„Projekt 2020“

So plant der SC Feucht die Zukunft

Der geplante Kunstrasenplatz ist das Herzstück des neuen Feuchter Zukunftskonzepts „Projekt 2020“. Hinter der Hauptribüne soll das Alljahres-Spielfeld entstehen und neue Spieler zum SC locken. | Foto: SCF2017/05/kunstrasen.jpg
Raiba Fallback

FEUCHT – Der SC Feucht befindet sich im Umbruch. Wer das große Sommertheater im Waldstadion, als der komplette Kader des Bayernligisten stiften ging und ausgetauscht werden musste, mitbekommen hat, wird davon nicht wirklich überrascht sein. Aber der aktuelle Umbruch beschränkt sich eben nicht nur auf die erste Mannschaft. Der Sportclub brummt, der ganze Verein ist in Bewegung und versucht, sich gerade eine neue DNA zu verpassen.

Es tut sich bereits viel rund ums Waldstadion und es ist noch viel mehr geplant. Der SC Feucht will sich in den kommenden Jahren komplett neu aufstellen. „Projekt 2020“, so nennt Ralph Stefan, einer der drei Vorstände des SC, das Konzept, das den Verein nachhaltig verändern soll und mit dem er sich zum 100. Geburtstag quasi selbst beschenken will. Im Mittelpunkt der Neuausrichtung steht die Nachwuchsförderung und der Aufbau einer Jugendakademie, mit der man sich trotz enormer Konkurrenz im Spannungsfeld zwischen Club und Greuther Fürth behaupten will. Personell wurden dafür schon erste Weichen gestellt. Mit Müslüm Alver wurde ein erfahrener Jugendleiter installiert, der zuvor beim 1. FC Nürnberg in der Nachwuchsarbeit tätig war und dort erfolgreich den U14-Cup organisiert hatte. Björn Benke, der ebenfalls zwölf Jahre lang seine Erfahrungen am Valznerweiher sammeln durfte, wird Noch-Manager Manfred Kreuzer beerben und ab Sommer dann den Herrenbereich beim SC anleiten.

Technikschulung und Athletiktraining

Um sich gegenüber den anderen Vereinen abzuheben, wollen die Feuchter darüber hinaus mit einem speziellen Athletiktraining punkten, um den jungen talentierten Spielern auch das körperliche Rüstzeug mitzugeben. Und im Sinne der ganzheitlichen fußballerischen Ausbildung wird auch eine individuelle Technikschulung angeboten, um jeden einzelnen Spieler gezielt zu verbessern.

Der Zeitplan ist stramm getaktet und bis zum Vereinsjubiläum in zwei Jahren sollen schon einige Ideen umgesetzt sein, wie Ralph Stefan betont. In erster Linie der Kunstrasenplatz hinter der Haupttribüne, dessen Baukosten sich auf rund 300.000 Euro belaufen und der noch in diesem Jahr Wirklichkeit werden soll. Das Plastikgeläuf ist das prominenteste Vorhaben innerhalb des Konzepts. Schon weil es dem Verein von der Jugend bis zu den Bayernliga-Amateuren ganz neue Möglichkeiten eröffnet und die Attraktivität des SC Feucht noch deutlich steigern wird. Denn auch im Jahr 2017 ist ein Kunstrasenplatz immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. Obwohl ein Alljahres-Spielfeld die Trainingsmöglichkeiten um ein vielfaches potenziert, kann kaum ein Verein so ein Projekt alleine stemmen. Auch der SC Feucht nicht. Zwar wurden alle Vorbereitungen vom Vorstand und Jugendleiter Müslüm Alver in den letzten Monaten getroffen und ein Projektplan aufgestellt, der vom Angebot bis zur Refinanzierung alle wichtigen Parameter abdeckt. Um zeitnah mit dem Bau beginnen zu können, werden aber noch Investoren gesucht, die das Projekt unterstützen.

Thier verstärkt Trainerteam

„Der Kunstrasen ist für den 1. SC Feucht ein wichtiger Schritt, um noch mehr Kindern das Fußball spielen beim 1. SC Feucht zu ermöglichen und ein zusätzliches Kursprogramm aufzubauen, dass den Kunstrasen refinanziert. Wir suchen keine Sponsoren, sondern haben ein Finanzierungsmodell erarbeitet, das einen hohen sozialen Nutzen hat und gleichzeitig einen Rückfluss der Gelder für die Investoren garantiert“, erklärt Ralph Stefan die Hintergründe.

Björn Benke ist ebenso überzeugt, dass sich der SC mit diesem Konzept deutlich von den anderen Vereinen, auch in der weiteren Umgebung, abhebt. „Wir haben hier dann eine super Infrastruktur und auch noch die Nähe zu Nürnberg“, erklärt der Organisations- und Marketingspezialist, der hauptberuflich beim Handball-Bundesligisten HC Erlangen arbeitet, die augenscheinlichen Standortvorteile des SC.

Abstieg wäre schwerer Rückschlag

Dementsprechend anspruchsvoll klingt auch Benkes Agenda. Sein Ziel ist es, entwicklungsfähige Spieler nach Feucht zu lotsen, „um sie dann hier bei uns weiterzubringen.“ Aus diesem Grund wurde das Trainerteam von Chef-Coach Klaus Mösle mit Benedikt Thier um einen dritten Mann erweitert, der sich speziell um die Förderung der Talente kümmern wird. Er soll die individualtaktischen und – technischen Ausbildung der Zeidler forcieren. Zusätzliche fungiert er als Co-Trainer im Bayernligateam. Zuletzt trainierte der Pöllinger im Nachwuchsbereich des SSV Jahn Regensburg.

Angesichts der aufstrebenden Ideen passt beim SC Feucht derzeit nur eines nicht so recht ins Bild: die erste Mannschaft. Die steht heuer bekanntlich nicht sonderlich gut da und könnte mit etwas Pech sogar in die Landesliga absteigen. Das wäre natürlich ein Rückschlag für die Neuausrichtung des Vereins. Denn nach wie vor ist die erste Mannschaft das Aushängeschild des SC Feucht. Talentierte Spieler werden auf Dauer nur anheuern, wenn sie die Aussicht haben, irgendwann auch hochklassig zu spielen.

Große Ziele: Björn Benke (Foto) tritt beim SC die Nachfolge von Manager Manfred Kreuzer an. | Foto: kk2017/05/scfeuchtbenke.jpg

Das weiß freilich auch Benke, der einen Abstieg natürlich unbedingt vermeiden will, sollte es jedoch soweit kommen, darin aber „keinen Genickbruch“ für die Feuchter sieht. Im Fall der Fälle müsse man in der Landesliga die Mannschaft eben qualitativ so aufstellen, dass der sofortige Wiederaufstieg als realistisches Ziel ausgegeben werden kann. Daran arbeiten sie gerade. Mit den beiden Mannschaftspfeilern Andreas Sponsel und Felix Spielbühler wurde bereits verlängert, „mit dem Rest sind wir in positiven Gesprächen“, erklärt Benke. Sein Ziel ist es, anders als früher, die Spieler länger an den Verein zu binden. Mit Sponsel und Spielbühler wurden deshalb erstmals Zwei-Jahres-Verträge geschlossen, um auch die Identifikation mit dem Verein zu fördern. Das Budget von rund 100.00 Euro bleibt bestehen, soll aber anders eingesetzt werden.

Diese und noch einige andere Ideen werden den Verein, sofern sie denn aufgehen, in den nächsten Monaten und Jahren mächtig umkrempeln. Der ein oder andere alteingesessene SC‘ler könnte auf all die Veränderungen skeptisch reagieren. Aber Benke hat andere Erfahrungen gemacht, sein Eindruck ist: „Die überwiegende Mehrheit im Verein ist gespannt, was passiert. Aber auch euphorisch. Viele wollen sich engagieren und das ist doch ein positiver Trend.“

Kreuzer bleibt beratend an Bord

Außerdem werden die alten Strukturen ja nicht ganz eingerissen. Manfred Kreuzer wird zwar mit dem Saisonende sein Manager-Amt und damit auch alle Verantwortung niederlegen – aber dem Verein natürlich trotzdem erhalten bleiben. Schließlich könnte es sich der SC gar nicht leisten, auf Kreuzers jahrzehntelange Erfahrung zu verzichten. Deshalb wurde nun ein neues beratendes Gremium ins Leben gerufen, in dem die Hauptsponsoren vertreten sind, der Vorstand sowie die zwei sportlichen Leiter – und natürlich Manfred Kreuzer. Beim SC Feucht bleibt also alles anders oder wie das neue Vereinsmotto besagt: „Tradition auf neuen Wegen.“

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann