Heimserie des SC ist gerissen

Selbitz stürmt die Feuchter Festung

Nicht nur in dieser Szene hatten die Selbitzer die Nase vorne: Die Feuchter um Felix Spielbühler (hinten) müssen sich dringend überlegen, wie sie ihre zahlreichen Chancen wieder in Tore ummünzen, wenn nicht verliert man auch gegen vermeintlich spielerisch schwächere Gegner wie Selbitz. | Foto: Kaufmann2018/08/scfeuchtspvggselbitz.jpg
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FEUCHT – Dem großen deutschen Fußball-Philosophen Hans Meyer, im Nebenberuf Trainer und beteiligt am letzten Nürnberger Pokalsieg 2007, wird folgendes berühmte Zitat zugeschrieben: „Je länger eine Serie anhält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie reißt!“ Beim SC Feucht war es am vergangenen Mittwoch soweit. Nach 18 Heimsiegen in Folge verlor das Team von Coach Florian Schlicker zum ersten Mal seit Juni 2017 wieder ein Spiel im heimischen Waldstadion.

Dass die Serie irgendwann zu Ende gehen würde, war allen Verantwortlichen beim SC klar. Allerdings hatten wohl nur die Wenigsten damit gerechnet, dass es gegen die SpVgg Selbitz, die letzte Saison lediglich im Mittelfeld mitgeschwommen war, passieren würde – und vor allem nicht auf diese höchst ärgerliche Art und Weise. Denn wie schon am Freitag beim 1:3 in Neudrossenfeld hatte sich der SC Feucht die Niederlage mal wieder selbst zuzuschreiben.

SC fehlt die Konsequenz

Die erste Hälfte begann wie die meisten in dieser noch kurzen Spielzeit. Die Heimmannschaft dominierte, ließ den Ball gut laufen. Agierte aber schon in dieser Phase vielleicht ein wenig zu lässig. Zwar fanden über die Mittelfeldzentrale mit Salim Ahmed, Ljuban Ivic und Fabian Klose die Zuspiele mit Felix Spielbühler und Michael Eckert auf den Außen immer dankbare Abnehmer, so dass Feucht sich schnell zahlreiche Chancen erarbeitete.

Was dem Feuchter Spiel allerdings nicht erst seit Mittwoch fehlt, ist der Ertrag, respektive die letzte Konsequenz vor dem Tor. Stephan König bekam in der 4. Minute von Yasar Kaya den Ball perfekt in den Sechzehner serviert, verzog aber völlig freistehend, so dass die Kugel SpVgg-Torwart Andreas Schall in die Arme trudelte. Auch danach hatte der diesmal als alleiniger Stoßstürmer aufgebotene Ex-Seligenportener (25. und 32. Minute) noch weitere Chancen, seine Farben in Führung zu schießen, beim ersten Mal drosch er die Kugel aber über die Latte und beim nächsten Versuch war dann erneut bei Keeper Schall Schluss.

Selbitz traute sich mehr zu

„Wir haben es in der ersten Hälfte wieder versäumt ein Tor zu machen und dann ist so ein 0:0 eben ein gefährliches Ergebnis“, erklärte Schlicker hinterher das Feuchter Dilemma.

Gefährlich deshalb, weil sich die Gäste nach Wiederanpfiff mehr zutrauten und nun ihrerseits Möglichkeiten kreirten. Die erste konnte SC-Schlussmann Andreas Sponsel noch abwehren, bei der zweiten war er dann jedoch machtlos. Chris Uwadia hatte in der 61. Minute Albert Pohl ungestüm abgeräumt, Maximilian Lang trat zum fälligen Elfmeter an und schickte Sponsel in die falsche Ecke – 0:1.

Nach diesem Gegentor merkte man den Feuchten an, dass es in ihren Köpfen nun zu arbeiten begann. Der Spielfluss stockte immer mehr und als dann Pohl per Kopf nach einer Ecke in der 68. Minute sogar noch die Führung des Underdogs ausbauen konnte, waren die Leichtigkeit und Lässigkeit der ersten 45 Minuten endgültig dahin. Feucht stürmte nun so planlos aufs Selbitzer Tor, dass die Gäste wenig Mühe hatten, die unstrukturierten Angriffe der Hausherren abzuwehren.

Leikam steigt am höchsten

Es brauchte schon einen Standard, um die Schlicker-Elf kurz vor dem Ende wieder zurück ins Spiel zu bringen. In der 85. Minute stieg der erneut höchst souverän agierende Abwehrchef Basti Leikam nach einer Kaya-Ecke am höchsten und läutete mit seinem Treffer zum 1:2 eine Schlussphase ein, die an Dramatik kaum noch zu überbieten war.

Nun wackelten die Selbitzer. Feucht rannte an, kämpfte um jeden Ball und belohnte sich in der 90. Minute durch einen verdeckten Schuss von Kaya von der Strafraumgrenze. 2:2, der Ausgleich, der sich für die Feuchter kurzzeitig wie ein Sieg anfühlen musste. Egal war jetzt auch, dass sie zu diesem Zeitpunkt nur noch zu zehnt auf dem Platz warenwaren, weil sich der eingewechselte Szymon Pasko kurz zuvor nach einer Rangelei an der Seitenline die Rote Karte abgeholt hatte.

Todesstoß in der letzten Minute

Allerdings passierte nur wenige Sekunden später das, was nicht passieren darf, wenn man das Ziel hat aufzusteigen. In der 5. Minute der Nachspielzeit ließ sich Ivic den Ball abnehmen, Felix Spielbühler wollte den tödlichen Pass in die Schnittstelle per Grätsche verhindern, bediente dadurch jedoch perfekt den eingewechselten Niklas Hackenberg, der seinen am Boden liegen Kontrahenten elegant umkurvte und dem SC mit seinem blitzsaubern Schuss ins linke Eck den Todesstoß versetzte. Schluss, aus, vorbei! Direkt danach pfiff Schiedsrichter Jonas Kohn ab. Die Selbitzer sprangen jubelnd über den unerwarteten Last-Minute-Dreier über den Platz, während die einstigen Spitzenreiter mit hängenden Köpfen in die Kabine trotteten.

Coach Schlicker sauer

Was sie dort erwartete, dürfte kaum angenehmer gewesen sein. Denn Coach Schlicker war nach der zweiten – und erneut unnötigen – Pleite in Folge stinksauer. „Wir schaffen es im Moment einfach nicht, dass jeder Spieler seine Leistung über 90 Minuten abruft. Und dann legen wir uns die Dinger auch noch selbst rein. Das sind unerklärliche Aussetzer!“, schimpfte er.

In dieses Bild passen auch die zunehmenden Undiszipliniertheiten seiner Spieler. Zwei Rote Karten innerhalb von nur zwei Spielen – in Neudrossenfeld war Nicolae Oltean vom Platz gestellt worden – jeweils aufgrund von Tätlichkeiten, sind für Schlicker zwei zuviel und das könnte für die Rotsünder langsam ziemlich teuer werden. „Das ärgert mich maßlos“, betonte Schlicker deutlich seinen Unmut. Zumal „unser Kader ist im Moment eh nicht so breit, da stellt sich die Mannschaft fast von alleine auf.“ Bereits am Samstag geht‘s in Mitterteich für den SC weiter, bevor dann am kommenden Dienstag das Pokal-Derby beim SK Lauf ansteht.

1. SC Feucht: Sponsel – Uwadia (65. Boynügrioglu), Leikam, Schäf, Ivic, Kaya, Spielbühler, Ahmed (54. Pasko), Eckert, Klose, König

SpVgg Selbitz: Schall – Lang, Czaban, Röthlingshöfer, Schödel, Strootmann, Gebhardt, Kaschel, Narr-Drechsel (84. Hackenberg), Pätz (79. Meister), Pohl (77. Sienon).

Schiedsrichter: Jonas Kohn (Amberg)

Zuschauer: 100

Tore: 0:1 Maximilian Lang (62.), 0:2 Albert Pohl (68.), 1:2 Bastian Leikam (85.), 2:2 Yasar Kaya (90.+1), 2:3 Niclas Hackenberg (90.+5)

Rot: Szymon Pasko (90./1. SC Feucht/Tätlichkeit

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann