Vier Platzverweise für Quelle Fürth

Skandal-Spiel endet mit Feuchter Sieg

Immer mittendrin wenn es spannend oder hitzig wurde: Feuchts Michael Eckert (rechts). | Foto: Kaufmann2018/11/scfeucht_quellefurth.jpg

FEUCHT – Denkwürdige Flutlicht-Partien hat das Feuchter Waldstadion schon so einige erlebt, die heutige zwischen dem Sportclub und Quelle Fürth wird dennoch auf Jahre hoffentlich eine einmalige Ausnahme bleiben. Denn mit Fußball hatten diese 90 Minuten herzlich wenig zu tun. 15 Gelbe Karten, zwei Rote Karten, zwei Gelb-Rote Karten und drei Tore – so lauten die schaurigen Eckdaten eines fragwürdigen Spektakels, das mit dem SC Feucht zwar am Ende einen verdienten Sieger (2:1) hatte, bei dem jedoch der sportliche Aspekt völlig in den Hintergrund geriet

Die Ausgangslage: Ist beim SC Feucht ja seit Wochen unverändert. Da die Spitzenteams vor ihnen einfach keine Milch geben wollen, sind die Zeidler in jedem Spiel zum Siegen verdammt. Selbst der kleinste Patzer könnte vorzeitig die Aufstiegsträume zerbröseln lassen. Quelle hat sich dagegen nach Startschwierigkeiten ins obere Mittelfeld der Tabelle vorgearbeitet und sich den Ruf eines Teams erarbeitet, das man keinesfalls unterschätzen sollte.

Die erste Halbzeit: Diesen Ruf wurden die Gündogan-Jungs prompt gerecht, indem sie die Feuchter gleich unter Druck setzten und so verhinderten, dass die Hausherren ihr Kombinationsspiel aufziehen konnten. Der SC tat sich schwer, gefährlich vors Fürther Gehäuse zu kommen und den Rest an Spielkultur vernichtete Schiedsrichter Tim Michel (Steinwiesen) mit zahlreichen Unterbrechungen und teils fragwürdigen Entscheidungen. So auch bei der Führung der Gäste, als er ein Foul an SC-Keeper Andreas Sponsel nicht als solches wertete. Nach einem Freistoß rauschte Quelles Reinholz mit Sponsel zusammen und flipperte jenem den Ball aus den Fingern, Seiler staubte zum 1:0 ab (17.). Feucht versuchte schnell zu antworten, aber ohne Erfolg. Die beste Chance vergab Michael Eckert kurz vor der Pause, als Quelle Keeper Tsagos seinen Schlenzer per Fußabwehr klärte. Kurz darauf hätten bei einer Dreifach-Chance Nico Wessner, Stephan König und Eckert eigentlich den Ausgleich erzielen müssen, aber bei jedem Schussversuch schnellte plötzlich noch ein Quelle-Bein hervor, das den Ball vom Tor ablenkte. So ging es für Feucht mit dem knappen Rückstand in die Pause – allerdings mit der berechtigten Hoffnung, die Partie in Hälfte zwei noch zu drehen. Schließlich waren die Hausherren ja seit der 38. Minute und dem Platzverweis für Fürths Robin Hutter wegen Schiedsrichterbeleidigung mit einem Mann mehr auf dem Platz.

Die zweite Halbzeit: Besser wurde es leider nicht. Sportlich schafften es die Feuchter auch in Überzahl zunächst nicht, die Gäste in ihre Hälfte zu drücken. Und auch der Unparteiische blieb dummerweise seiner Linie treu, was bedeutete, dass seine Pfeife selten stumm blieb. In diese hitzige Atmosphäre fiel dann der Ausgleich: Aus dem Getümmel heraus hatte ausgerechnet König, der zuvor am ersten Fürther Platzverweise nicht ganz unbeteiligt gewesen war, zum 1:1 getroffen. Die Partie blieb auch danach zerfahren und geprägt von zahlreichen Unterbrechungen, dann aber schlug Feucht erneut unter Mithilfe der Gäste zu: Nach einem Klose-Abschluss profitierte Wessner von einem Fehler von Keeper Tsagos und netzte zum 2:1 ein. Nun eskalierte die Situation völlig. Die Fürther dezimierten sich in der Folgezeit fast minütlich selbst: In der 72. Minute musste der erst kurz zuvor eingewechselte Tugkan Sarac nach wiederholtem Foulspiel mit der Ampel-Karte vom Platz. Kurz darauf folgte Quelle Coach Serdal Gündogan, weil er von der Seitenlinie aus lautstark Stimmung gegen die Schiedsrichterentscheidungen gemacht hatte. Zuerst verbannte der Referee ihn hinter die Bande und weil das nicht reichte und er von dort aus weiterschimpfte, dann auf die Gegengerade. Dieses Innenraumverbot nahm Gündogan dann zum Anlass, demonstrativ langsam über den kompletten Platz zu schlendern und damit die eh schon angespannte Stimmung mit dieser Trotz-Aktion weiter anzustacheln. Mit (zweifelhaften) Erfolg. Denn danach brannten bei seinen Spielern endgültig alle Sicherungen durch. In der 83. Minute musste auch Reinholz nach einer Schwalbe im Strafraum mit der Ampelkarte vom Platz, und Meier sah nach einem weiteren Disput mit dem Schiedsrichter wegen Beleidigung glatt Rot. Die Quelle war nur mehr mit sechs Feldspielern und einem Torwart auf dem Feld. Alle warteten nur noch darauf, dass die Partie bei einem weiteren Platzverweis abgebrochen werden müsste. Aber soweit kam es nicht. Weil Schiri Michel nun offensichtlich dieses Skandal-Spiel zumindest noch ordnungsgemäß zu Ende bringen wollte. Anders sind die folgenden Entscheidungen nicht zu erklären. Nach einem weiteren – absichtlichen – Foulspiel von Böhm gegen Kaya, das einem Anschlag gleichkam, wäre die Rote Karte und somit der Abbruch der Partie eigentlich die zwingende Folge gewesen, stattdessen gab der Schiedsrichter, dem die Partie nun vollends entglitten war, aber nur gelb. Wenig später ahndete er auch eine vermeintliche Notbremse von Lawson gegen Wessner nicht – sondern gab Freistoß für die Quelle und zwang so eine fragwürdige Partie zu einem regulären Ende. Nach der Partie ging es auf dem Weg in die Kabinen noch mit Rangeleien weiter. Der Schiedsrichter selbst verweigerte hinterher gegenüber dem Boten jegliche Stellungnahme zu dieser skandalösen Parte. Kein schöner Fußballabend im Waldstadion.

Stimmen zum Spiel:

Florian Schlicker, Trainer SC Feucht: „So ein Spiel habe ich in dieser Form noch nicht erlebt. Zum Schiedsrichter möchte ich heute lieber nichts sagen. Wichtig ist, dass wir die Punkte mitgenommen haben. Aber es war schon klar, dass Quelle kein Fallobst ist.  Sie haben uns gut angelaufen und uns das Leben schwer gemacht. Dazu konnte durch die ganzen Unterbrechungen auch nie ein Spielfluss aufkommen.“

Schiedsrichter: Tim Michel (Steinwiesen) 
Zuschauer: 172
Tore: 0:1 Nino Seiler (16.), 1:1 Stephan König (57.), 2:1 Nico Wessner (68.)
Rot: Robin Hutter (38./SG Quelle Fürth/Schiedsrichterbeleidigung)
Gelb-Rot: Tugkan Sarac (72./SG Quelle Fürth/wiederholtes Foulspiel)
Gelb-Rot: Dennis Reinholz (83./SG Quelle Fürth/wiederholtes Foulspiel)
Rot: Christopher Meier (85./SG Quelle Fürth/Beleidigung des Schiedsrichterassistenten)

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann