Kabarett in Röthenbach

Furios: Erwin Pelzig mit Hut und Herrenhandtäschchen

Rund 700 Besucher erlebten in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle einen fulminanten Kabarettabend mit Erwin Pelzig. | Foto: Brinek2017/11/erwin-pelzig-barwasser-rothenbach-karl-diehl-halle-bri0001.jpg

RÖTHENBACH — Rund 700 Besucher sahen in dieser Woche in Röthenbach das neue Programm von Frank-Markus Barwasser alias „Erwin Pelzig“. Die Karl-Diehl-Halle war seit Wochen restlos ausverkauft und die Gäste erlebten den erwarteten fulminanten Abend.

In seinem achten Kabarett-Solo-Programm unter dem Titel „Weg von hier“ beschäftigt sich Pelzig mit allen denkbaren Fluchtbewegungen. Wie etwa der Flucht vor der Realität in eine virtuelle Welt oder dem Bedürfnis abzuhauen vor einer Welt, in der Despoten regieren. Über zwei Stunden lang feuerte Pelzig seine Pointen ab, es war ein Rundumschlag der den Besuchern kaum Zeit zum Luftholen ließ.

Pelzig mit Hut und Handtasche war auch in Röthenbach ein Erlebnis. | Foto: Brinek2017/11/erwin-pelzig-barwasser-rothenbach-karl-diehl-halle-bri0002.jpg

Pelzig steht seit über 20 Jahren auf Deutschlands Kabarettbühnen, hatte etliche Fernsehauftritte und ist ein Routinier in seinem Genre. Die Bühne war wie immer bei seinen Auftritten sehr zurückhaltend dekoriert mit zwei Stühlen, einem Tisch und je einem Glas mit Wasser, Weißbier und Wein. Mit Cordhütchen, kariertem Hemd und Herrenhandtasche ausgestattet gewann er die Herzen des Publikums schnell mit den Worten: „Röthenbach ist einfach schön und ich wollte schon immer mal nach Röthenbach.“

Pelzigs drei Stühle

Immer wenn es bei Pelzigs tiefschürfenden Überlegungen um wichtige Entscheidungen ging, brachte er seine drei Stühle ins Spiel: den Träumerstuhl, den Kritikerstuhl und den Realistenstuhl. Am Beispiel von Röthenbach erklärte er deren Auslegungen: Der Träumer sagt: „Röthenbach ist schön“, der Kritiker sagt: „So schön ist es a wieder net“ und der Realist sagt: „Na du musst ja ned über Nacht bleiben.“

Richtig in Fahrt kam der Kabarettist aus Unterfranken, als er die Steuerpraktiken der Großkonzerne und Banken aufs Korn nahm und auf die momentane Situation in der Welt einging: „Eine Abrissbirne regiert in den USA und die Merkel wird sicher nicht wie Schröder danach in die Wirtschaft gehen, denn mit über 90 Jahren nimmt die keiner mehr.“ Auch die „Geschlechterproblematik“ sprach er an und sinnierte: „Es ist doch bedenklich, wenn man vom Zapfhahn spricht und die Zapfhenne dabei vergisst.“

Bereits zur Pause gab es riesigen Applaus und die Besucher waren sich einig, „der Pelzig ist ein Phänomen“. Er schoss bei seinem Auftritt zwar ein Feuerwerk an Pointen ab, sorgte damit aber nicht nur für entspannendes Gelächter. Manchmal blieb den Besuchern ob der ernsten Thematik das Lachen auch im Halse stecken.

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek