Raiba-Weihnachten

Leerstände in Feucht haben abgenommen

„Stillstand ist Rückschritt“

Attraktiv und trotzdem leer: Das Tucherschloss wird aus privaten Gründen derzeit nicht vermietet. | Foto: Gisa Spandler2017/10/feucht-leerstand-tucherschloss-1.jpg

FEUCHT – Der Herbst wirkt sich anscheinend beflügelnd auf Neu-Eröffnungen oder Standortwechsel im Einzelhandel aus. Gab es zu Beginn des Jahres und noch im Sommer mancherorts einen auffälligen Leerstand, zum Beispiel in den Bahnhofs-Arkaden (wir berichteten), waren sämtliche Läden in der Passage wenige Wochen später vermietet. Aber auch während des gesamten laufenden Jahres tat sich einiges in der guten Stube des Marktes Feucht, berichten Bürgermeister Konrad Rupprecht und der Chef der Wirtschaftsförderung im Rathaus, Philipp Ankowski.

Der Eindruck, den man auf dem Weg zum Bahnhof gewinnen konnte, dass in Feucht die Geschäfte reihenweise bankrott gehen, lässt sich nicht aufrecht erhalten, finden die beiden, und nicht nur sie. Beim Runden Tisch Einzelhandel, der erst kürzlich zum mittlerweile vierten Mal im Rathaus stattfand, bestätigten Fachleute der IHK Nürnberg, des Handelsverbands Bayern und von der SK Standort & Kommune Beratungs GmbH, dass der Markt Feucht in Sachen Einzel- und Fachhandelsgeschäfte im Vergleich mit ähnlichen Kommunen ziemlich weit vorne mitspielt, weiter vorne als Altdorf zum Beispiel.

Errechnet wird dies über eine Formel, die bilanziert, wie viel Prozent der theoretisch verfügbaren Ausgaben einer Kommune in der Gemeinde bzw. Stadt bleiben und wie viel abfließen. Besonders in den letzten zehn Jahren habe sich dieses Verhältnis gut entwickelt, stellten die Experten, die ja von außerhalb auf die Zustände im Ort blicken, fest.

So sieht dies auch Philipp Ankowski, der schon mal festhält: „Seit Mitte Januar konnten sieben Leerstände neu vermietet beziehungsweise verkauft werden“. Dabei handelt es sich um insgesamt knapp 500 Quadratmeter. Dazu kamen noch Nutzungsänderungen und Betreiberwechsel. Neue Nutzungen betreffen vor allem den Bereich Dienstleistungen.

Arkaden auf einmal gefragt

In den Arkaden in der Bahnhofstraße hat sich seit dem Sommer ein Geschäft niedergelassen, das sich auf Kunstrasen spezialisiert hat, ein Nagelstudio, was schon länger bekannt war, eine Sanitärfirma mit Büroflächen sowie eine Firma, die Legosteine bedruckt und früher nur im Online-Geschäft aktiv war. Zu den Neueröffnungen bzw. Umzügen in Ladengeschäfte seit Februar gehören eine Versicherungsagentur, eine Werbeagentur, ein italienisches Restaurant der gehobenen Klasse sowie die Basisstation eines Foodtruck-Unternehmens, in der auch ein Mittagstisch angeboten wird.

Das Nagelstudio ist einer der Mieter, der in den Bahnhofs-Arkaden sein Glück versucht. | Foto: Spandler2017/10/feucht-leerstand1.jpg

Allerdings bestätigt die Verwaltung auch bestehende Leerstände, die sich ganz offensichtlich nicht so einfach beheben lassen, wenn auch die Gesamtfläche aller nicht genutzten Läden im Vergleich zum Januar 2017 abgenommen hat. Als Ladenleerstand definiert Ankowski „marktgängige, ungenutzte, potenzielle Einzelhandels- und Gewerbeflächen im Erdgeschoss“. Die Ursachen für den Leerstand sind vielfältig bis unbekannt.

Strukturwandel spielt eine Rolle

Leicht nachzuvollziehen ist die Geschäftsaufgabe eines Elektro-Geschäfts im Zentrum, das seit Mitte Februar zum Verkauf steht. Hier spielt der Strukturwandel in der Branche eine Rolle, gegen Mediamarkt und Amazon haben solche kleinen Unternehmen keine Chance, ist sich der Bürgermeister sicher.

Wäre zu haben, macht aber wohl für Interessenten keine besonders einladenden Eindruck: der ehemalige NKD | Foto: Spandler2017/10/feucht-leerstand2.jpg

Gleich mehrere Geschäfte mussten in der Brauhausgasse schließen und finden keine Nachfolger, wohl weil sie recht kleine Flächen aufweisen. Als besonders schmerzhaft wurde der Wegzug der Norma-Filiale in die Nürnberger Straße empfunden. Schmerzhaft, weil man wusste, dass damit ein Einkaufsmagnet in der Ortsmitte fehlen würde.

Die Folgen spürt man bereits jetzt deutlich, das Quartier ist nicht mehr so belebt wie früher. Wie mehrfach berichtet, haben jahrelange Verhandlungen mit dem Besitzer des Gebäudes in der Hauptstraße nicht zu einer Einigung geführt, als sich der Discounter modernisieren und vergrößern wollte. „Was passieren würde, war uns klar“, versichert Rupprecht, „darum haben wir ja so lange gekämpft und verloren“.

Spezialfall Tucherschloss

Ein weiterer Spezialfall ist das Tucherschloss, das schon seit mindestens zwei Jahren fast ganz leer ist. Drei toll sanierte Stockwerke mit Büros und eindrucksvollen Räumen für Gastronomie können nicht genutzt werden, weil sie aus privaten Gründen nicht vermietet werden.

Ein sanierungsbedürftiges Objekt in der Hauptstraße mit 100 Quadratmetern, Sozialraum, Küche und Keller wartet seit vier Jahren auf einen neuen Mieter. Hier steht jedoch der Eigentümer auf dem Standpunkt, man werde erst renovieren, wenn man weiß, wer einzieht – eine Einstellung, die möglicherweise aber potenzielle Interessenten wegen fehlender Attraktivität davon abhält, sich überhaupt näher zu informieren.

Kosten werden geprüft

Noch ein Sonderfall ist natürlich das Sailer-Areal, über das wir mehrfach berichteten und zu dem Bürgermeister Rupprecht bemerkte: „Wir sind ja dran.“ Derzeit werden für dieses Objekt im Zuge der Entwicklung des Ortszentrums sowohl die städtebaulichen Möglichkeiten, die Nutzungsmöglichkeiten als auch die Kosten geprüft. Stolz ist man auch auf die Einquartierung des Fahrradladens Speiche und Co., den man „mit vereinten Kräften“ in das leer stehende Bahnhofsgebäude umsiedeln und am Ort halten konnte.

Wie die Fachleute des Runden Tisches Einzelhandel ist auch der Bürgermeister der Meinung, dass der stete Wandel bei der Belegung der Geschäfte im Ortskern wichtig ist. „Bestand ist eigentlich Rückschritt“, findet er und will damit ausdrücken, wie wichtig und gesund die Anpassung an die veränderten Strukturen in der Geschäftswelt ist, wozu eben auch ein Standortwechsel gehört.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler