Fischbachs Trainer Bergmüller im Interview

„Malochen, malochen, malochen“

Ein Mann, ein Wort! Manuel Bergmüller glaubt fest an den Klassenerhalt seiner Karpfen. Er sagt sogar: „Ich werde es nicht zulassen, dass wir absteigen.“ | Foto: kk2018/03/DSC_4999.jpg

FISCHBACH – Ortstermin beim TSV Fischbach. In den Katakomben des Vereinsheims trifft sich Manuel Bergmüller mit dem Boten zu einem launigen Kabinengespräch. Der neue/alte TSV-Trainer hat viel zu erzählen. Schließlich war die Winterpause bei den Karpfen heuer deutlich turbulenter als sonst: Nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz (14.) wurde Spielertrainer Jan Kuderna durch seinen Vorgänger abgelöst. Kuderna verabschiedete sich daraufhin quasi über Nacht zum FC Wendelstein, während Feuerwehrmann Bergmüller nun versuchen muss, den TSV in der Kreisliga zu halten.

Herr Bergmüller, vor einem halben Jahr haben Sie sich in den Fußball-Ruhestand verabschiedet. Jetzt sind Sie wieder da. Kein Fußball ist anscheinend auch keine Lösung, oder?

Manuel Bergmüller: So eine schlechte Lösung war es nicht. Dass ich jetzt wieder Trainer des TSV Fischbach bin, hat weniger damit zu tun, dass mir der Fußball-Ruhestand nicht gefallen hätte, sondern eher damit, wie meine Jungs im Moment dastehen.

Was sagt denn Ihre Frau zum Rücktritt vom Rücktritt?

Bergmüller (lacht): Es war tatsächlich ein sehr intensives Gespräch. Nachdem ich für mich selber erstmal ein Tage gebraucht habe, um mir zu überlegen, ob ich das wirklich nochmal machen will, ob ich die Energie habe, die man für diese schwere Aufgabe braucht, habe ich dann meine drei Mädels gefragt. Aber meine Frau hat nur gesagt: Unter diesen Umständen musst du es ja machen. Es freut mich natürlich, dass meine Frau das genauso sieht wie ich.

„Vielleicht ein wenig blauäugig“

 

Hätte es auch eine andere Konstellation, sprich einen anderen Trainer als Sie, geben können?

Bergmüller: Nein. Wir sind alle Möglichkeiten durchgegangen und dann zu dem Schluss gekommen, dass es einfach unfair einem neuem Trainer gegenüber gewesen wäre, ihn jetzt ins Karpfenbecken hineinzuwerfen. Denn er hätte auch alle Probleme gehabt, mit denen wir jetzt kämpfen müssen, aber eben nicht mehr die Zeit, um sich richtig einzuarbeiten.

Ihren Vorgänger Jan Kuderna haben Sie letzten Sommer selbst aufs Schild gehoben. Ganz unschuldig sind Sie an der jetzigen Situation der Karpfen also nicht, oder?

Bergmüller: Ich habe Jan ausgesucht und hinter dieser Entscheidung stehe ich auch. Aber es hat eben einfach nicht funktioniert. Ob man das ahnen konnte? Im Nachhinein betrachtet, vielleicht ja. Vielleicht sind wir ein wenig blauäugig an die Sache ran gegangen. Aber Jan war damals schon in Altenfurt mein Nachfolger. Er ist ein wahnsinnig spielintelligenter Fußballer. Die Mannschaft war stabil und wir dachten, dass wir sie verbessern, wenn wir noch einen guten Spieler dazupacken, zumal Jan hier ja schon alles kannte. Außerdem dachten wir, dass die Mannschaft nicht mehr soviel Führung braucht, weil sie eine gute Altersstruktur hat. Wir waren deshalb überzeugt, dass die Jungs und der Jan das schon zusammen hinbekommen. Dummerweise hat sich dann herausgestellt, dass Jan der falsche Trainer für diese Mannschaft war.

Woran ist er gescheitert?

Bergmüller: Wir hatten hier bislang das Konstrukt, dass die erste und zweite Mannschaft immer zusammen trainiert haben, eine Einheit waren. Das hat Jan aufgelöst und wir haben das mitgetragen, aber irgendwann haben wir gemerkt, dass es nicht funktioniert. Wir sind hier in Fischbach einfach ein Haufen. Wir haben 36 unglaublich willige Spieler und die muss man eben alle bei Laune halten. Jeder ist hier gleich wichtig. Außerdem hat sein Konzept nicht zum Team gepasst. Als guter Trainer muss ich mich meiner Mannschaft anpassen. Ich würde auch gern Ballbesitz-Fußball a la Pep Guardiola spielen, mir fehlt bloß das passende Personal dazu. Also muss ich halt Rock n‘ Roll-Fußball wie Jürgen Klopp spielen lassen.

Was für einen Trainertyp braucht diese Mannschaft?

Bergmüller (lacht): Einen impulsiven Trainer, der sehr engagiert ist. Einen Trainer, der die Charaktere kennt und mit ihnen umgehen kann und der sie pushen kann.

„Wir wollen diesen Fischbach-Background“

 

Es gibt auch Stimmen, die sagen, die Mannschaft habe sich abgenutzt, ihr fehle eine personelle Auffrischung.

Bergmüller: Natürlich sind unsere Ressourcen begrenzt, denn wir wollen hier diesen Fischbach-Background, also Jungs aus der Gegend. Ich glaube aber nicht, dass sich die Mannschaft abgenutzt hat. Wir waren letzte Woche im Trainingslager und da waren 27 Mann dabei. In so einem Trainingslager sind die Jungs einem enormen Stressfaktor ausgesetzt. Und mit mir ist der Stress noch höher, weil sie wissen, dass sie dort malochen, malochen, malochen müssen, die armen Kerle. Das würden sie sich sicher nicht antun, wenn sie keinen Bock mehr aufeinander hätten. Im Sommer kommen jetzt ein paar neue Spieler aus der Jugend raus, ein paar ältere hören auf. Einen kleinen Umbruch im Kader werden wir also ganz automatisch haben.

Sie haben in Ihren drei Jahren in Fischbach viel bewegt, sich auch einen gewissen Ruf erarbeitet. Jetzt im Winter bei einem Abstiegskandidaten einzusteigen, birgt natürlich ein gewisses Risiko.

Bergmüller: Der sportliche Erfolg wird sich irgendwann einstellen, weil wir hier einfach sehr akribisch arbeiten. Ob es mit dem Klassenerhalt klappt, wird auch ein bisschen mit Glück zu tun haben, weil die Liga extrem ausgeglichen ist. Ich wurde neulich gefragt, welche drei Mannschaften absteigen werden. Das ist schwer zu beantworten. Post SV war das Team, das in der Winterpause am besten trainieren konnte, die werden also gut rauskommen. Bei Boxdorf ist Spielertrainer Alex Eberlein wieder fit, das ist also auch keine Hustensafttruppe. Burggrafenhof hat die Möglichkeit, sechs neue Spieler im Winter zu holen, inklusive Juri Judt (Ex-FCN-Profi, Anm. d. Red.). Stein wäre letztes Jahr beinahe aufgestiegen. Johannis ist auch eine anständige Mannschaft. Und unsere Freunde von der SpVgg Nürnberg steigen natürlich auch nicht ab. Ich glaube, dass es drei Mannschaften erwischen wird, mit denen vor der Saison keiner gerechnet hat. Und ich hoffe, dass wir dann nicht dabei sind. Ich bemesse meine Arbeit hier in Fischbach allerdings nicht nur daran, ob wir nächste Saison in der Kreisliga oder in der Kreisklasse spielen. (Pause) Aber wir spielen nächste Saison sicher in der Kreisliga!

„Besessenheit hat uns gefehlt“

 

Hm, und wenn es trotzdem nicht klappt?

Bergmüller: Über diese Option machen wir uns keine Gedanken. Wenn wir es nicht schaffen, würde mich das in meiner Ehre kränken. Das ist das, was ich den Jungs vorlebe. Wir sind aktuell Letzter in der Heimtabelle. Wir haben es fertig gebracht, eine Hinserie ohne einen Heimsieg hinzulegen. Die Mannschaften kommen her und freuen sich, dass sie hier spielen können, weil der TSV Fischbach so ein netter Gegner ist. Da sage ich klipp und klar: Das wird sich ändern. Neben dem Fußballplatz sollte man kein A… sein, aber auf dem Platz eben schon ein bisschen. Fußball ist Zweikampf, ist Wettbewerb. Natürlich muss alles unter den Gesichtspunkten des Fairplay ablaufen, aber im Fußball wird immer derjenige das Spiel gewinnen, der geiler auf den Sieg ist. Diese positive Besessenheit hat uns in der Hinrunde gefehlt.

Was passiert im Sommer beim TSV Fischbach?

Bergmüller: Da kommt ein neuer Trainer. Der Plan ist, das ich im Sommer nicht mehr Trainer des TSV Fischbach bin. Mehr kann man aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Wir müssen schauen, dass wir jetzt erstmal Ruhe reinbringen und unser heftiges Auftaktprogramm mit SV Wacker Nürnberg, SV Gutenstetten, DJK Eibach und SV Burgfarrnbach überstehen. Das wird schwer genug.

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann