Laufer Literaturtage: Zsuzsa Bánk

Frauenfreundschaft in berührenden Briefen

Nach ihrer Lesung signiert Zsuzsa Bánk in der Bertleinaula Bücher für ihre Leser. | Foto: Krieger2017/11/Zsuzsa-Bank-2.jpg

LAUF — Klassischer Auftakt für die Abendlesungen der 22. Laufer Literaturtage: Mit Zsuzsa Bánk startete das Festival in eine bewegte Woche. Die Autorin mit ungarischen Wurzeln bescherte den Zuhörern in der voll besetzten Bertleinaula einen berührenden literarischen Abend.

Was gibt es Schöneres als eine Freundschaft, die Jahrzehnte hält? Jemanden zu haben, dem man auch Ängste und Sehnsüchte anvertrauen kann und weiß, sie sind dort gut aufgehoben? Die Protagonistinnen Marta und Johanna in Zsuzsa Bánks aktuellem Roman „Schlafen werden wir später“, der 2017 im Fischer-Verlag erschienen ist, pflegen so eine innerliche Freundschaft. Die Mitvierzigerinnen leben grundsätzlich verschiedene, nicht unbedingt glückliche Leben: die eine in Frankfurt mit Mann und drei kleinen Kindern, die andere im Schwarzwald, erkrankt, verlassen und kinderlos. Die Liebe zur Literatur verbindet sie. Und die Erinnerung an die gemeinsame Kindheit.

Wenn der Tag vorüber ist, und er Marta wieder einmal keine freie Minute ließ, wenn eine schwere Nacht, in der sie aus Angst vor dem Tod aus dem Bett flüchtete, für Johanna den neuen Tag schon belastet beginnen lässt, dann schreiben sie sich. Gedanken, Alltagsbegebenheiten, Hoffnungen – Marta und Johanna nähern sich mit dem Schreiben auch sich selbst.

E-Mail als Kommunikationsmittel

Der klassische Brief, für Generationen von Menschen die Basis engen Austausches, ist den beiden Frauen im 21. Jahrhundert die Email. In exakten Zeitangaben kann der Leser in dem 700 Seiten starken Roman ihre Seelenlage mitverfolgen.

Schreiben ist ein oft mühseliger Prozess, Bánk, die mit „Der Schwimmer“ und „Die hellen Tage“ bereits zwei wunderbare Romane veröffentlicht hat, ist da keine Ausnahme. Der Briefroman sei zwar ein langgehegter Wunsch gewesen, erzählt die 52-jährige Autorin in Lauf, doch er beschäftigte sie mehr als geplant.

Wer was wann erzählt, erforderte genaues Mitrechnen und regelmäßige Bilanz. Bis hin zu so profanen Fragen, welcher Vogel zu welcher Jahreszeit singt und ob die jeweiligen Schulferienzeiten in Frankfurt und im Schwarzwald auch so übereinstimmten. Notwendige akribische Kleinarbeit, weil sich die Roman-Korrespondenz von Marta und Johanna über einen Zeitraum von rund dreieinhalb Jahren erstreckt. So lange schrieb auch Zsuzsa Bánk.

Zwei Sprachstile

Auch eine unterschiedliche Sprache mit unterschiedlichem Tonfall für die beiden Frauen zu finden, sei nicht leicht gewesen, sagt Bánk. Während Marta episch schreibt, ist Johanna eher wortkarg. Die Sprache spiegelt ihr Empfinden der Welt. Was beide vereint: Sie wollen sich selbst nicht verlieren, kämpfen um ihren Platz.

Ein Frauenroman, zweifellos, zeitlos, wie die Namen der Hauptfiguren, und mit einem sehr genauen Blick komponiert. Und eine Autorin, die kein Bedürfnis zeigt, sich vor oder über ihre Hauptfiguren zu stellen, sondern ihre Protagonistinnen schnörkellos und zurückgenommen für sich selbst sprechen lässt.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger