Fischbacher fordern verbesserten Lärmschutz an der A9

Lärm schwappt über die Wand

Helmut Arndt, Planer der Autobahndirektion Nordbayern und federführend zuständig für den Ausbau des Kreuzes Nürnberg Ost, erläuterte den Bürgern die von seiner Behörde vorgesehene Lärmschutzmaßnahme. | Foto: Blinten2017/06/Laermschutz-Fischbach1.jpg
Raiba Fallback

FISCHBACH – Wer in Fischbach die Hutbergstraße entlanggeht bis ganz zum Ende, der steht plötzlich vor der Lärmschutzwand der Autobahn. Die Wand soll vor Lärm schützen. Trotzdem ist es laut. Weil das Autobahnkreuz Nürnberg Ost ausgebaut werden soll, fordern die Fischbacher zusätzlichen Schutz gegen den Lärm. 

Der Lärmteppich der A9 überdeckt alle anderen Geräusche in der Umgebung. Da gibt es kein Vogelgezwitscher, kein Kinderlachen, auch keine Musik aus Nachbarsgarten. 40.000 Fahrzeuge rollen jenseits der dunkelgrünen Wand täglich über die A9, 20.000 nach Osten, 20.000 nach Westen.

Das Haus von Sonja Übler und Thomas Hausner ist nur rund 20 Meter von der bestehenden Lärmschutzwand entfernt. Mit dem Ausbau des Autobahnkreuzes wird die Autobahn noch einmal näher an ihr Grundstück heranrücken. Übler und Hausner müssen dann einen Teil ihres Grundstücks abtreten, einen Bereich, in dem sie eigentlich ein kleines Schwimmbecken bauen wollten. Die neue Lärmschutzwand wird irgendwann zehn Meter vor ihrem Haus stehen. Nirgends in Fischbach erhält man einen nachhaltigeren Eindruck von der Lärmsituation an der A9 wie im Garten der Familie Hausner. Der bot sich deshalb für die Bürgerinitiative Autobahn Fischbach als Treffpunkt an, um noch einmal mit Vertretern der Autobahndirektion Nordbayern, Nürnberger Stadträten und dem Bund Naturschutz ins Gespräch zu kommen. Was wegen des über allem liegenden Lärmteppichs gar nicht so einfach war.

Helmut Arndt, leitender Planer der Autobahndirektion Nordbayern, erläuterte den Kompromiss, den seine Behörde für die Fischbacher gefunden hatte und wurde dabei mehrfach unterbrochen: Lauter solle er reden, weil er nicht von allen verstanden wurde. Die von der Autobahndirektion bereits auf einem Erörterungstermin im April vorgestellte Lösung sieht vor, auf einer Länge von rund 300 Metern eine Wand in einer Höhe von 5,50 bis 6 Metern zu bauen. Weitere Fischbacher Häuser in der Nähe der A9 sollen mit sogenanntem passiven Lärmschutz ausgestattet werden: Fenster und Türen werden schallschutzmäßig saniert. Eigentlich, das betonte Arndt in Fischbach, haben die Bürger keinen Anspruch auf einen zusätzliche Lärmschutz. Die entsprechenden Dezibel-Werte werden laut Autobahndirektion nämlich nicht erreicht.

Thomas Hausner und Sonja Übler wohnen direkt an der A9. Wenn der Ausbau des Autobahnkreuzes kommt, wird die neue Lärmschutzwand bis auf wenige Meter – das Trassenband im Hintergrund markiert den Verlauf – an ihr Haus heranrücken.2017/06/Laermschutz-Fischbach.jpg

 

Es gibt in ganz Fischbach nur eine einzige Ausnahme: das Anwesen von Übler und Hausner. Wenig sinnvoll ist es aber, nur hier eine erhöhte Lärmschutzwand zu bauen. Die Planer haben deshalb die Wand für einen 300 Meter langen Bereich vorgesehen.

Konkrete Forderungen

Das reicht den Fischbachern nicht. Die örtliche Bürgerinitiative fordert, den Lärmschutz an der A9 nicht nur in der Nähe des Autobahnkreuzes Nürnberg Ost zu verbessern, sondern im gesamten Bereich des Stadtteils entlang der Autobahn. Dabei haben die Fischbacher ganz konkrete Wünsche: nicht sechs Meter hoch, wie von der Autobahndirektion angepeilt, sollte die neue Lärmschutzwand sein, sondern sechs bis acht Meter. Außerdem sollte diese neue Wand zur Autobahn hin geneigt sein.

Neidisch schauen die Fischbacher hinüber zu ihren Nachbarn in Moorenbrunn, wo an der A6 aufwändige Lärmschutzwände gebaut werden. Hier sind die Voraussetzungen dafür gegeben, weil die A6  bei Moorenbrunn dreispurig ausgebaut wurde. Bei Fischbach freilich bleibt es auch nach dem Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg Ost bei zwei Spuren, sagen die Planer der Autobahndirektion.

Stimmt ja gar nicht, halten dem die Mitglieder der Bürgerinitiative entgegen: Die neue Fahrbahn in Richtung Heilbronn sei sehr wohl eine zusätzliche Spur, weshalb ein verbesserter Lärmschutz dringend erforderlich sei. Mit dieser Argumentation haben sich Fischbacher Bürger per Rechtsanwalt an die Regierung von Mittelfranken gewandt. Außerdem fordern sie von der Regierung in Ansbach eine ergänzende Verkehrslärmuntersuchung. Der Lärm liege nachts deutlich über den zulässigen 45 Dezibel.

„Warum kein Tempolimit?“

Geschwindigkeitsbegrenzungen würden helfen, den Lärm deutlich zu reduzieren, sagen viele Fischbacher. Also, runter mit dem Tempo, so ihre Forderung im Garten von Übler und Hausner. Warum gibt es kein Tempolimit auf der A9 bei Fischbach? fragten die Bürger Helmut Arndt. Gibt es doch schon, erwiderte der Planer. Über ein bestehendes Verkehrsleitsystem wird die Geschwindigkeit auf 120 reduziert, in Spitzenzeiten wird sie weiter herunter geregelt.

Verfahren läuft

Das reicht den Fischbachern aber nicht, sie wollen mehr. Deshalb hatte Tom Konopka vom Nürnberger Bund Naturschutz den Beifall auf seiner Seite, als er ein Tempolimit von 80 für Pkw und 60 für Lkw auf der A9 bei Fischbach forderte. Den Ausbau des Kreuzes Nürnberg Ost lehnt der Bund Naturschutz ohnehin ab, weil hier aus Sicht der Naturschützer zu viel Bannwald dem Verkehr geopfert werden soll. Tom Konopka ermunterte die Bürger zu weiteren Aktionen gegen den Ausbau: „Hängen Sie Transparente auf, suchen Sie Kontakte, auch zu den Kirchen, organisieren Sie hier einen Schöpfungsgottesdienst.

Derweil läuft das Planfeststellungsverfahren für die Baumaßnahme weiter. Wann es abgeschlossen sein wird, ist noch offen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten