Raiba-Weihnachten

Neues Feuchter Seniorenzentrum

Verkehrsprognose sorgt für Diskussionen

Feuchter Bürger und deren Angehörige sollen bei der Platzvergabe bevorzugt werden.Den Lärm der Schwabacher Straße absorbiert ein mehrstöckiger Laubengang | Foto: Schneider Architekten2017/10/Feucht-Seniorenzentrum-Gottfried-Seiler.jpg

FEUCHT – Zum 1. Januar 2020 soll das neue Seniorenzentrum Gottfried Seiler seinen Regelbetrieb aufnehmen: Das hat Joachim Lächele bei einer Informationsveranstaltung in der Reichswaldhalle angekündigt. Er leitet die Immobilienabteilung der Rummelsberger Diakonie. Bürgermeister Konrad Rupprecht versicherte zudem, dass in der Einrichtung in der Zeidlersiedlung jeder, der möchte, einen Platz finden werde. Für Diskussionsstoff sorgte an diesem Abend lediglich die Verkehrsprognose. Einige Anwohner wollten den Zahlen von Verkehrsplaner Christian Lademacher nicht recht Glauben schenken.

Lademacher rechnete vor, dass im ungünstigsten Fall etwa 130 zusätzliche Fahrten pro Tag auf die Bewohner der Zeidlersiedlung zukommen werden – wohl gemerkt, ankommende und abgehende Fahrten zusammengenommen. „Sie werden wenige Nutzungen finden, die ein ähnlich geringes Verkehrsaufkommen aufweisen wie eine Seniorenwohneinrichtung“, meinte Lademacher und verdeutlichte die Zahlen mittels Verkehrszählungen. An zwei Stellen innerhalb der Zeidlersiedlung seien täglich 400 beziehungsweise 165 Fahrzeuge im Durchschnitt gemessen worden.

Von oben erkennt man den H-förmigen Grundriss des Gebäudes in der Zeidlersiedlung. | Foto: Schneider Architekten2017/10/Feucht-Seniorenzentrum-Gottfried-Seiler-2.jpg

Die Schwabacher Straße hingegen passierten täglich 12 000 bis 14 000 Fahrzeuge. „Sie werden den Unterschied kaum feststellen“, sagte Lademacher und erklärte den Anwohnern, dass es keinen Verkehr zur Nachtzeit geben werde, da die Schichten der Mitarbeiter vor 22 Uhr enden und erst um 7 Uhr beginnen. Alles in allem sprach er von einer „absolut verträglichen Situation“.

„Kein hippes Altenleben“

Einige Bürger hielten die Zahl von 130 Fahrten aus zwei Gründen für zu niedrig angesetzt: Zum einen kalkulierten sie mit mehr Besuch, zum anderen mit mehr Bewohnern, die selbst noch Auto fahren. Lademacher versicherte ihnen, dass man eine Seniorenwohneinrichtung sehr gut einschätzen könne und fünf bis zehn Besucher pro Tag durchaus realistisch seien. Bezüglich der selbst fahrenden Senioren, die einen Teil der 27 Tiefgaragenplätze belegen und dadurch für mehr parkende Autos in der Siedlung sorgen könnten, meinte der Verkehrsplaner: „Das wird hier kein hippes Altenleben von SUV- und Oldtimerfahrern, die sich zwischen Starnberger See und Feucht entscheiden.

Nur die allerwenigsten Bewohner seien noch in der Lage, selbst zu fahren. Dies bestätigte Joachim Lächele. Die Einrichtung sei geplant für Menschen, die mit einem Pflegegrad zwischen eins und vier eingestuft sind und Hilfe brauchen, „bedürftige und kranke Menschen, die ein geringes Einkommen haben“.

Für alle Feuchter Bürger

Letztgenannten Aspekt griff auch Bürgermeister Konrad Rupprecht auf, als die Frage aufkam, wie viel ein Pflegeplatz in der neuen Einrichtung kosten werde. Lächele konnte oder wollte sich aufgrund des frühen Stands der Planung auf keine Zahl festklopfen lassen. Rupprecht allerdings versprach den anwesenden Bürgern: „Jeder Feuchter, der will, muss da reinkommen. Punkt.“

Bereits zuvor hatten Stadtplanerin Franziska Paizs und Architekt Roland Schneider ihre Vorstellungen vom Seniorenzentrum präsentiert. Geplant ist ein dreistöckiges Gebäude mit einem H-förmigen Grundriss. Es soll insgesamt 80 Einzelzimmer, 31 Appartements sowie 20 Tagespflege-Plätze beinhalten. Um den Lärm der Schwabacher Straße und Senioren von der gefährlichen Straße fern zu halten, schließt ein dreistöckiger Laubengang den Gebäudekomplex nach Südosten ab.

Ein „Rundum-Angebot“

Die nächste formale Hürde für das Projekt stellt die öffentliche Auslage dar. Voraussichtlich im Dezember können Bürger und Behörden dann ihre Einwände vorbringen. „Es ist noch ein Stück zu gehen, aber wir sind gut dabei“, meinte Paizs zusammenfassend. Im Spätherbst 2019 soll laut Lächele alles fertig sein, ab 1. Januar 2020 der Regelbetrieb laufen. „Wir von der Gemeinde werden alles dafür tun, dass wir dieses Ziel erreichen“, versicherte Rupprecht und bezeichnete das Seniorenzentrum als ein „Rundum-Angebot“. Dass die Marktgemeinde Bedarf an einer solchen Einrichtung hat, zeigte das Ende der 90-minütigen Veranstaltung, als immer mehr Fragen zum Prozedere der Platzvergabe aufkamen.

N-Land Christian Geist
Christian Geist