Feucht

Kriegstote unter ehemaliger Bogenschießanlage?

Wo einst die Bogenschützen trainierten, sollen in den letzten Kriegsjahren verstorbene russische Kriegsgefangene beerdigt worden sein. Überzeugende Hinweise dafür hat weder der Markt Feucht noch der Bogenschützenverein gefunden. | Foto: Fotolia2018/06/Fotolia-Bogenschuetzen-Symbolfoto.jpg

FEUCHT – In den 60er Jahren, lange bevor die aktuelle Schießanlage der Bogenschützen Feucht im Wald errichtet wurde, befand sich bereits ein Bogenschießgelände an der Äußeren Weißenseestraße. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, im Erdreich unter dem alten Übungsgelände seien menschliche Überreste vergraben, die aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen sollen. Ebenso regelmäßig werden derartige Behauptungen auch wieder negiert.

Tatsache ist, dass auf dem Areal, das zum Muna-Gelände Feucht gehört, 1944 ein Kriegsgefangenenlager mit vier 50 Meter langen Baracken stand, rechter Hand der Äußeren Weißenseestraße ortsauswärts in einer Sandgrube. Während des Krieges waren in der Feuchter Heeres-Muna sowie im Fella-Werk und anderen Betrieben kriegsgefangene Russen im Arbeitseinsatz tätig. Verstorbene aus dieser Personengruppe wurden direkt neben dem Alten Friedhof beerdigt. Dies geht aus einem Dokument von 1957 des damaligen Bürgermeisters von Feucht, Josef Koll, hervor.

Möglicherweise aber wurden nicht alle verstorbenen Gefangenen dort bestattet. Von verschiedenen Seiten – angeblich auch Mitgliedern des Bogenschützenvereins – wird bestätigt, dass beim Bau der alten Bogenschießanlage in den 60ern Gebeine von Kriegsgefangenen aus den letzten Kriegsmonaten „ergraben, aber nicht mehr geborgen“ wurden, wie es auch in einem Wikipedia-Eintrag unter dem Stichwort „Heeresmunitionsanstalt Feucht“ nachzulesen ist.

Bereits in den 50er Jahren gab es offensichtlich das Ansinnen des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Skelette umzubetten, wovon aber schließlich abgesehen wurde. Bürgermeister Koll schrieb an die Verantwortlichen, es sei zu bezweifeln, dass man feststellen könnte, an welcher Stelle genau die bereits bestatteten Kriegsgefangenen in der Erde lägen. „Es dürfte somit die Umbettung auf große Schwierigkeiten stoßen…“ Offensichtlich unterblieb die Maßnahme ja dann auch.

Keine Erkenntnisse vorhanden

Bürgermeister Konrad Rupprecht liegen keinerlei Unterlagen zu etwaigen Kriegstoten an der besagten Stelle vor. Er wies darauf hin, dass das Muna-Gelände ohnehin ein sensibles Gebiet ist. Gleichwohl wollte er aber auch nicht definitiv ausschließen, dass man bei Grabungen Gebeine von Verstorbenen finden könnte. Näher mit dem Thema hat sich Feuchts geschäftsleitende Beamtin Marion Buchta befasst. Man habe im Rathaus von 2013 bis 2014 auch im Rahmen des Arbeitskreises Feuchter Gewerbe in der Angelegenheit recherchiert, aber letztendlich keine Hinweise auf dort bestattete Tote gefunden.

Leicht hat es sich das Rathaus dennoch nicht gemacht. So hatte man mit der damaligen Kreisheimatpflegerin und auch mit der russischen Botschaft Kontakt aufgenommen, jedoch keine Informationen erhalten, die weitergeführt hätten. Buchta ließ keinen Zweifel daran, dass der Markt Feucht alles unternehmen würde, eventuell vorhandene sterbliche Überreste ordentlich und den Vorschriften entsprechend zu bestatten, wenn es denn tatsächlich welche gäbe.

Auch Inge Jabs, die seit ihrer Kindheit in der Äußeren Weißenseestraße lebt, kann sich nicht an russische Kriegsgefangene in der näheren Umgebung erinnern. Ein paar Baracken habe es weiter weg gegeben, vor allem auf dem Moorenbrunnfeld. Von Unterkünften auf dem ehemaligen Bogenschützengelände weiß sie nichts. In der Nähe hätten allerdings Flüchtlinge aus dem Sudetenland gelebt.

„Nie etwas zu Ohren gekommen“

Klaus Schwarz, 2012 erster Vorsitzender der Bogenschützen, stritt vor Jahren die Existenz der Skelette auf dem ehemaligen Übungsgelände vehement ab. Ihm waren diverse Unterlagen von einem Feuchter zugesandt worden, der an einer Umbettung interessiert ist, beziehungsweise sich wenigstens einen Gedenkstein an der Stelle wünscht, wo die Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben sollen.

Aus diesem Material könne nicht abgeleitet werden, dass dort verscharrte Kriegstote zu finden seien, auch „nach vereinsinternen Recherchen lassen sich hierzu keinsterlei Anhaltspunkte gewinnen“, schrieb Schwarz damals an den Feuchter Bürger. Ferner: „Mir ist auch von noch niemand jemals eine Behauptung zu Ohren gekommen, die ihre Aussage von gefundenen Gebeinen bestätigen würde.“

 

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler