Realschule Feucht ist Schule ohne Rassismus

„Niemand wird tun, was wir nicht tun“

Schwarz auf weiß, weiß auf schwarz: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Stolz nehmen die Schüler der Realschule Feucht das Schild mit ihrem neuen Titel entgegen. | Foto: Julia Hornung2017/08/Feucht-RS-SOR-1.jpg

FEUCHT – Die Kamera ist auf ein weißes Laken gerichtet: Drei Schüler tanzen ins Bild, mit ausgestreckten Armen um ihre eigene Achse kreisend. „Wie lang drehen wir uns noch im Kreis? Und niemand, der uns die Richtung weist“, singt Joy Denalane. Schnitt. Wieder das weiße Laken, drei andere Schüler halten DIN-A4-Zettel vor ihre Gesichter, auf die sind geschlossene Augenlider gemalt, wo der Mund sein müsste, ist das Blatt weiß. Die Sängerin Denalane: „Wie lang sind wir noch sehenden Auges stumm? Niemand wird tun, was wir nicht tun.“

Nicht länger sehenden Auges stumm bleiben, das haben sich die Schülerinnen und Schüler der Realschule Feucht zum Ziel gesetzt und dafür den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhalten. Das Video zum Lied „Niemand“ der Sängerin Joy Denalane entstand in einem Projekt der Klasse 8c. Es ist eines von vielen Projekten, die jüngst an der Schule entstanden.

Drei Versprechen

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein europaweites Netzwerk und bundesweit das größte, das Schülern die Möglichkeit bietet, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten und dabei Engagement und Mut zu entwickeln. 1988 in Belgien entwickelt, existiert es seit 1995 auch in Deutschland. Aktuell gehören ihm hier über 2000 Schulen an, davon 600 in Bayern und 150 allein in Mittelfranken.

Drei Versprechen unterschrieben die Mitglieder der Realschule Feucht: Erstens, dass sie versuchen, jegliche diskriminierende und rassistische Handlungen aufzudecken. Zweitens, dass sie gegen diese Handlungen auch vorgehen und gemeinsam Wege finden, sie nicht mehr auftreten zu lassen. Drittens, dass sie dauerhaft Projekte und Aktionen zum Thema Rassismus und Diskriminierung umsetzen.

Neue Schüler-Projektgruppe

Vor Kurzem hatte sich unter der Koordination der beiden Leh-rerinnen Christina Agathagelidis und Katharina Schiller eine Schülergruppe gebildet, die sich vor allem mit Rassismus und Zivilcourage im Alltag der Jugendlichen beschäftigen möchte. Was bisher an der Schule gedieh, konnten die Gäste der Verleihungsfeier erleben, denn die fand im Rahmen eines großen Projekttages statt, mit Freiwilligen vom Asylhelferkreis Feucht, vom Fairen Jakob, vom Dekanat Altdorf, die gleich mehrere jugendliche Besucher aus Tansania mitbrachten, vom Verein Eine-Welt-Gruppe und vom Stuttgarter Stiftungsprogramms „Think Big“, das Jugendlichen mit Ideen Pro-jektförderung und Coaching bietet. Die Schüler sprachen mit einer jungen Frau, die aus dem Iran nach Feucht flüchtete. Außerdem standen Trommeln und türkische Tänze auf dem Programm. In einem Workshop entwickelten die Schüler zudem weitere Projekte, die sie in Zukunft realisieren wollen: Ein internationales Buffet, einen Kummerkasten in der Aula und eine Weltkarte, die die Herkunftsorte der Schüler zeigt. „Es geht nicht um den Titel, auch wenn wir den heute gerne in Empfang nehmen“, sagte Schulleiter Christian Schütz. „Es geht um die Sache. Um den kleinen, versteckten Rassismus, um Bemerkungen, die weh tun, weil sie pauschal sind, weil sie diffamieren.“ Im Kleinen die Welt ein wenig besser machen, damit die Welt im Großen besser wird, sei das Ziel der Schule. Dem schloss sich auch Schüler-sprecherin Saskia Füssel an: Jeder könne einen kleinen Beitrag leisten. Einen prominenten Paten konnte die Realschule mit Bürgermeister Konrad Rupprecht gewinnen. Rupprecht zeigte sich begeistert und versprach, die Schüler in ihren Anliegen zu unterstützen. Mit der Übergabe des schwarz-weißen Schulschildes verliehen die Regionalkoordinatoren Bertram Höfer und Christian Löbel offiziell den Titel.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung