Band „Die Namenlosen“ startet neue Kultur-Reihe

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Thomas Schneele freut sich auf die Premiere des Musikkabaretts „Zeit is“ am Freitag, 8. Februar, in der Reichswaldhalle. Foto: Gisa SpandlerDie Namenlosen in ihrer Kern-Besetzung (von links): Klaus Flemming, Thomas Schneele, Joe Köstler, Michael Tschöpe und Mathias Rösel. | Foto: Bauer2019/01/Feucht-Namenlose-Herbert-Bauer_DSC_0234.jpg

FEUCHT – Eigentlich ist der Schritt von der frechen fränkischen Volksmusik, der echten, zum Musikkabarett nur ein kleiner, zumindest wenn der Urheber seine Wurzeln bei den Namenlosen, der urigen Blech-, Saiten-, Tasten-Combo, hat, wie der Feuchter Thomas Schneele. Dennoch musste dieser Gedanke auch in ihm lange reifen. Nun aber steht der Entschluss, mit aussagekräftigen Musik-Wort-Beiträgen an die Öffentlichkeit zu gehen. Jetzt ist es soweit, und der 61-Jährige weiß: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Premiere des Programms, das unter dem Motto „Zeit is“ steht, ist am Freitag, 8. Februar, in der Reichswaldhalle.

Anscheinend ist es ein Männer-Ding: Fünf Herren im nicht mehr ganz taufrischen, aber doch allerbesten Alter haben sich zusammengetan, um über die Zeit und das Älterwerden zu singen, zu reden und über deren Begleiterscheinungen zu philosophieren. Nicht aber, um ausschließlich darüber zu jammern, wohlgemerkt.

Warum keine Frauen zum harten Musik- und nun auch Kabarett-Kern gehören, kann Schneele, der Motor des neuen Projekts, nicht so recht sagen: „Wir haben’s immer wieder mit ein paar probiert, aber sie sind uns einfach nie geblieben.“ Es hat sich halt nicht ergeben, obwohl bei den bisherigen Namenlos-Formaten durchaus gelegentlich weibliche Protagonisten mit auf der Bühne standen. Bei den bayerisch-fränkischen Abenden war Anita Lucha-Hiptmair mit von der Partie, bei der „nicht ganz so staden Stund“ wirkten unter anderem Petra Meier und Nathalie Haas mit, fruchtbare Kooperationen gab es hin und wieder mit Monika Gerhardt, der bekannten Volksmusikerin Steffi Zachmeier oder der Autorin Franziska Weidinger.

Seine Mitstreiter sind daher die bewährten Musiker-Kollegen Joe Köstler (Trompete), Mathias Rösel (Klarinette, Saxofon und Diverses), Klaus Flemming (Kontrabass) und Dr. Michael Tschöpe (Gitarre, Mundharmonika). Schneele selber greift in die Tasten des Akkordeons, besser Quetschn, und singt zusammen mit den anderen.

Kein politisches Kabarett

Allein die Tatsache, dass es etwas zu sagen gibt, hat noch nicht zum schnellen Entschluss geführt, das Publikum außer mit Musik auch noch mit (hinter)sinnigen Gedanken zu einem Thema zu beglücken, das so viele umtreibt. Es hat eine ganze Weile in ihm gearbeitet, er hat verschiedene Aspekte gegen andere abgewogen. Probleme, sich vor Publikum zu präsentieren, hat Schneele nie gehabt, derartige Berührungsängste sind ihm fremd. Anders war das mit der Frage: Was will ich überhaupt sagen? „Politisches Kabarett wollte ich nie machen“, war ihm immer klar. Auch, dass es in diesem Land ein paar Profis gibt, denen er nicht das Wasser reichen kann.

Aber von seinen Einblicken ins Thema ist er dennoch überzeugt: Körper und Geist lassen langsam ein wenig nach, wie geht man damit um? So könnte man die Botschaft, die sich als Roter Faden durch das Programm zieht, komprimieren.

Der Hobby-Autor und -Musiker weiß, dass seine selbst geschriebenen Lieder, seine überbrückenden Texte, die er in manche der Musik- oder Begleitprogramme einflicht, einen Nerv im Publikum treffen. Die Leute mögen seine verbindliche und volksnahe Art, seinen spontanen, manchmal trockenen Humor, und viele identifizieren sich auch mit seinem Dialekt, mit dem er sein Heimatgefühl ausdrückt, das nichts mit Volkstümelei zu tun hat, sondern authentisch ist. Also traut er sich damit ins Rampenlicht. Neugier, nochmal etwas Neues anzufangen, spielt sicher auch eine Rolle. So fängt er an, Texte zu entwerfen und zu sammeln, schreibt viel selbst, covert wenig, Klezmer-Nummern zum Beispiel.

Musik, Mundart, Franken

Drei Aspekte sind ihm dabei wichtig: Musik, Mundart, Franken. Da er und seine Musikerfreunde sich für Musikkabarett entschieden haben, sollen Lieder, Melodien und echte Volksmusik nicht zu kurz kommen. Sie werden die Wortbeiträge immer wieder passend umrahmen, ergänzen und nachklingen lassen, im typisch fränkischen Instrumentarium.

Mundart gehört zu Thomas Schneele wie eben die Musik. „Sie ist Garant dafür, dass die Inhalte authentisch rüberkommen“, weiß er und könnte vermutlich gar nicht auf sie verzichten, auch wenn er wollte. Auch für ihn ist es eine Binsenweisheit, dass der Dialekt Emotionen besser transportiert als jede andere Sprachvariante, dass die Äußerungen herzhafter, treffender sitzen, wenn sie in „unserer Muttersprache“ daherkommen.

Und das dritte Element aus dem Dreiklang Musik – Mundart – Franken ist die Region, in der er beheimatet ist und für die er spricht. Für ihn ist es ganz wichtig, dass eine Musik gepflegt wird, die genau dort zu Hause ist, wo die Menschen leben, die sie machen und hören. Nur so ist Identifizierung und Verständnis und letztlich Begeisterung möglich. Der Feuchter gesteht gern ein, dass diese Erkenntnis wiederum mit dem Titel und tiefer liegenden Thema seines Programms zusammenhängt: „Je älter man wird, desto mehr hängt man an der Region, aus der man kommt und in der man aufgewachsen ist“, lautet sein Bekenntnis zur fränkischen Sozialisation.

„Traditionelle Liedla“

Dass die auch ihre Haken hat, verschweigt er nicht. Er ist nicht der einzige, dem es so vorkommt, als hätten die Franken mit ihrer ursprünglichen Kultur, hier der Volksmusik, mehr Probleme als andere Landstriche.

Warum ist Folk in den englischsprachigen Ländern etwas Selbstverständliches, warum tanzen heute noch junge Südeuropäer zu ihren alten Musikweisen, warum ist es in Oberbayern oder der Oberpfalz Teil der Brauchtumspflege, sich in Tracht zum Tanzabend zu treffen, während dem Ganzen in Franken immer etwas Peinliches anhaftet?

„Wir spielen auf den Kirchweihen unsere traditionellen Liedla höchstens zum Baumaustanzen, aber abends im Bierzelt gibt es schon wieder die beliebige Allerweltsmusik“, wundert sich Schneele. Er glaubt, dass dies speziell mit der Mobilität in der Metropolregion zusammenhängt, denn in den kleinteiligen, dörflichen Strukturen in Ober- und Unterfranken sei es dann doch wieder anders.

Mit modernen Erkenntnissen und viel Humor der alten Musik das staubige Image ein bisschen zu nehmen, das würde ihm gefallen. Und wenn er und seine Truppe zum Auftakt der neuen Kabarett-Reihe in der Reichswaldhalle nicht auf 368 leere, sondern auf 152 besetzte Stühle herunterblicken könnten.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler