Neue Messstation

Allergiker können Pollenflug live verfolgen

In Bayern leben mehr als zwei Millionen Allergiker, davon reagiert jeder Zweite auf Pollen. | Foto: Fotolia2018/05/Feucht-Pollen-Fotolia.jpg

FEUCHT – Das aktuelle Klima ist ein Albtraum für alle Pollenallergiker: Die Nase läuft, der Hals krazt. Betroffene erhalten in Zukunft mit Hilfe des elektronischen Polleninformationsnetzwerkes (ePIN) des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Livedaten, die den Umgang mit den Pollen erleichtern. Eine von zwölf Messstationen zum Aufbau des ePIN wird in Feucht stehen. Der Regelbetrieb des Projekts des LGL soll 2019 starten.

„Allergien sind mittlerweile Volkskrankheiten geworden. Allein in Bayern leben über zwei Millionen Betroffene, davon ist jeder Zweite Pollenallergiker. Um Allergiker und Asthmatiker künftig mit aktuelleren und genaueren Echtzeitdaten zum Pollenflug in Bayern zu versorgen, bauen wir derzeit das weltweit erste elektronische Polleninformationsnetzwerk auf”, erklärt die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml das Projekt.
Damit sich Betroffene in Zukunft besser vorbereiten können, sorgt das LGL für Daten, die nahezu live abgerufen werden können. Die überwiegend verwendete Messtechnik zur qualitativen und quantitativen Pollenanalyse ist veraltet und erfordert eine manuelle Auswertung mit dem Mikroskop. Das Problem? Die Mediendienste erhalten die Daten meist erst mehrere Tage nach der Messung. Das ePIN wird dieses Problem lösen. Alle drei Stunden stehen die Daten zum aktuellen Pollenflug zur Verfügung. So können Patienten Medikamente adäquater einnehmen und geeignete Maßnahmen zur Expositionsverminderung ergreifen. Das Ziel sei es, eine gesteigerte Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität zu erreichen, schreibt das Ministerium auf seiner Webseite. Zudem soll das Projekt einen weiteren Nutzen für die Klimaforschung darstellen. “In dieses weltweit einmalige Projekt investiert das bayerische Gesundheitsministerium in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt zwei Millionen Euro”, sagt Huml zu den Kosten des Projekts. Die Kosten für den Regelbetrieb liegen ab 2019 voraussichtlich bei 600 000 Euro jährlich.

Messstation auf Schule

Dafür werden insgesamt zwöf Messstationen in Bayern verteilt. Vier davon werden manuell betrieben, die anderen acht Stationen laufen elektronisch. Diese sind in der Lage eine automatisierte Pollenzählung und -charakterisierung durchzuführen.
Eine solche automatisierte Anlage wird auch in Feucht stehen – auf dem Dach der Realschule. Der Aufbau ist für die zweite Jahreshälfte geplant. „In Feucht wird das LGL vor Ort vom ansässigen Gesundheitsamt unterstützt“, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle.
Vor der Umsetzung des Projekts mussten noch einige Fragen geklärt werden, beispielsweise die nach den passenden Standorten. Diese Forschungen wurden vom Zentrum für Allergie und Umwelt und der Technischen Universität München durchgeführt. Die Ministerin erläuterte: „Ziel war es, unter Berücksichtigung verschiedener Klimaparameter und der Bevölkerungsdichte in Bayern die optimale Verteilung der acht elektronischen Messstationen zu bestimmen und somit den Pollenflug in Bayern möglichst repräsentativ abzudecken.“
Die erhobenen Pollendaten, darunter auch die Werte aus Feucht, werden ab dem Jahr 2019 auf der Website des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter www.lgl.bayern.de veröffentlicht. Noch ist das Portal nicht freigeschaltet.

Lukas Herold

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