigt die Interessen der Europa-League-Teams, die nach Spielen am Donnerstagabend nicht gleich wieder am Samstag antreten können. Deren Spiele sollen nach Auffassung der BFV-Spitze entweder am Sonntagabend oder am Montagabend, aber mit Blick auf die Millionen Amateurfußballfans nicht auch noch am Sonntagnachmittag ausgetragen werden. Diesen Antrag unterstützen 76 Prozent der 195 Delegierten, die in Herzogenaurach die Weichen für die Zukunft im Bezirk gestellt haben. BFV-Präsident und 1. DFB-Vizepräsident Rainer Koch ging in seiner Rede besonders auf die nötige Modernisierung und Digitalisierung des Amateurfußballs in Bayern ein. Am Beispiel des „FC Digital“ zeigte er die Möglichkeiten und Potenziale der technischen Entwicklungen für die Vereine und den Verband auf.
In welcher Liga der FC Digital wohl spielt? Für Rainer Koch ist das uninteressant. Viel wichtiger ist ihm die Außendarstellung dieses fiktiven Vereins. Denn der FC Digital nutzt die BFV-App, tickert live von all seinen Spielen, aktualisiert regelmäßig seine Homepage und nutzt die Kreativität der sozialen Medien. Kurzum: Der FC Digital ist digital ziemlich gut unterwegs. Ein Vorbild, an dem sich alle Amateurvereine orientieren sollen. „Euer Online-Auftritt ist eure Visitenkarte“, erklärte Koch.
Perspektivwechsel nötig
„Jugendliche benutzen neue Medien etwa vier Stunden am Tag“, sagte der BFV-Präsident. „Dort müssen wir sie dann auch abholen.“ Das ist der Perspektivwechsel, der stattfindet: Wenn junge Menschen nicht mehr zu den Vereinen kommen, dann müssen die Vereine eben zu ihnen. Und so zeichnete Koch sein Bild einer digitalen Zukunft des Amateurfußballs. Mit Live-Übertragungen im Internet. Mit Apps für Trainer und Schiedsrichter. Und mit einem neu entfachten Vereinsleben.
Lob für die Fußballklubs kam vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, der Gast beim mittelfränkischen Bezirkstag in Herzogenaurach war. „Nirgendwo sonst werden Integration und Inklusion so selbstverständlich gelebt wie beim Fußball“, sagte Herrmann.
Generell war Kritik beim Bezirkstag kaum zu hören. Und das, obwohl sich die Vereine demnächst noch stärker an der Finanzierung der anstehenden Aufgaben beteiligen müssen. Das mag daran liegen, dass der Verband die Vereine diesmal aktiver miteinbezogen hat. So oder so – dass die Basis die Wege des Verbandes derzeit ohne Reibungen mitgeht, öffnet für den BFV ein Zeitfenster. Die großen Fragen werden jetzt gestellt – und die Suche nach Antworten kann beginnen.

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