Flüchtlinge und Deutsche begingen Opferfest

Über hundert Menschen feierten gemeinsam

Im Gemeindehaus in Feucht hatten syrische Flüchtlinge gemeinsam mit deutschen Helfern gekocht und ein Buffet für hundert Feiernde aus ganz Bayern auf die Beine gestellt. Foto: privatHeide Hufnagl unterstützt tatkräftig Flüchtlinge. Foto: Kappes2015/09/feucht_opferfest.jpg

FEUCHT – Es ist das bedeutendste Fest im Islam: Das Opferfest. Über hundert Menschen unterschiedlichster Kulturen feierten es gemeinsam im Gemeindehaus in Feucht. Mit organisiert hat es eine engagierte Bürgerin.

„Heide, Heide, Heide“, ruft eine Gruppe von Flüchtlingskindern über die Straße als sie die 55-Jährige erblicken. „Meine Rasselbande“, kommentiert die Angesprochene stolz und grinst. Heide Hufnagl wohnt seit 17 Jahren in der Marktgemeinde und engagiert sich seit Monaten in der Feuchter Flüchtlingshilfe.

In den zwei Unterkünften ist sie bekannt wie ein bunter Hund – und ein sehr gesehener Gast. Denn „Heide und ihre Engel“, wie  ihr ehrenamtlicher Helferkreis genannt wird, haben schon einiges bewegt.

Die zehnköpfige Gruppe gibt Kindern Nachhilfe und unterstützt sie bei den Hausaufgaben. Hufnagl ist zudem die neue Unterrichtsbegleitung an der Grundschule Altdorf. Türkische Mitglieder begleiten die drei schwangeren Asylbewerberinnen zum Arzt, organisieren die Fahrten. Hufnagl hat sich außerdem durch die hiesige Firmenlandschaft telefoniert und Jobangebote aufgetan. Diese will sie an die Asylbewerber vermitteln, die dank ihres Status bereits arbeiten dürfen.

Als sie vor zwei Wochen erfuhr, dass das höchste islamische Fest vor der Tür steht, war für sie klar, dass sie etwas auf die Beine stellen muss. Als sie einen der Syrer fragte, was er von der Idee hält, macht er erst große Augen und hatte schließlich Tränen in den selbigen.

Pfarrer Roland Thie und Ernst Klier stellten das Gemeindehaus zur Verfügung, einige der syrischen Flüchtlinge gingen mit ihrem Taschengeld Lebensmittel einkaufen und bereiteten diese mit einigen der „Engel“ zu. Nur wenige Tage blieben für die Organisation. Zum Fest kamen Bekannte und Verwandte aus ganz Bayern. Deutsche, Türken, Iraker, Kurden, Syrer, Äthiopier und etliche Muslime aus anderen Ländern feierten friedlich zusammen. Über hundert Menschen pilgerten nach Feucht.

Lachen kehrt langsam zurück

Seit einem Monat ist die Unterkunft im ehemaligen Hotel Bauer für Flüchtlinge geöffnet. „Das Lachen der Eltern und Kinder ist in den vergangenen Wochen zurückgekommen“, sagt Hufnagl und strahlt. Viel Zeit zum Plaudern hat sie nicht. Die Frührentnerin engagiert sich bis zu zwölf Stunden an sieben Tagen in der Woche. Ihr Handy piepst unentwegt. Nachrichten über Whatsapp und Facebook trudeln im Minutentakt ein. Manche in Arabisch – Hufnagl lernt gerade die Sprache und freut sich über Übungstexte.

Nun muss sie aber wirklich los. Ein örtlicher Laden für Orthopädie- und Rehahilfsmitteln hat einen Rollator gespendet, erläutert Hufnagel bevor sie sich fröhlich verabschiedet und mit energischen Schritten weiter ihre Mission verfolgt, für noch mehr lachende Gesichter zu sorgen.

N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Kappes