Historischer Latrinenschacht entdeckt

Fund im Laufer Untergrund

Während der Arbeiten für die Tiefgarage des neuen Bürogebäudes, das die Sparkasse derzeit in der Saarstraße 11 in Lauf baut, stieß man auf diesen aufgefüllten Latrinenschacht aus dem 17. Jahrhundert. | Foto: Sparkasse Nürnberg2017/08/historische-latrine-sparkasse-aushub-saarstrasse.jpg

LAUF — Überreste einer Latrine aus dem 17. Jahrhundert sind bei Grabungsarbeiten für das neue Bürogebäude der Sparkasse in der Saarstraße 11 in Lauf entdeckt worden.

Die Arbeiten für das neue Gebäude, das direkt neben der Sparkassen-Geschäftsstelle entsteht (wir berichteten), liefen seit einigen Wochen, als Arbeiter beim Erdaushub für die Tiefgarage auf einen Schacht stießen. Zunächst sei unklar gewesen, um was es sich dabei handelt, erzählt Simone Glaß von „exterra Archäologie“. Die Nürnberger Firma begleitet die Arbeiten an der Baustelle unter der Fachaufsicht des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege – eine Auflage für das Bauprojekt, da das Grundstück im Bereich eines eingetragenen Bodendenkmals liegt.

Während die Arbeiten für die Tiefgarage weiterliefen, kümmerten sich die Archäologen parallel dazu um die Freilegung und Dokumentation des historischen Funds, der sich bald als Latrinenschacht entpuppte. Der fast quadratische, holzverkleidete Schacht hat einen Durchmesser von ein mal einem Meter und ist etwas 1,60 Meter tief. Er setzt sich aus Kanthölzern und darin eingefassten, horizontal liegenden Brettern zusammen, die dank des lehmig-feuchten Bodens vollständig erhalten blieben.

Der Schacht war offenbar im 17. Jahrhundert aufgefüllt worden. Im Inneren fanden sich typische neuzeitliche Alltagsgegenstände – vor allem Keramikscherben und die Reste eines Kachelofens, der in der Latrine entsorgt wurde.

Neben einem Seil aus Naturfasern (oben) wurden Reste eines Kachel­ofens gefunden. | Foto: exterra2017/08/sparkassenbaustelle-latrine-fund-seil-kachelofenreste.jpg

Doch auch Küchenabfälle blieben in dem feuchten Milieu erhalten: Neben Knochen, Samen und Kernen (Pflaumen- und Kirschkerne) wurden Eierschalen geborgen. „Sie gewähren uns Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten der ehemaligen Bewohner“, betont die Archäologin. Auch der Rest eines Seils aus Naturfasern hat sich unter den Funden erhalten.

Ehemaliges Hofgrundstück

„Das Grundstück war in der Renaissance und im Barock Bestandteil ausgeprägter landwirtschaftlicher Nutzflächen, die sich direkt nördlich außerhalb der von der Stadtmauer umgebenen historischen Altstadt Laufs anschlossen“, erklärt Glaß. Im Gegensatz zur dichten Bebauung der Altstadt bestanden die Laufer Vororte aus großen, eher locker bebauten Grundstücken. In der Regel hatten die Höfe ein zur Straße hin orientiertes Hauptgebäude sowie Ställe oder Scheunen als Nebengebäude, an die sich ausgedehnte Gärten und Felder anschlossen.

Ein Blick in das Urkataster der Stadt Lauf aus dem Jahr 1821 zeigt im Bereich des Grundstücks Saarstraße 11 ein traufseitig zur Straße hin orientiertes Gebäude, an das sich nach Norden hin Felder anschlossen. Die Latrine befand sich wahrscheinlich im hinteren Bereich des Grundstücks. „Vom Gebäude selbst wurden leider keine archäologischen Spuren mehr gefunden“, sagt Glaß.

Dieser Auszug aus dem Urkataster von 1821 zeigt die ehemalige Bebauung des Grundstücks in der Saarstraße 11 (roter Kasten). Unten der Laufer Marktplatz mit dem Alten Rathaus. | Foto: Bayerische Vermessungsverwaltung2017/08/sparkassenbaustelle-saarstr-latrinenfund-urkataster-ausschnitt.jpg

Der Latrinenschacht wurde bereits komplett archäologisch dokumentiert. Der Befund wurde fotografisch und zeichnerisch festgehalten, die weiteren Funde geborgen. Sie werden nun wissenschaftlich ausgewertet, um das genaue Alter des Schachts bestimmen zu können und mehr über die Gewohnheiten der Zeit zu erfahren.

An Ort und Stelle kann der historische Schacht allerdings nicht erhalten bleiben. Er muss dem neuen Bürogebäude weichen. Dafür wird er schichtweise abgetragen und zusammen mit den anderen Funden an das Landesamt für Denkmalpflege übergeben, wo alles aufbewahrt wird.

Die Bauarbeiten für das Sparkassengebäude verzögern sich dadurch nicht. Die Grundsteinlegung ist für den 13. September geplant.

N-Land Tina Braun
Tina Braun