Live-Musik im JuZ Feucht

Zerborstene Sticks und zerrissene Saiten

The Blue Walnuts überzeugen durch einen abwechslungsreichen, intelligenten Mix aus Tech Metal, Post-Hardcore und intelligentem Indie-Rock. | Foto: Magdalena Mock2018/11/Feucht-Blue-Walnuts-Juz-Konzert.jpg

FEUCHT – Man muss nicht unbedingt nach Nürnberg oder München fahren, um sich zum Sound schwerer Gitarrenriffs, rauer Screams und unterirdischer Growls in den feinsten Mosh zu werfen. So wenig es der Bau von außen vermuten lässt, das geht auch im Jugendzentrum (JuZ) in Feucht. Jeden Monat haben junge Bands aus der Umgebung dort die Chance, ihr Publikum zum Ausrasten zu bringen. Gut fünfzig Metal- und Post-Hardcore-Fans haben ihre Mähnen zuletzt zur Musik der Blue Walnuts, Drowning in You und Vicious Circle fliegen lassen.

Metal-Newcomer Vicious Circle machen den Anfang beim Konzert im Feuchter JuZ – so enthusiastisch, dass ihr Schlagzeuger drei Drumsticks zerstört, bevor sie ihr erstes Lied zu Ende gespielt haben. Es ist erst der zweiter Gig, den das Quartett je gespielt hat.

Trotz der wenigen Aufführungserfahrung überraschen sie mächtiger, kraftvoller Musik. Zu Songs wie „Death Corn“, in dem sie ihren schnellen Hardcore zu einem schweren Black-Sabbath-artigen Stomp verlangsamen, fliegen euphorisch die Haare des Publikums. Die Entscheidung, dem überaus bekannten „Killing In The Name“ von Rage Against The Machine, ihren eigenen, etwas eigenwilligen Stempel aufdrücken zu wollen, wird von den Konzertbesuchern hingegen eher etwas belächelt.

An kein Genre gebunden

Während sich die anderen beiden Bands nicht weiter aus ihrem musikalischen Genre bewegen, sind die Altdorfer Blue Walnuts mit einem einfallsreichen Mix aus Tech Metal, Post-Hardcore und intelligentem Indie-Rock die Show des Abends. Mit dem gekonnt anschwellenden „Fall Apart“ eröffnen sie ihr Konzert. Von wunderbar kaskadierenden Gitarren-Lines in „Bloom“ steigert sich die Altdorfer Band zu einem furiosen Höhepunkt in „Vacant“. The Blue Walnuts fliegen von Idee zu Idee. Kein Song ist gleich. Ihre Art, stürmische Refrains mit wilden, unberechenbaren Riffs zu mischen, erinnert an die Kreativität von Arcane Roots und die frühen Songs von Biffy Clyro.

Perfektes Zusammenspiel

Die vielseitige Stimme von Frontsänger Jannik Westerweller passt perfekt zum genreübergreifenden Spiel der Band. Mühelos wechselt er zwischen rauem Death-Metal-Growl, rhythmischem Sprechgesang und kann auch sanfte Tönen anschlagen. Sein flinkes Gitarrenspiel ergänzt sich mit den heftigen Riffs seines Bandkollegen Moritz Artelt, der stimmlich immer wieder im Chorus mitmischt.

Dass Westerweller im dritten Song eine Saite reißt, ist keine Katastrophe. Im Gegenteil. Angeheizt vom Grölen der Konzertbesucher überbrücken die restlichen Bandmitglieder die Zeit mit einem lockeren Jam, während der Frontmann seine Gitarre austauscht.

Tanzende Sticks

Was The Blue Walnuts wirklich zum absoluten Star des Abends macht, ist das herausragend gute Spiel von Drummer Niklas Galozy. Seine Sticks tanzen förmlich über die Becken und Felle seines Schlagzeugs. Zusammen mit Bassist Niklas Enser, der immer wieder mit funkigem Slap Bass aufmischt, baut er ein eng gefügtes Rhythmus-Fundament, das den Sound der Band trägt.

Feucht mosht

Die Würzburger Drowning In You runden den Abend im JuZ musikalisch ab.
Mit grooved-up Metalcore Liedern treibt die fünfköpfige Post-Hardcore-Band die Stimmung weiter an. Sie strahlt eine Energie aus, der man sich kaum entziehen kann.

Besonders Sänger Michael Gerhard liefert einen leidenschaftlichen Auftritt, springt ins Publikum und peitscht die verbliebenen Konzertbesucher ausgelassen zu einem Mini-Mosh an.

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock