Raiba-Weihnachten

Anwohner-Proteste gegen Rodungen in Feucht

„Wehret den Anfängen“

Zunächst demonstrierten Jörg Wendefeuer (2. von rechts) und seine Mitstreiter am Donnerstagabend vor dem Rathaus, dann brachten sie ihre Meinung im Sitzungssaal vor. | Foto: Geist2017/10/Feucht-FNP-Wendefeuer-Rodung.jpg

FEUCHT – Etwa 40 Feuchter Bürger haben die Sitzung des Bauausschusses zum Anlass genommen, um gegen weitere Rodungen in der Marktgemeinde zu protestieren. Allen voran die Anwohner des Waldstücks am Josef-Schlosser-Weg machten ihrem Ärger Luft: Sie demonstrierten zunächst vor dem Rathaus mit roten Transparenten und brachten ihre Argumente anschließend während der Bürgersprechstunde am Anfang der Sitzung vor.

Anlass für den Protest war die Bauausschuss-Sitzung im September. Damals sprachen sich die Mitglieder mit einer deutlichen Mehrheit von 8:1 Stimmen dafür aus, das Waldstück zwischen Josef-Schlosser-Weg und Pfinzingstraße im neuen Flächennutzungsplan als Bauland zu definieren (wir berichteten). „Wir sind alle regelrecht erschlagen worden, als es plötzlich hieß: Der Wald soll weg“, sagte Jörg Wendefeuer gegenüber dem Ausschuss. Das Waldstück diene als wichtiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt und schütze die Anwohner vor dem Lärm der Autobahn.

„Doppelmoral entsetzt mich“

„Die Anwohner klagen jetzt schon über den Lärm. Gehen Sie mal am Morgen zur Brücke hoch. Da halten Sie sich die Ohren zu“, schimpfte Wendefeuer und bezeichnete weitere Rodungen als eine „Watsch‘n ins Gesicht“. Mit Helga Beier, einer weiteren Anwohnerin, übergab er eine Mappe mit 325 Unterschriften an Bürgermeister Konrad Rupprecht (CSU).

Wie ein Lauffeuer habe die Entscheidung des Ausschusses die Runde gemacht, berichtete Beier. „Wir haben in unserem Vorgarten ständig Unterschriften entgegengenommen. Mit der Bitte: Tut etwas! Die Menschen wollen gehört werden.“ Weil unmittelbar vor dem Baausschuss der Umweltbeirat tagte und über das CO2-Minderungsprogramm der Marktgemeinde sprach, ging ein weiterer Anwohner auch darauf ein: „Diese Doppelmoral entsetzt mich. Da wird über ein CO2-Minderungsprogramm gesprochen und dann mäht man in Gedanken die Wälder nieder.“

Rupprecht versuchte die Wogen zu glätten

Bürgermeister Rupprecht versuchte die Wogen im proppevollen Sitzungssaal zu glätten, indem er das Prozedere der Überarbeitung des Flächennutzungsplans nochmals erläuterte. Er betonte dabei die mehrfache öffentliche Auslage und die weiteren Sitzungen, in denen sich Bauausschuss und Marktgemeinderat damit auseinandersetzen werden.

Bis zu einem rechtskräftigen Flächennutzungsplan gingen noch circa zwei Jahre ins Land. Erst dann könne ein Bebauungsplan aufgestellt werden und Baurecht entstehen. Dem entgegnete Wendefeuer bei der Übergabe der Unterschriften kurz und knapp: „Wehret den Anfängen.“

Protest bleibt nicht ungehört

Dass Protest im Rathaus nicht ungehört bleibt, erlebten dann allerdings nur eine Hand voll demonstrierender Bürger. Bereits in der September-Sitzung hatten Anwohner der Ulmenstraße gegen eine mögliche Hinterlieger-Bebauung an deren südöstichem Ende protestiert. Damals vertagte der Ausschuss die Entscheidung, nun sprach er sich einstimmig dafür aus, an besagter Stelle kein Bauland im neuen Flächennutzungsplan vorzusehen, sondern nur westlich des kleinen Wäldchens.

N-Land Christian Geist
Christian Geist