Bürgerinitiative Fischbach gegen A9-Ausbau

Viel Lärm um viel Lärm

Auszug aus den Unterlagen der Autobahndirektion Nordbayern mit Ergänzungen der Bürgerinitiative. Schwarze Linie: Der von der Behörde geplante Lärmschutz. Rote Linie: Notwendiger Lärmschutz aus Sicht der BI. | Foto: Hornung2017/05/Fischbach-A9-Lageplan-mit-Ergaenzungen-BI.jpg

FISCHBACH – Nur wenige Bürgerinnen und Bürger wussten überhaupt Bescheid, noch dürftiger waren detaillierte Kenntnisse der Ausbaupläne für das Kreuz Nürnberg-Ost und die Anschlussstelle Fischbach, als die Bürgerinitiative (BI) Fischbach sich Mitte Januar zu ihrem ersten Treffen im Sportheim zusammenfand. Seitdem hat sich vieles getan: Den Stand des Verfahrens und ihre Forderungen in Sachen Lärmschutz präsentierte die BI jetzt im Hotel Silberhorn.

Innerhalb kürzester Zeit mussten sich die BI-Mitglieder zu Beginn des Jahres einen Überblick verschaffen über das, was mit dem Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost und der Anschlusstelle Fischbach zur zweistreifigen Ausfahrt quasi direkt vor ihren Haustüren stattfinden sollte: Ein gigantisches Bauvorhaben ohne eine signifikante Verbesserung des Lärmschutzes. Schnell war den Fischbachern klar, dass sie dies so nicht hinnehmen konnten. Innerhalb weniger Tage sammelten sie 280 Unterschriften gegen das Projekt, die sie am 8. Februar zusammen mit einem Einspruch an die Regierung von Mittelfranken sandten – und konnten einen ersten Erfolg feiern: Die Einwendungen wurden auch nach Ablauf der Frist am 4. November 2016 noch akzeptiert.

Die im Anschreiben formulierte Kritik der BI lieferte auch für die Diskussion im Hotel Silberhorn einigen Zündstoff: Von Jahr zu Jahr bemerken die Fischbacher einen steigenden Lärmpegel, dessen gesundheitliche Folgen unbestritten sind. Die Lärmkarten des Umweltamtes der Stadt Nürnberg aus dem Jahr 2010 zeigen, dass bereits damals die bestehenden Lärmschutzmaßnahmen – ein etwa zwei Meter hoher Wall – nicht ausreichten, um gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden. Wie aber konnte es dann zu den Plänen für einen Ausbau ohne Verbesserung des Lärmschutzes kommen?, fragten sich die Mitglieder der BI und verglichen Lärmkarten und die Unterlagen im Planfeststellungsverfahren. Zu ihrer Überraschung stellten sie fest: Die berechneten Werte für das Verfahren liegen sogar noch deutlich unter denen der Lärmkarten der Stadt. „Wir fordern eine erneute Untersuchung des Verkehrslärms und eine neue Berechnung der Lärmwerte“, erklärte Wolfgang Duffner von der BI, der im Hotel Silberhorn den derzeitigen Sachstand präsentierte.

Wie in Moorenbrunn

Eine weitere Forderung: Dass die neue Spur an der A9-Ausfahrt Fischbach als durchgehende Fahrbahn anerkannt wird. Denn dies würde einen erhöhten Lärmschutz, wie etwa in Moorenbrunn, zwingend notwendig machen. Einen erhöhten Lärmschutz mit sechs bis acht Metern Höhe fordern die Fischbacher nicht nur in Länge des bestehenden Walls, sondern entlang der A9 in Länge des gesamten Ortes. Nur so sehen sie eine Vorschrift des Bundesrats vom März diesen Jahres erfüllt, welche einen Grenzwert von 45 dB Lärm in den Nachtstunden festlegt. Bei einer ersten Besprechung der Bürgerinitiative mit der Autobahndirektion Nordbayern (ABDNB) deutete die Behörde an, auf freiwilliger Basis den Lärmschutz auf etwa 6 Meter zu erhöhen – vorausgesetzt die BI stimme dem Projekt zu. Während des Erörterungstermins am 3. April wiederholte Helmut Arndt, Stellvertretender Leiter der ABDNB, dieses Angebot nicht. Am Dienstag, 16. Mai, erhielt die BI jedoch ein Schreiben, in dem die Autobahndirektion jenen erhöhten Lärmschutz in Aussicht stellte – allerdings nicht entlang des ganzen Ortes, sondern nur auf dem Stück, auf dem neu gebaut wird.

Neben der Lärmproblematik sind weitere Dinge bislang ungeklärt. So soll das Wasser eines neuen Regenrückhaltebeckens an der A9 bei Fischbach über den Hartgraben abgeleitet werden. „Der Hartgraben ist an vielen Stellen längst nicht mehr vorhanden“, sagt Duffner. „Wo soll das Wasser hin?

Besonders hart trifft der Ausbau die Besitzer eines Grundstücks direkt an der A9: 120 Quadratmeter ihres Grundes und ein Privatweg sollen ihnen durch Enteignung genommen werden. Der Traum vom Gartenteich hinter dem Haus droht zu platzen und bis heute wissen sie nicht, in welcher Form sie entschädigt werden. Die Familie hat einen Anwalt eingeschaltet.

Bis die Regierung von Mittelfranken eine Entscheidung getroffen hat, will die BI Fischbach weiter für ihre Forderungen kämpfen. „Wir wollen jetzt vor allem noch mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben“, sagt BI-Mitglied Ralf Dauphin. „Dass wir den Ausbau nicht verhindern können, ist uns klar. Aber wir wollen das Optimum in Sachen Lärmschutz für Fischbach.

Politische Unterstützung

Die Autobahndirektion versteckt sich hinter Regelungen“, sagt Duffner. „Das kriegen wir nur politisch hin.“ Die BI bemüht sich deswegen um Termine bei Stadträten und Abgeordneten auf Landes- und Bundesebene. Der nächste Schritt soll eine Ortsbegehung mit PolitikerInnen sein. Politische Unterstützung erhielt die BI bereits vom Abgeordneten des Bundestages Martin Burkert, SPD, der innerhalb kurzer Zeit eine Stellungnahme der Autobahndirektion erwirkte und von Hermann Imhof, Mitglied des Landtages, CSU. Gerlinde Mathes von der CSU-Ortsfraktion engagiert sich vor Ort. An der Diskussion im Hotel Silberhorn beteiligte sich die Nürnberger Stadträtin Marion Padua, Linke Liste, die versprach, sich im Stadtrat für die Anliegen der BI einzusetzen.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung