Verein trennt sich nach sieben Jahren von seinem Trainer

SC Feucht entlässt Mösle

Klaus Mösle (links) muss gehen. Interimsmäßig führen Marco Christ und Benedikt Thier den 1. SC Feucht in die Vorbereitung auf die neue Saison. | Foto: Kaufmann2017/06/Feucht-Moesle.jpg
Raiba Fallback

FEUCHT – Tabula rasa beim SC Feucht. Direkt nach dem Abstieg aus der Bayernliga hatten die Verantwortlichen einen Neuanfang eine Etage tiefer angekündigt. Dieser Schnitt fällt nun jedoch radikaler aus als allgemein erwartet. Am Dienstagabend informierten die SC-Bosse die Mannschaft, dass die Ära Mösle in Feucht nach sieben Jahren mit sofortiger Wirkung beendet ist. Ein Nachfolger für den langjährigen Erfolgstrainer (zwei Aufstiege, ein Abstieg) steht noch nicht fest. Interimsweise werden Marco Christ und Benedikt Thier die Mannschaft in die ab 19. Juni startende Vorbereitung führen.

Sieben Jahre sind im immer aufgeregter agierenden Amateurfußball eine gefühlte Ewigkeit. Klaus Mösle muss also geahnt haben, dass sein Engagement im Waldstadion irgendwann zu Ende gehen würde. Direkt nach Abpfiff am vergangenen Freitag bei der dramatischen 2:4-Niederlage gegen die SpVgg Jahn Forchheim, die gleichzeitig den Abstieg bedeutete, schwang in seinem Ausblick auf die anstehende Vorbereitung bereits ein wenig Resignation mit. Mit „dann müssen wir eben nächste Saison wieder aufsteigen“, zeigte sich Mösle zwar gewohnt optimistisch, unkte aber auch:

Ich weiß nicht, was sie jetzt vorhaben.“ Mit „sie“ waren die Vorsitzenden des SC Feucht gemeint. Und tatsächlich durfte sich Mösle in seiner Vorahnung bestätigt fühlen, als er am Montagabend mit seinem Co-Trainer Michael Braun zum Gespräch ins Vereinsheim gebeten wurde, wo ihnen die Verantwortlichen offiziell die Entlassung mitteilten.

Knappe Begründung

Der Sportclub begründet seine Entscheidung in einer knappen Pressemitteilung folgendermaßen: „Nach dem Abstieg in die Landesliga und internen Diskussionen über die künftige Weiterentwicklung hat sich der 1. SC Feucht zu diesem Schritt entschieden. Zum Start der Vorbereitung wird das Team interimsweise von Marco Christ und Benedikt Thier geführt. Gespräche mit einem neuen Cheftrainer, der neuen Schwung und Erfahrung im Bereich der Spielerentwicklung mitbringen soll, laufen. Der 1. SC Feucht bedankt sich bei Klaus Mösle und Michael Braun für die jahrelange Arbeit und wünscht den beiden alles Gute.“

Für Mösle kommt diese Entscheidung natürlich zur Unzeit: „Vor fünf Wochen wurde mein Vertrag ja erst ligaunabhängig verlängert. Jetzt ist der Markt zu und ich habe zuvor alle Angebote ausgeschlagen, weil ich mich nur auf den SC Feucht konzentriert habe.“ Trotzdem will der 55-Jährige nicht im Zorn zurückschauen: „Es ist schade, dass es so gekommen ist. Aber ich hatte sieben wunderbare Jahre in Feucht und kann mich dafür nur bedanken. Und wenn ich dem ein oder anderen in dieser Zeit weh getan haben sollte, möge er mir dies verzeihen. Ich habe immer im Sinne des Vereins gehandelt.“

Damit endet diese Katastrophensaison für den Verein und alle Beteiligten genauso wie sie begonnen hat: mit einem Knall. Im vergangenen Sommer sorgte der SC mit dem mittlerweile im mittelfränkischen Amateurfußball schon legendären „Spielerexodus aus dem Waldstadion“, als beinahe der komplette Kader ausgetauscht werden musste, wochenlang für Schlagzeilen.

Nun steht dem Verein knapp ein Jahr später der nächste tiefgreifende Umbruch ins Haus. Allerdings mit dem Unterschied, dass diesmal der personelle Neuanfang ausdrücklich gewollt ist, wie Vorstand Ralph Stefan betont.

Trotzdem werden neben Mösle und seinem Co-Trainer erneut auch einige Stammspieler den Verein verlassen. Abwehrjuwel Johannes Pex will den nächsten Karriereschritt wagen und wird sich den Club-Amateuren anschließen. Defensivarbeiter Frank Lincke gönnt sich eine fußballerische Auszeit. US-Boy Oscar Ortiz will sein Glück in der Heimat versuchen und bei einem amerikanischen Proficlub unterkommen. Und hinter dem Verbleib von Kapitän und Chefstratege Matthias Heckenberger steht ebenfalls noch ein großes Fragezeichen. Kurzum: Dem Verein und seinem neuen Trainer steht erneut eine spannende Vorbereitung bevor.

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann