Begleitung von Schwertransporten

Langfristig komplett privat

Innen- und Verkehrsminister am Steuer eines der neuen BF-4-Begleitfahrzeuge | Foto: Hornung2017/01/Fischbach-Herrmann-BF4.jpg

FISCHBACH – Das Pilotprojekt ‚Verwaltungshelfer der Polizei‘ zur privaten Begleitung von Großraum- und Schwertransporten mit neuen Fahrzeugen ist gestartet. Das Polizeipräsidium Mittelfranken wird das Modell auf ausgewählten Strecken ein halbes Jahr testen. Bewährt es sich, soll es laut Innen- und Verkehrsminister Herrmann in ganz Bayern umgesetzt werden. Langfristig will der Minister die Schwertransportbegleitung komplett privatisieren.

Zur Eskorte von Groß- und Schwertransporten kamen bislang Begleitfahrzeuge der sogenannten dritten Generation zum Einsatz (BF-3).  Zur Absicherung besonders großer oder schwerer Transporte waren zudem Polizeifahrzeuge notwendig. Wenn ein Transport dies erforderte, musste die Polizei ihn gar mit mehreren Wagen begleiten.

„Das bedeutet eine erhebliche Belastung für die zuständigen Dienststellen“, sagte Innenminister Herrmann. Immer häufiger würden Beamte zur Schwertransportbegleitung benötigt. Während diese Aufgabe 2010 noch rund 42.000 Einsatzstunden verlangte, waren es 2016 knapp 63.000 Stunden. „Es gibt aber wichtigere Aufgabe für unsere Polizistinnen und Polizisten“, verkündete Herrmann.

Mit dem Pilotprojekt ‚Verwaltungshelfer der Polizei‘ soll eine neue Generation von privaten Schwertransport-Begleitfahrzeugen (BF-4) getestet werden, die die Polizei in dieser Aufgabe künftig zunächst entlasten und schließlich ersetzen soll.

Die BF4-Fahrzeuge sind erkennbar an ihrem gelben Farbanstrich und an einem Aufbau auf dem Dach, der in alle Richtungen Verkehrszeichen darstellen kann. „So können andere Verkehrsteilnehmer besser und schneller erkennen, wie sie sich bei der Begegnung mit einem Schwertransport verhalten müssen,“ erklärte Herrmann. Der Anschaffungspreis eines BF4-Fahrzeugs beträgt etwa 70.000 Euro.

Laut Herrmann hat durch die private Begleitung nicht nur die Polizei sondern auch die Transportwirtschaft Vorteile. Im Pilotprojekt werde in der Regel nur noch ein Polizeifahrzeug pro Transport erforderlich. Deswegen sei die Verfügbarkeit der Polizei höher: „Liefertermine können besser eingehalten werden, da die Wahrscheinlichkeit von Wartezeiten sinkt, etwa weil die Polizisten zu anderen Einsätzen gerufen werden.“

Flexibler, aber höhere Kosten

Für 54 Transporte ist die Begleitung mit BF4-Fahrzeug bisher anberaumt. Ein Pool von etwa 15 Fahrzeugen von interessierten Unternehmen steht bereit.

Sebastian Lechner vom Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen räumte ein, dass Kunden durch die Beleihung privater Begleitfahrzeuge mit höheren Kosten zu rechnen haben, die Transporte andererseits aber flexibler gehandhabt werden können.

Zunächst soll durch die privaten BF4-Fahrzeuge also nur noch ein Polizeifahrzeug als Begleitung notwendig sein. Das langfristige Ziel des Projekts aber ist die Privatisierung des Begleitwesens. Bis dahin sind jedoch einige weitere Schritte notwendig.

Schritte zur Privatisierung

Im Modell „Verwaltungshelfer der Straßenverkehrsbehörde“ sollen die Straßenverkehrsbehörden für festgelegte Strecken spezielle Auflagen und Ablaufpläne erstellen, die von BF4-Begleitfahrzeugen während des Transports umgesetzt werden können. Praktisch ist das für häufig wiederkehrende, identisch ablaufende Transporte. In diesen Fällen wird auf eine Polizeibegleitung vollständig verzichtet.

Darüber hinaus plant Herrmann, ab Februar 2017 testweise auf der A9 zwischen der Landesgrenze Thüringen und dem Frankfurter Ring in München die Schwelle für eine notwendige Transportbegleitung durch die Polizei anzuheben. Bislang muss der Transport bereits ab einer Breite von 5,50 Metern von der Polizei begleitet werden. Künftig liegt die Schwelle zunächst probeweise bei 6 Metern. „Aufgrund des guten Ausbauzustands der A9 in diesem Bereich ist das ohne Einbußen für die Verkehrssicherheit möglich“, so Herrmann.

Künftig ohne Polizei

Als vierten Ansatz zur Entlastung der Polizei arbeitet der bayerische Verkehrsminister zusammen mit dem Bund und den anderen Ländern am künftigen Einsatz von privaten Transportbegleitern.

Bei dem „Beleihungs-Modell“ wird auch die Verkehrsregelung durch einen staatlich beliehenen Transportbegleiter vorgenommen. „Unser Ziel ist, die Polizei dadurch letztlich vollständig von der Begleitung von Großraum- und Schwertransporten zu entlasten“, erklärte Herrmann.

Derzeit werde dafür eine entsprechende Verordnung des Bundesverkehrsministeriums vorbereitet. „Bis zum flächendeckenden Einsatz von beliehenen Transportbegleitern wird es aber noch dauern“, so Herrmann.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung